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Krankenhaus Weißwasser schließt Kinderstation

Ab diesem Monat wird der Stationsbetrieb schrittweise eingestellt. Es ist nicht die einzige Änderung an der Klinik.

Das Krankenhaus Weißwasser behandelte 2020 rund 600 Kinder stationär.
Das Krankenhaus Weißwasser behandelte 2020 rund 600 Kinder stationär. © Joachim Rehle

Ab März wird die bisherige stationäre Versorgungsstruktur im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin Zug um Zug eingestellt. Dies bedeutet, dass die Station geschlossen wird. Ein festes Datum gibt es nicht. Vielmehr soll der Übergang sanft gestaltet werden. Auch eine Fachärztin für Pädiatrie wird weiter an der Klinik beschäftigt sein. Und die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist weiterhin möglich. Jedoch nicht mehr auf einer dafür ausgewiesenen pädiatrischen Abteilung, sondern in den Fachkliniken Chirurgie, Unfallchirurgie und Innere Medizin des Krankenhauses – wie es schon früher erfolgte, unter Hinzuziehung eines Facharztes für Pädiatrie. Bei komplexen zu behandelnden Krankheitsbildern werden die Kinder und Jugendlichen an Spezialkliniken der Pädiatrie überwiesen.

Ambulanten Praxis für Kinderheilkunde wird ausgebaut

Ob es an der Klinik in Weißwasser in Zukunft spezielle Zimmer für Kinder und Jugendliche, Spiel- und Aufenthaltsbereiche auf den Stationen geben und das bisherige Pflegepersonal der Kinderstation auf andere Stationen versetzt wird, dazu gab das Klinikmanagement gestern auf TAGEBLATT-Anfrage noch keine Auskünfte. Allerdings wurde darauf verwiesen, dass bereits in den letzten Jahren die Anzahl stationär zu behandelnder Kinder und Jugendlicher stark rückläufig gewesen sei . „In den letzten drei Jahren hatte sich die Fallzahl fast um die Hälfte reduziert. Die Folge: Im Vorjahr wurden etwa 600 Kinder und Jugendliche stationär behandelt“, weiß Dr. Jana-Cordelia Petzold, Pressesprecherin des Klinikmanagements. Wie sie weiter erklärte, stehe die getroffene Entscheidung auch nicht im Zusammenhang mit dem Weggang der bisherigen Chefärztin der Pädiatrieabteilung in Weißwasser.

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„Unser Zielbild ist nicht die alleinige Schließung der Pädiatrie, sondern eine neue, bedarfsnotwendige Veränderung und Umsteuerung des medizinischen Profils am Krankenhausstandort Weißwasser“ sagt Petzold und ergänzt: „Trotz Beendigung der stationären Leistungserbringung der Pädiatrie ist die weiterführende Akut- und Notfallversorgung für Kinder und Jugendliche dennoch sichergestellt.“

Mehr noch. Die bereits am Krankenhaus bestehende Praxis für Pädiatrie solle zur ambulanten Versorgung weiter ausgebaut werden. Auch die Erstvorstellung in der Notfallaufnahme werde weiter durchgängig möglich sein. „Zudem steht für die Patientinnen auf der Wochenbettstation weiterhin ein Pädiater zur Verfügung. Sichergestellt sind ebenfalls Entbindungen und die Erstversorgung der Neugeborenen sowie Geburtshilfe.“

Diabetes-Sprechstunde wird neu eingerichtet

Neu ist im Krankenhaus Weißwasser ebenfalls, dass es hier ab April 2021 erstmals eine spezialärztliche ambulante diabetologische Sprechstunde geben wird. Bislang waren Patienten mit Diabetes bei speziell ausgebildeten niedergelassenen Internisten in Behandlung. Die gibt es wegen der Aufgabe der Praxen inzwischen in Weißwasser nicht mehr, weshalb für das Krankenhaus Weißwasser ein Antrag auf Erlaubnis der diabetologischen Versorgung bei der Kassenärztlichen Vereinigung gestellt wurde. Inzwischen ist der langwierige Prozess abgeschlossen, liegt die Erlaubnis vor, wurde eine Ärztin der Klinik entsprechend ausgebildet, um die Behandlung der Patienten leisten zu können.

Hintergründe für die Veränderungen sind, dass das Kreiskrankenhaus Weißwasser seine Leistungsangebote neu ausrichten und zu einem ambulantem Versorgungsschwerpunkt für die Region Weißwasser werden will. Die Einrichtung befindet sich derzeit am Anfang einer entsprechenden Entwicklungsphase. Ziel des Prozesses sei es, so die Pressesprecherin, innovative Konzepte zur Förderung der Nachhaltigkeit der medizinischen Leistungen zu erstellen. Orientiert werde sich beim Umstellungsprozess an veränderten Bedarfen und Notwendigkeiten im Versorgungsbereich. „Letztendlich stärkt eine Neuausrichtung den Krankenhausstandort Weißwasser und die ambulant ärztliche Versorgung“, begründet Dr. Cornelia Petzold.

Nicht im Alleingang beschlossen

Wie sie weiter informiert, seien die Änderungen nicht im Alleingang beschlossen worden, sondern in „unmittelbarer Abstimmung und Begleitung mit / von den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und dem Landkreis Görlitz“. Alle Beteiligten seien sich darin einig, dass die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgungsstrukturen zu den Wesensmerkmalen des Strukturwandels in der Lausitz gehöre.

Daraus resultiere die Herausforderung, auch veränderte Arbeitswelten und Modelle für Mediziner und Pflegekräfte anzubieten und umzusetzen. „In diesem Kontext bleibt die Region Weißwasser eine sächsische Modellregion für eine nachhaltige medizinische Versorgung.“

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