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Badespaß ist möglich – Silvester feiern aber nicht

Die Erlebniswelt Krauschwitz ist nach dem Lockdown gefragt wie nie. Das hilft wirtschaften, ist aber herausfordernd.

Von Sabine Larbig
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In der Erlebniswelt in Krauschwitz darf wieder nach Herzenslust gebadet, geschwommen, gerutscht, sauniert und entspannt werden. Allerdings gelten durch die Pandemie weiter einige Einschränkungen wie die 3-G-Regel und begrenzte Gästezahlen.
In der Erlebniswelt in Krauschwitz darf wieder nach Herzenslust gebadet, geschwommen, gerutscht, sauniert und entspannt werden. Allerdings gelten durch die Pandemie weiter einige Einschränkungen wie die 3-G-Regel und begrenzte Gästezahlen. © Sabine Larbig

Noch sind Herbstferien, weshalb das Bad schon vormittags öffnet und voll ist. Doch selbst außerhalb der Ferien, wenn Badehalle, Saunabereiche und Solebecken erst ab 14 Uhr nutzbar sind, herrscht tagtäglich Getümmel. „Die Leute sind nach dem schwachen Sommer und Corona samt Einschränkungen einfach ausgehungert und wollen Spaß haben, was unternehmen und erleben. Unser Badeparadies ist eine geeignete Alternative für kurze Auszeiten, Erholung und Spaß“, meint Badchef Michael Weihrauch zur Nachfrage.

Neustart mit Hindernissen

Erst im Juli konnte die Erlebniswelt Krauschwitz (EWK), die seit November 2020 wegen Corona geschlossen war, wieder aufmachen. Dafür werden seither „überdurchschnittlich hohe Besucherzahlen“ registriert – trotz Corona-Auflagen. So dürfen sich statt 175 nur 130 Menschen im Bad und 60, statt 85, im Saunabereich aufhalten. Das führte dazu, dass man schon Gäste wegschicken musste, was Betroffene und Mitarbeiter ärgert. Letztere vor allem, weil es längst ein Online-Ticket-System geben sollte, mit dem Besucherströme gelenkt und Stoßzeiten abgefedert werden. Erst stockte die Einführung durch die Pandemie. Nun warten die Krauschwitzer seit Monaten auf Bearbeitung ihres Finanzierungsantrages durch die Sächsische Aufbaubank. Immerhin kostet das System 28.000 Euro, was Bad und Gesellschafter Krauschwitz nicht aufbringen können. Doch das System ist wirtschaftlich wichtig. Damit können Gäste die Belegung ihrer Wunschzeiten im Internet sehen und Eintrittskarten gezielt buchen. Die Folge: Niemand würde mehr umsonst kommen; Einnahme- und Imageverluste könnten vermieden werden. So wie im Gastronomiebereich, wo sich moderne Technik bereits als hilfreicher Kundenservice erweist.

Verzögerungen bei Bauprojekten

Gemeint sind 60 nummerierte Kleingeräte, die Kunden bei ihrer Essenbestellung erhalten. Sobald die Geräte einen Signalton abgeben, wissen die Kunden, dass die Küche ihre Essen fertig und abholbereit hat. Lange Schlangen in der Badgaststätte gibt es nun nicht mehr und die eigentliche Wartezeit können Besucher in Bad und Sauna verbringen. „Man muss denken wie die Gäste. Die kommen zum Entspannen zu uns und nicht zum Warten und Anstehen“, begründet Michael Weihrauch die Anschaffung. Gerne hätten er und sein Team auch weitere Neuerungen mit der Wiedereröffnung präsentiert. Beispielsweise die neue Frauensauna, die seit gut zwei Jahren geplant ist, oder das bereits im Bau befindliche Ruhehaus im Saunadorf. Auch ihre Eröffnungen behinderte Corona: erst in den Finanzierungen, nun durch Handwerker-Engpässe. Zwar wird noch zeitnah auf die Einweihungen gehofft. Wann es soweit ist, kann der Badchef noch nicht einschätzen.

Corona brachte Personalengpass

Dass der Betrieb nach dem Neustart so gut läuft, freut Michael Weihrauch. Zum einen, weil durch den Lockdown acht Mitarbeiter gekündigt und sich einen neuen Job gesucht hatten. „Die Stellen neu zu besetzen war schon ein Kraftakt“, bekennt er. Erschwerend hinzu kamen Ausfälle durch Urlaubs- und Krankheitszeiten., weshalb der Chef selbst in Küche und Sauna aushelfen und mit anpacken musste. Für Weihrauch ist die Zusatzbelastung dennoch eine positive Erfahrung. Der andere Blickwinkel auf den Badbetrieb habe dazu geführt, dass er Prozesse und Hindernisse überdacht habe. Ein Beispiel sei die Überlegung, in gut besuchten Abendstunden eine Essenvorbestellung einzuführen, um die Küche zu entlasten. Und er versuche nun, eine Qualifizierung der Bademeister hinzubekommen, damit sie künftig von Krankenkassen gestützte Kurse durchführen können.

Neue Anbieter für Gesundheitskurse

Bislang können und dürfen dies nur Physiotherapien. Zwar hat Weihrauch mit einer Einrichtung aus Rietschen, die seit Oktober Kurse anbietet, nun die vierte Praxis ans Bad gebunden. „Aber die Nachfrage nach Gesundheitskursen ist so groß, dass selbst diese vier Anbieter nicht alle Bedarfe abdecken können.“ Klappt es, dass seine Bademeister künftig Aquafitness & Co. anbieten und Kurse machen dürfen, entspannt sich die Lage. Positiver Nebeneffekt: Besucher- und Einnahmezahlen der Erlebniswelt nehmen entsprechend zu. Und Wirtschaftlichkeit, das weiß nicht nur der Badchef, ist das A und O für Erhalt und Weiterentwicklung des Bades. Deshalb soll in der Erlebniswelt in Krauschwitz auch das Schulschwimmen, was es hier erst seit kurzem gibt, noch weiter ausgebaut werden. Denn, so die Hoffnung, die Schwimmschüler ziehen ihre Familien mit ins Bad.

„All dies trägt zu mehr Einnahmen bei. Alles in allem bin ich mit der wirtschaftlichen Lage trotz Pandemie und daraus resultierender Einschränkungen aktuell sogar zufrieden und ich hoffe, dass sich der Trend bis Jahresende fortsetzt, nicht wieder ein Lockdown für Einrichtungen wie uns kommt und wir und unser Gesellschafter so mit einem blauen Auge aus der Pandemie kommen“, bekennt Michael Weihrauch offen. Noch scheint es so, dass sich die Hoffnung erfüllt, kommen die Gäste in Scharen aus Polen, dem Landkreis Görlitz und umliegenden und, wenn sie Urlauber in der Region sind, sogar aus ganz Deutschland oder dem Ausland.

Gäste loben Bad und Personal

So wie die Görlitzer Christian Kocksch und Michael Bräsel. Die leidenschaftlichen Sauna-Gänger fahren seit zehn Jahren regelmäßig nach Krauschwitz. „In Görlitz gibt es nicht so eine tolle Einrichtung, nur eine einfache und meist kalte Schwimmhalle. Viele Familien fahren daher nach Liberec in Tschechien. Doch wir und unsere Frauen finden das Krauschwitzer Bad mit seinen Angeboten einmalig in der Region. Das Personal ist super freundlich, alles ist sehr sauber und funktioniert reibungslos. Selbst jetzt zu Corona-Zeiten. Wir kommen einfach rechtzeitig her, zeigen unseren Impfpass und los geht es“, lobt Kocksch. „Die Gemütlichkeit ist prima und das Bad wirkt nie überlaufen“, meint Bräse und setzt hinzu: „Und natürlich haben auch unsere Enkelkinder hier viele tolle Möglichkeiten zum Planschen und Toben.“

Kinderfest zu Halloween

Da gerade Kinder Spaßbäder lieben, planen Weihrauch und sein Team für sie regelmäßig Angebote und Höhepunkte. So gibt es kommenden Sonntag von 12 bis 18 Uhr ein Halloween-Fest. „Natürlich ist dann alles gruselig-schön dekoriert, gibt es zusätzlich Happyrutschen, Rutschmatten, Treffen mit unserem Maskottchen und Überraschungen“, verrät der Erlebniswelt-Chef.

Besondere Sauna-Abende für Erwachsene, sagt er, seien auch noch geplant. Vorbehaltlich der Pandemie. Die traditionelle Silvester-Party in Bad und Saunabereich habe man aber vorsichtshalber abgesagt. Und er bedauert, das Babyschwimmen wegen Corona noch immer nicht angeboten werden darf. „Wir hoffen, dass sich im kommenden Jahr endlich alles wieder normalisiert.“

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