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Weinböhlas Sport-Oma

Rose-Marie Kunze war eine der ersten Handballerinnen in der Gemeinde. Sport gehört zu ihrem Leben – auch heute noch.

© Arvid Müller

Von Uta Büttner

Weinböhla. Sie muss immer in Bewegung sein. Auch heute noch. „Ohne mein Fahrrad kann ich nicht leben“, sagt Rose-Marie Kunze. Und das im stolzen Alter von 90 Jahren. Jeden Tag ist sie mit ihrem Elektrofahrrad unterwegs. Bis voriges Jahr ging die Weinböhlaerin noch regelmäßig in die Gymnastik-Gruppe der TuS Weinböhla. Derzeit muss sie pausieren. Knie und Rücken schmerzen. Nur hingehen und die meiste Zeit zusehen, das ist nicht ihr Ding. „Die meisten dort sind zwischen 60 und 70 Jahre alt.“ Da fällt das Mithalten schwer.

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Doch Mitglied ist Rose-Marie Kunze vorerst noch. Denn der Sport begleitet sie ihr ganzes Leben. Sie gehörte zur ersten Handball-Frauenmannschaft in Weinböhla, die 1949 gegründet wurde. Damals spielte man noch auf dem Großfeld. Einmal pro Woche wurde trainiert. Bei Wind und Wetter. In der Halle, das kannte man nicht. „Außerdem gab es ja noch gar keine Halle“, erzählt die Sportbegeisterte. Dreimal wurden die Weinböhlaer Frauen Kreismeister.

Begeistert bei dem Sport hat Rose-Marie Kunze immer das Laufen. „Da haben wir etliche Kilometer gemacht“, sagt die 90-Jährige. Familie, Arbeit und Sport, immer unter einen Hut zu bringen, dazu brauchte es Organisationstalent. Zehn Jahre spielte Rose-Marie Kunze, bis ihr viertes und damit vorletztes Kind geboren wurde. Zu dieser Zeit löste sich auch die Frauenmannschaft auf. „Es fanden sich keine elf Frauen mehr.“ Aber noch heute treffen sich fünf der damaligen Spielerinnen zu Geburtstagen. „Erst Dienstag vor zwei Wochen saßen wir wieder zusammen.“

Mit Vereinssport begonnen hatte „Rosl“ Kunze – unter diesem Namen den meisten Einwohnern bekannt – bereits mit etwa 14 Jahren. Geprägt war sie dabei auch von ihren Eltern, die beide Sport trieben. Dabei begann sie mit Leichtathletik. „Ich wollte unbedingt das Sportabzeichen schaffen“, erinnert sie sich. Als es später keine Handballerinnen in Weinböhla mehr gab, schloss sie sich der Gymnastikgruppe an.

Aber mit 76 Jahren wollte Rosl Kunze es noch einmal richtig wissen. Beim Radebeuler Treppenlauf. „Mein Schwiegersohn Christian Hunn hatte bis voriges Jahr den Treppenlauf organisiert.“ Und Tochter Gilberte half auch immer mit. „Als ich teilnahm, war es aber noch nicht der Mount Everest Treppenmarathon wie heute“, sagt Rose-Marie Kunze. Damals wurden etwa 50 Meter bis zur Spitzhaustreppe zurückgelegt, dann folgten die 397 Stufen und nach weiteren etwa 30 Metern war das Ziel erreicht. Rosl Kunze hatte das in neun Minuten und 10,2 Sekunden geschafft – und das mit 76 Jahren. „Als ich durchs Ziel lief, dachte ich, mir huppt das Herz raus.“ Mit dieser Leistung belegte sie den ersten Platz der Altersklasse über 65.

Noch heute hält sich die 90-Jährige fit – körperlich und geistig. Dazu gehören ihre täglichen Radfahrten. „Nur zu Hause vorm Fernseher sitzen, das kann ich nicht.“ Regelmäßiges Kreuzworträtsel-Lösen und Nähen gehören dazu. „Gerade eben habe ich wieder eine Hose gekürzt“, erzählt sie.

Ob sie noch einmal in der Nassauhalle Gymnastik machen kann, das weiß sie nicht. „Knie und Rücken werden in meinem Alter ja nicht besser.“ Doch in Bewegung bleiben will Rosl Kunze auf jeden Fall.