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Weißwasser

„Ährenwort“ für Brot aus Getreide der Region

Wie ein Rietschener Bäckermeister dafür sorgt, dass er das Getreide vor der Haustür verarbeiten kann.

Severin Glibowski, Lothar Höfchen und Oliver Lübke (von links) vor der Tafel bei Rietschen.
Severin Glibowski, Lothar Höfchen und Oliver Lübke (von links) vor der Tafel bei Rietschen. © Rolf Ullmann

Rietschen. Am Donnerstagvormittag recken die Mehrzahl der Kraftfahrer, die auf der Bundesstraße B 115 unterwegs sind, neugierig die Köpfe. Denn Ungewöhnliches geht im Roggenschlag neben der Tankstelle Rietschen vor sich. Eine große Tafel auf einem Hänger zieht seither die Aufmerksamkeit der Vorüberkommenden auf sich und das ist auch so gewollt.

Die Bäckerei Höfchen, die Agrargenossenschaft Daubitz sowie die Dresdener Mühle geben so für jeden sichtbar „ihr Ährenwort, dass sie Getreide verarbeiten, das in der Region gewachsen, hier gemahlen ist und sich in der hiesigen Bäckerei in leckere Backwaren verwandelt“. Nicht nur Konstanze Fritsche, Prokuristin der Dresdener Mühle, ist darüber erfreut, dass sich mit den beiden Betrieben aus Daubitz zwei weitere Partner der Aktion „Ährenwort“ anschließen. Seit der Ernte 1992/1993 arbeitet die größte sächsische Mühle mit regionalen Anbietern zusammen. Immerhin sind es bereits 150 Landwirtschaftsbetriebe in Sachsen, die daran mitwirken. Rund 200.000 Tonnen Mahlgut verarbeiten die etwas über 50 Mitarbeiter pro Jahr im Betrieb am Alberthafen in Dresden.

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Folge eines losen Gesprächs

Seit zwei Jahren zählt auch die Daubitzer Agrargenossenschaft zur großen Zahl der Kunden, die in Sachsen ihre Getreideernte verarbeiten lassen. Wie mitunter auch bei anderen Gelegenheiten, so legte eine eher beiläufig vorgebrachte Äußerung den Grundstein zu einer für beide Seiten nutzbringenden Zusammenarbeit. Bäckermeister David Jahn stellte nämlich im Gespräch mit einem Vertreter der Dresdener Mühle die Frage, was mit dem Getreide der Felder vor Ort passiert. Er sagt „wir brauchen keine gefrosteten Teiglinge aus China oder sonstwoher, sondern sollten das nutzen, was vor der Haustür wächst. Denn das bedeutet kurze Wege.“

Seine Frage, weitergetragen an die Agrargenossenschaft Daubitz, fiel schließlich auf fruchtbaren Boden. „Das Korn, das hier auf Feldern von Genossenschaftsmitgliedern, die wir als Agrargenossenschaft gepachtet haben, heranwächst, bleibt in der Region. Es sorgt dafür, dass die Menschen hier sprichwörtlich Lohn und Brot finden“, sagt Gerd Wenzel, der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft.

Für Bäckermeister Lothar Höfchen setzen die an der Aktion Beteiligten damit einen weiteren Meilenstein auf dem Weg der Kooperation zwischen dem Landwirtschaftsbetrieb und dem Ortsteil Daubitz. Er erinnert dabei unter anderem an die Dorfheizung, die seit nunmehr zehn Jahren für Wärme in rund 30 Haushalten sorgt. Für die weitere Entwicklung gibt es schon Gedanken zur Stärkung der Regionalvermarktung, wie zum Beispiel den Milchverkauf oder den Anbau von Mohn.

Alle, die an diesem Vormittag mit einem Gläschen Sekt auf dieses Ereignis anstoßen, eint der Gedanke, dass es gerade in der heutigen Zeit, die durch eine zunehmende Globalisierung gekennzeichnet ist, notwendig ist, der Stärkung regionaler Anbieter größeres Augenmerk zu schenken. „In unserer Dresdner Mühle sind wir sehr daran interessiert, dass wir Getreide verarbeiten, welches hier erzeugt wurde und nicht aus entfernteren Anbaugebieten zu uns gelangt“, bekräftigt auch Konstanze Fritsch.

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