merken
PLUS Weißwasser

Rohne: Neubeginn am Alten Bauhof

Ein besonderes Relief des Künstlers Jörg Tausch ensteht an der Fassade – es soll zeigen, dass wieder Leben in der Bude ist.

Für diesen Entwurf haben sich die Vereine entschieden. Er symbolisiert ihren Zusammenhalt und die Verbundenheit mit den sorbischen Traditionen.
Für diesen Entwurf haben sich die Vereine entschieden. Er symbolisiert ihren Zusammenhalt und die Verbundenheit mit den sorbischen Traditionen. © Entwurf: Jörg Tausch / Foto: co

Schleife. Noch bedeckt ein Gerüst den Giebel des alten Bauhofs in Schleife. Routiniert bemalt Jörg Tausch das von ihm modellierte Gebilde an der Fassade. Pinselstrich für Pinselstrich entsteht so das Logo der Vereins- und Begegnungsstätte „Alter Bauhof“. In bunten Farben wird es für jedermann sichtbar dokumentieren, dass Leben in der Bude ist, wie der Volksmund so schön sagt. Immerhin nutzen acht Vereine mit mehr als 100 Mitgliedern das Objekt. Als nach monatelanger Unsicherheit vor Wochen endlich klar war, dass das Gebäude nicht verkauft, sondern zur Vereins- und Begegnungsstätte umgebaut wird, gab das dem ehrenamtlichen Engagement in Schleife einen kräftigen Schub. Und das soll sich nun auch an der Fassade widerspiegeln.
„Es soll nach außen sichtbar sein, dass hier was los ist“, bestätigt Jörg Tausch. Aus den Händen des freischaffenden Künstlers stammen die Entwürfe für das Logo. Symbolkraft sollte es haben und jeder Verein integriert sein. Darauf hatten sich alle Beteiligten verständigt.

Symbol für den Zusammenhalt

Die Vereine entschieden sich für die Idee von einem kunterbunten Geflecht, wobei jede Farbe für einen Verein steht und alle miteinander eng verwoben sind. Darüber wurde in 3D ein stilisiertes Lindenblatt gelegt, finden sich darunter ganz selbstverständlich die sorbischen Farben wieder – als Ausdruck des Stellenwerts, den die sorbischen Traditionen, Sprache und Kultur bis heute und künftig in Schleife haben. Damit er mit den verschiedenen Farbbändern nicht durcheinandergerät, hat der Rohner zuvor ein Modell des Flechtwerks gebaut. In den Herbstferien modellierte er dann das 2,40 Meter hohe Relief. Jetzt kam in mehreren Anstrichen die Farbe drauf.

Anzeige
Lohnt sich ein Autokauf bis Jahresende?
Lohnt sich ein Autokauf bis Jahresende?

Jetzt noch von 16% Mwst beim Autokauf profitieren!

Seit 2018 ist Jörg Tausch Mitglied im Kunstverein Schleife. Seit eben jenem Jahr ist er zudem Kunstlehrer an der Oberschule. Der damalige Rektor hatte ihn angesprochen, ob er sich das vorstellen könnte. Wolfgang Goldstein sah in den vielfältigen praktischen Erfahrungen von Jörg Tausch einen Vorteil gegenüber einem Absolventen des Lehramtsstudiums von der Hochschule. So könnten viel mehr Bereiche im Kunstunterricht der Schüler abgedeckt werden. Für Jörg Tausch, der 1989/90 Malerei und Grafik in Cottbus studiert hatte, ein durchaus spannendes Angebot – zumal er zuvor schon schulische Projekte sozialpädagogisch begleitet hat. Rückblickend erklärt er: „Ich habe mich in der Schule immer sehr wohlgefühlt. Das passte einfach.“

Durch sein Studium zum Gestaltungs- und klinischen Kunsttherapeuten, welches er 2015 bis 2018 absolvierte, brachte er beste Voraussetzungen für den Quereinstieg als Kunstlehrer mit. Nachdem er im Juni 2020 die Abschlussprüfung des Schulamts bestand, ist er nun als Pädagoge für Kunst offiziell bestätigt. Er sieht es als ein zusätzliches Standbein. Im Gespräch mit TAGEBLATT sagt er schmunzelnd: „Bis 70 auf dem Bau arbeiten geht ja nun mal nicht.“

Jörg Tausch betrachtet sich selber in erster Linie als Künstler, fügt aber sodann gleich hinzu, dass er ja eigentlich Kunsthandwerker sei. Denn von 1984 bis 1986 lernte er in Leipzig den Beruf eines Stuckateurs, absolvierte ebenfalls dort 1989 bis 1992 das Meisterstudium und sattelte Anfang der 2000er noch ein Studium zum Restaurator auf. Schon 1990 hatte er den Stuck-Hof gegründet.

Der alte Bauhof in Schleife. In dem Objekt haben acht Vereine ihr Domizil.
Der alte Bauhof in Schleife. In dem Objekt haben acht Vereine ihr Domizil. © Constanze Knappe
Der Rohner Stuckateur und freischaffende Künstler Jörg Tausch hat das Logo an der Vereins- und Begegnungsstätte „Alter Bauhof“ in Schleife modelliert und bemalt. Nach dem Anbringen der Beschriftung fällt in der nächsten Woche das Gerüst.
Der Rohner Stuckateur und freischaffende Künstler Jörg Tausch hat das Logo an der Vereins- und Begegnungsstätte „Alter Bauhof“ in Schleife modelliert und bemalt. Nach dem Anbringen der Beschriftung fällt in der nächsten Woche das Gerüst. © Constanze Knappe

Auch als Gutachter gefragt

Als Stuckateur und Restaurator hat der bald 53-Jährige europaweit seine Spuren hinterlassen. Auch in der Kirche in Schleife oder im Schloss Neuschwanstein oder erst jüngst bei der Restaurierung des Mausoleums der Familie Günther in Berlin. An anderen denkmalgeschützten Objekten hat er mit seinem künstlerischen und handwerklichen Sachverstand als Projektmanager die verschiedenen Gewerke koordiniert. Dem Handwerk, so sagt er, bleibe er trotz der vielfältigen anderen Aufgaben auch weiterhin treu. In unterschiedlichster Weise. Denn seit 2010 zählt man sogar auf seinen Sachverstand als Gutachter.

Für Jörg Tausch könnte der Tag 30 Stunden haben – und wäre vermutlich immer noch zu kurz. „Weil ich so vielseitig interessiert bin“, begründet er. Und weil er gleichermaßen vielseitig beschäftigt ist. Bis heute bietet er kunsttherapeutische Kurse in seiner Atelier-Praxis in Hoyerswerda an. Er hielt in der Woche der seelischen Gesundheit zwei Vorträge in Weißwasser. Die Sommerferien nutzt er für Workshops wie das Bildhauersymposium in Nebelschütz.

Er hat in der Krise gut zu tun

Diese Vielfalt, die habe ihn in der Corona-Krise gerettet. Er hatte in seiner Werkstatt genug Arbeit und auch als Künstler Aufträge. Und als Kunstlehrer an der Schleifer Oberschule war er ins Homeschooling eingebunden. „Die Schleifer Schule ist dafür super aufgestellt, und auch als die Klassen geteilt waren, lief es richtig gut“, erzählt er.
Seit 2007 lebt der Künstler mit seiner Freundin in Rohne. Sein Sohn, den er selber ausgebildet hat, arbeitet als Stuckateur in Neuseeland. Für ein Hobby bleibt Jörg Tausch kaum Zeit. Er ist Gitarrist und Bassist der von ihm gegründeten Rockband Spooky Stones. Wegen der Corona-Vorschriften darf die Band weder auftreten noch proben. Er bedauert ein bisschen, dass die Bandmitglieder weit auseinander leben. „Musik ist wie eine Droge. Beim Spielen kann man die Augen zumachen und entspannen“, sagt Jörg Tausch. Das gehe beim Malen natürlich nicht.

Nächste Woche wird der Giebel an der Vereins- und Begegnungsstätte „Alter Bauhof“ abgerüstet. Im Inneren des Objekts laufen die Renovierungen, wird in Kürze die Küche aus dem Hauswirtschaftskabinett der alten Schule eingebaut. An eine Einweihungsfeier ist wegen der Corona-Bestimmungen aber vorerst nicht zu denken.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser