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Muskauer Aldi wird Rot-Weiß-Domizil

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hat die Gesamtliegenschaft gekauft. Mieter im Ladenobjekt wird der Verein.

Von der Wobau erworben und zur Nutzung per Mietvertrag durch Rot-Weiß und weitere Interessenten nutzbar: der einstige Aldie in der Berliner Straße.
Von der Wobau erworben und zur Nutzung per Mietvertrag durch Rot-Weiß und weitere Interessenten nutzbar: der einstige Aldie in der Berliner Straße. © Foto: Sabine Larbig/SZ-Montage

Bad Muskau. Seit Frühjahr 2015 steht der einstige Aldi in der Berliner Straße in Bad Muskau leer, nachdem sich der Discounter komplett aus der Kur- und Parkstadt zurückzog. Seither bemühten sich Objektverwalter und Stadtverwaltung erfolglos um Nachnutzung. Im August dieses Jahres erwarb die städtische Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) nun das Gesamtobjekt, zu dem neben dem Aldi und 100 Parkplätzen auch ein Wohn- und Geschäftshaus gehört. Während Letzteres durch die Wobau teilweise umgestaltet und vermietet wird, zieht, laut Wobau-Geschäftsführer Bernd Glowka, der Verein Rot-Weiß Bad Muskau in die Ladenbrache ein.

Was passiert mit und im Aldi-Objekt?

Wie Rot-Weiß-Präsident Andreas Bänder gegenüber TAGEBLATT bestätigt, werde der Verein spätestens ab Ende 2021 das Objekt nutzen. „Zuvor wird es umgebaut“, so Bänder. Geplant sei die Schaffung von Umkleiden, Sanitärtrakt, Büroräumen, Mehrzweck- und Kraftraum. „Das geht relativ einfach, da durch vorhandene Toiletten und Duschen die erforderlichen Medien im Objekt anliegen, funktionierende Heizungs- und Lüftungsanlagen vorhanden sind und die Umgestaltung in Trockenbauweise erfolgt, sagt der Rot-Weiß-Chef.

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Finanziert werden soll das Vorhaben über Mittel der investiven Sportförderung des Freistaates Sachsen und Eigenmittel des Vereins. Da das Förderprogramm nur 50 Prozent der Kosten absichert, kann der Verein sowohl finanzielle Mittel als auch Eigenleistungen und Sponsorenleistungen als Eigenmittel einbringen, weshalb Bänder davon ausgeht, dass das Projekt klappt. Zwar müssten vor der Antragstellung auf Fördermittel nun erst einmal Experten Umbau, Kosten und Zeitschiene planen. Doch Bänder ist optimistisch. „Das Projekt kann zwar nicht einfach aus der Kasse bezahlt werden. Aber der Gesamtverein hat rund 300 Mitglieder und somit genug Helfer, und trotz Corona-Pandemie keine besorgniserregende wirtschaftliche Lage.“

Wie geht es mit Parkstadion weiter?

Dass der Verein den Aldi umbauen und nutzen will, hat mehrere Gründe.
Einer ist, dass das benachbarte Parkstadion, in dem im Wettkampf- und Trainingsbetrieb Fußball gespielt wird und noch immer einen Sozialtrakt mit DDR-Charme hat. Zwar wurde schon teilsaniert, sogar eine Solaranlage zur Heizungsbetreibung installiert. Doch die Bedingungen hinsichtlich der Sanitäreinrichtungen für Sportler und Zuschauer sind alles andere als ideal und zeitgemäß. Man könne, so Präsident Andreas Bänder, heute beispielsweise weder den eigenen Teams noch Gastmannschaften zumuten, dass sie zum Duschen „halbnackt übers Gelände flitzen“ müssen. Außerdem biete das am Stadion befindliche Vereinshaus mit Gaststätte und 25 Personen fassendem Sitzungsraum weder ausreichend Platz für (Jahresmitglieder-) Versammlungen des Gesamtvereins, zu dem die Abteilungen Fußball, Handball und Eishockey zählen, noch für Büros der Eishockeyspieler und Handballer.

Laut Rot-Weiß-Präsident Andreas Bänder sollen und werden all diese Probleme mit dem Einzug in den Aldi der Vergangenheit angehören. „Dann haben alle Abteilungen eigene Büros und der Verein ist unter einem Dach.“ Denn, auch das ist geplant, die bisher im Grenzgebäude untergebrachte Geschäftsstelle von Rot-Weiß Bad Muskau soll ebenfalls in den Aldi umziehen. „Dort werden wir als Verein auch weiter die Grünanlagen pflegen. So, wie schon in der Vergangenheit“, erklärt Andreas Bänder.

Die Bereitschaft des Vereins dazu ist umso höher einzuschätzen, da er nicht allein im Objekt sein wird. Von den rund 800 Quadratmetern Fläche wird Rot-Weiß etwa 650 Quadratmeter umbauen und nutzen. Die restliche Fläche vermietet die Wobau als Lagerflächen an andere Mieter. Interessierte Nutzer, sagt Bernd Glowka, gäbe es bereits. „Bis Ende diesen Jahres wollen wir Klarheit haben und alles, in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat, so vorbereiten, dass ab kommenden Januar die Immobilie künftigen Nutzern zur Verfügung steht und sie einen Mietvertrag haben.“

Bleibt das Station am Lindenhof?

Während sich der Bad Muskauer Sportverein nun Gedanken zu Umbau und Finanzierung machen muss, bleibt er weiterhin auch für das Stadion am Lindenhof zuständig. Hier trainieren vorrangig Kinder und Jugendliche des Vereins, finden Sportfeste und Unterricht der Bad Muskauer Grundschule statt sowie diverse städtische Veranstaltungen. „Verzichten können wir auf das Lindenhof-Stadion nicht, da allein hier in Zeiten ohne Corona regelmäßig rund 100 Kinder zwei Mal pro Woche trainieren und an den Wochenenden spielen. Das macht etwa 800 Stunden pro Woche, in denen wir als Verein den Kindern und Jugendlichen nicht nur die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung und die Ausübung eines Hobbys bieten, sondern ihnen auch Kameradschaft und Pflichtbewusstsein vermittelt wird“, erzählt Andreas Bänder.

Daher sei 2018 auch ein Sanitärcontainer samt Dach auf dem Platz errichtet und in diesem Jahr eine Beregnungsanlage eingebaut worden. Allein diese beiden Neuerungen hätten rund 50.000 Euro gekostet. „Glücklicherweise hatten wir auch hier einen Zuschuss durch die Sportförderung und auch künftig werden wir nicht darauf verzichten können“, weiß Bänder. Zwar gehören die beiden Plätze der Stadt, ist der Verein nur Nutzer, so wie auch beim künftigen Domizil im Aldi, dessen Eigentümer dann die Wobau ist. Doch ohne Investitionen des Vereins in die Einrichtungen wird es auch mittel- und langfristig nicht gehen. Aber, auch dies ist positiv, auf die ideelle, fachliche, praktische Unterstützung, Zusammenarbeit und Kooperation der Stadt konnte und kann sich der Muskauer Verein verlassen. Nur finanziell sind der verschuldeten Kommune die Hände gebunden.

Wer leitet künftig den Verein?

Dies war auch in den 19 Jahren so, als Andreas Bänder Bürgermeister der Stadt Bad Muskau und parallel Präsident von Rot-Weiß war. Vereinspräsident ist Bänder immer noch – bis Frühjahr 2021. „Dann hoffe ich, dass die Pandemie unsere satzungsmäßige Wahlversammlung im April zulässt und ein neuer Vorstand berufen wird, aus dessen Mitte ein neuer Präsident hervorgeht.“ Andreas Bänder sähe es gerne, wenn traditionell der Bürgermeister – Stadtchef Thomas Krahl ist schon jetzt Vorstandsmitglied im Verein – seine Nachfolge antreten würde. Ob es so kommt, bleibt abzuwarten. Generell, erklärte Krahl gegenüber TAGEBLATT schon vor einiger Zeit, sei er dafür bereit. Doch wer auch immer Präsident wird: Er hat Verantwortung für über 300 Aktive und mehrere Vereinsobjekte.

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