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Weinverkostung in der Waschküche

Im Schloss Maxen ist eine weitere Etappe der Sanierung geschafft. Am Sonntag wird der Weinkeller eröffnet.

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© Thomas Morgenroth

Von Thomas Morgenroth

Maxen. Schätze befinden sich meistens unter der Erde, und das ist im Maxener Schloss nicht anders. Markus Ressel schließt die Holztür auf, hinter der es auf einer Treppe steil nach unten geht. Nein, das Licht funktioniert gerade nicht, das ist Ressel ein wenig peinlich, ist er doch gelernter Elektriker. Aber auf Helligkeit kommt es jetzt nicht an, im Gegenteil, das kühle Halbdunkel macht die Suche erst richtig spannend. „Dort“, sagt Ressel und zeigt auf drei jeweils 50 Liter fassende Eichenholzfässer. Das ist er, der Schatz: echter Maxener Rotwein, Jahrgang 2015, der aus Trauben gekeltert wird, die im schlosseigenen Garten gewachsen sind. „Ökologisch, ohne Chemie“, wie der Winzer betont.

Die Gruft in Burkhardswalde ist sonst verschlossen. Zum Denkmalstag aber wird eine Ausnahme gemacht. Erstmals nach der Weihe im August ist zwischen 11.30 und 16 Uhr Gelegenheit, an der Kirche hinabzusteigen. Außerdem lädt der Kirchturm zum Besteigen aus.
Die Gruft in Burkhardswalde ist sonst verschlossen. Zum Denkmalstag aber wird eine Ausnahme gemacht. Erstmals nach der Weihe im August ist zwischen 11.30 und 16 Uhr Gelegenheit, an der Kirche hinabzusteigen. Außerdem lädt der Kirchturm zum Besteigen aus. © Archiv: Marko Förster
Der Vierseithof in Nentmannsdorf Nr. 44 öffnet nur zum Denkmaltag. Familie Schanze lädt 10 bis 18 Uhr zum Buttern ohne Fass, Seile drehen, Wäsche waschen wie zu Omas Zeiten, Wolle kardieren und Spindel betätigen ein. Alle Geräte der Leinenproduktion werde
Der Vierseithof in Nentmannsdorf Nr. 44 öffnet nur zum Denkmaltag. Familie Schanze lädt 10 bis 18 Uhr zum Buttern ohne Fass, Seile drehen, Wäsche waschen wie zu Omas Zeiten, Wolle kardieren und Spindel betätigen ein. Alle Geräte der Leinenproduktion werde © privat

Ressel, 45, Bauhandwerker mit eigener Firma, hat den über Jahrhunderte nachweisbaren Weinanbau in Maxen wiederbelebt. Als Hobby, vor allem mit Reben der Sorten Spätburgunder und Gutedel, die ihm in guten Jahren bis zu 300 Liter Wein bescheren, roten zumeist. In diesem Jahr, sagt er, wird der Ertrag deutlich schlechter sein: Der Sommer war zu feucht. Vor allem Pilze machen den Beeren zu schaffen.

Der Maxener Wein, der einst als königliches Tafelgetränk am Dresdner Hof begehrt war, wird vor allem für den eigenen Bedarf hergestellt. „Für mehr reicht die Menge meistens nicht“, sagt Ressel.

Am kommenden Sonntag aber, zum Tag des offenen Denkmals, will er auch Besucher vom echten Maxener kosten lassen. Anlass ist die offizielle Eröffnung des Weinkellers, den Markus Ressel und seine Frau Ariane für private Feiern vermieten. Es handelt sich dabei trotz der Bezeichnung nicht um den Raum, in dem die Fässer liegen, sondern um die ehemalige Waschküche im Erdgeschoss des Renaissancehauses, in dem Ressels mit ihren drei Kindern wohnen.

Der Weinkeller in den aufwendig sanierten Gewölben ist ein Schmuckstück geworden. Ressel hat Sandstein- und Ziegelmauern freigelegt, den Rest eines wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammenden Wendelsteins ausgegraben und die Räume stilsicher möbliert. 35 Gäste finden dort Platz und können auch den angrenzenden lauschigen Park mit nutzen.

Mit dem Weinkeller ist eine weitere Etappe der Sanierung des Maxener Schlosses geschafft. „Aber es gibt noch immer viel zu tun“, sagt Peter Flache, dessen Frau Cornelia Flache, geborene Ressel, mit ihren Geschwistern Markus und Annegret im Jahre 2003 das Herrenhaus und einige Anbauten von der katholischen Kirche kaufte. Zuletzt waren die Gebäude ein Seniorenheim der Caritas, die das historische Ensemble in den Siebzigerjahren mit einer modernen Wohnzeile im Stil der Dresdner Prager Straße ergänzte. Was damit wird, sagt Flache, sei derzeit offen.

Anderes hingegen erfreut dank des gemeinsamen Engagements der Familien Auge und Herz: die renovierten Fassaden, der Festsaal, die schönen langen Gänge, der Hildegard-von-Bingen-Garten, der Springbrunnen. So könnte es auch zu Zeiten der Schöngeister und Kunstmäzene Anton und Friederike Serre in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgesehen haben, die Musiker, Dichter und Maler wie Robert und Clara Schumann, Hans-Christian Andersen und Prinz Raden Saleh aus Indonesien nach Maxen einluden. Da hatte das Anwesen bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die bis in das frühe 13. Jahrhundert zurückreicht, als das erste Mal Wehrtürme im Müglitztal erwähnt werden.

Für Peter Flache, 47, Kabarettist und Autor, ist das Schloss ein Ort der Besinnung, der Gegenentwurf zum allgemeinen Zustand der Welt, der von Hektik und Zerwürfnis geprägt ist. Da passt es, dass die Familien zur inneren Einkehr im ältesten Gewölbe des Hauses eine katholische Kapelle eingerichtet haben. Es ist ein geweihter sakraler Raum, in dem auch Gottesdienste mit Heiligen Messen stattfinden. Allerdings nicht mit Maxener Wein als Messwein. „Dafür haben wir keine Zulassung“, sagt Markus Ressel. „Noch nicht.“

Tag des offenen Denkmals, 11. September; das Programm im Schloss Maxen: ab 13 Uhr Führungen mit Peter Flache, 14.30 Uhr Lesung mit Ines Hommann, 16 Uhr Konzert mit Zitherklang; Weinkeller geöffnet; alle Infos: