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Weiße Riesen von Wantewitz

Familie Jäpel liebt das Landleben – jetzt haben sie seltene Galloways für sich entdeckt.

© K. Richter

Von Birgit Ulbricht

Wantewitz. Hornlos sollten sie schon sein. Denn Ulrike Jäpel würde gern Kindern die lustigen Rindviecher zeigen. Vom Hof an der Kirche in Wantewitz könnte man zu Fuß zur Weide der weißen Galloways gehen und beobachten, wie sich Bulle Fred liebvoll um seinen Nachwuchs kümmert, Kühe auch mal miteinander spielen und gemütlich grasen. Das wäre doch die perfekte Ergänzung zu den Pensionspferden. Ulrike Jäpel hatte schon mal eine Kindergruppe und könnte sich das als Lehrerin von Pferdewirten gut vorstellen. Der Unterricht am BSZ für Agrarwirtschaft und Ernährung in Dresden ist ihr Job, den sie liebt. Der Hof in Wantewitz ist Passion, sich verwirklichen – sagen Steffen und Ulrike Jäpel. Er ist beruflich im Baugeschäft, hat aber ursprünglich auch in der Landwirtschaft gelernt und so auch seine Frau kennengelernt.

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Bulle Fred kümmert sich gern um seinen ersten Nachwuchs Alma, Arthur und Albert.
Bulle Fred kümmert sich gern um seinen ersten Nachwuchs Alma, Arthur und Albert. © K. Richter

Beide Lieben sind geblieben. Und beide Jäpels haben auf dem Hof sozusagen ihr Steckenpferd. Ulrike Jäpel hält Fjordpferde, helle, fidele Ponys mit heller aufgerichteter Mähne und schwarzen Mittelstrich darin. Das sieht aus, als hätten die urwüchsigen Kerle eine Bürste auf dem Kopf. Schwarz-weiß – diese Farbkombination tragen auch die Rinder von Mann Steffen. Die Weißen hatten den beiden einfach am besten gefallen, sagen sie. Gesucht haben sie aber eine hornlose Rasse und dafür sind sie Land auf, Land ab durch Deutschland getourt. Bullen Fred haben sie in Bayern entdeckt, die vier Mutterkühe – allen voran Schönheit Lucie – in Schleswig-Holstein. Jetzt grasen sie wie die Pferde auf den Weiden im Hügelland von Wantewitz mit fantastischem Ausblick ins weite Land. Ob die Tiere davon beglückt sind, lässt sich nicht sagen, sie schätzen wohl eher den modernen Komfort – die Pensionsreiter sind es jedenfalls. Und auch Jäpels setzen sich gern mal auf die Weide zu ihren Pferden auf die Bank, auch wenn dafür wenig Zeit bleibt bei so einem großen Hof. Die Weide ist nämlich nicht nur ein Stück Wiese, sondern Jäpels haben seit 1. Juli einen Trail eröffnet. Dieser Rundweg führt von der Weide an verschiedene Stationen zum Ästeknabbern, Sandbaden oder zur Heuraufe. Die Pferde sind so viel mehr in Bewegung, miteinander beschäftigt und damit ausgeglichener. „Gerade wenn Freizeitreiter nicht jeden Tag Zeit haben, ist das einfach gut für die Tiere“, erzählt Ulrike Jäpel. Über die Pferdehaltung macht sie sich ganz praktisch Gedanken und bei Exkursionen mit ihren Berufsschülern in Betriebe hat sie viel gesehen. Die Pensionspferde stehen deshalb bei Jäpels auf dem Hof in Paddock-Boxen – Boxen mit offenem Freigang, insgesamt 40 Quadratmeter Auslauf, der in herkömmlichen Ställen nicht gegeben ist. Hier bleiben die Tiere auch im Winter. Einmal an die Jahreszeiten gewöhnte Tiere sind viel gesünder, sagt Ulrike Jäpel. Draußen bleiben natürlich auch die zottligen Galloways. Im Winter bekommen sie ein richtig langes, dickes Fell – weiße Rinder im Schnee mit schwarzen Ohren, das sieht bestimmt lustig aus. Es sind auch gemütliche Gesellen, die hier grasen.

Nur zum schön Aussehen sind sie dann aber doch nicht da. Jäpels möchten gern eine kleine Direktvermarktung am Hof aufbauen. Das Schlachten und das Fleischerhandwerk würden sie aber gern anderen überlassen. „Wir haben hier genug gebaut“, lacht Steffen Jäpel. Mit der Fleischerei will er nicht auch noch anfangen. Immerhin gehen beide in Vollzeit einem Job nach, voriges Jahr haben sie den Reitplatz gebaut – extra mit Kunststoffbelag und dann ist ja auch noch das Wohnhaus der Schwiegereltern, das gerade neu hochgezogen wird. Ende März vorigen Jahres brannte das Haus der Schwiegereltern lichterloh. Zum Glück waren sie zu einer Geburtstagsfeier. Seit dem Unglück lebten die alten Herrschaften im Nachbardorf im Block. Für die Familie kein Zustand und so hat die Familie schließlich beschlossen, ein neues Haus zu bauen. Zum Ausruhen kommen die Jäpels da gerade nicht, denn schließlich sind da auch noch die drei Kinder (18,16,11). Aber sie sind glücklich in Wantewitz, über das Dorfleben hier und das Landleben natürlich. Denn ohne ihre urwüchsigen Pferde und Rinder – das wäre auch kein Leben.