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Sandmännchen erfreut Kinder auch in Sorbisch

Die Vielfalt der sorbischen digitalen Welt wurde jetzt in Schleife vorgestellt. Eine Fundgrube für Sorben und Deutsche gleichermaßen.

Von Andreas Kirschke
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© dpa

Schleife. Die sorbische digitale Welt ist von enormer Vielfalt. Sie reicht von Lern- und Übersetzungs-Seiten über weitere Medien, Medienbildung, Kultur, Veranstaltungskalender, Kirche, Vereine, Kreativwirtschaft bis zu neuer Musik. „Die sorbische digitale Welt im Internet entwickelt sich stets weiter. Sie trägt zur Belebung und Unterstützung der Sprache bei. Davon bin ich überzeugt“, erklärte jetzt Juliana Kaulfürstowa, Motivatorin für die sorbische Sprache im Raum Schleife und Nochten. Wer im Internet stöbert, stößt dabei sogar auf das Sandmännchen in Sorbisch, auf das sorbisch sprechende Kikaninchen (unter www.kikaninchen.de), was hochwertig aufbereitet, gut erklärt und auch für kleine Kinder bestens geeignet ist.

Dank dieser vielfältigen Internet-Seiten können Deutsche leichter Sorbisch erlernen, sich mit der Kultur der Sorben vertrauter machen und neue Kontakte mit ihnen knüpfen. Sorbische Muttersprachler indes finden leichter Zugang zur eigenen Kultur. Dank der vielfältigen Seiten bewegen sie sich leichter im Netz in ihrer Muttersprache und sind weniger abgelenkt. Unter anderem finden sie Musikvideos zahlreicher neuer Jugendbands. „Davon gibt es heute unglaublich viele. Das reicht von Rock, Pop und Jazz bis hin zum Rap. In den vergangenen Jahren hat sich viel getan“, meinte Juliana Kaulfürstowa.

Im Sorbischen Kulturzentrum (SKC) stellte sie jetzt die digitale sorbische Welt vor. So ermöglicht www.soblexx.de die Übersetzung einzelner Wörter, ebenso eine Textanalyse und Prüfung der Rechtschreibung. Sie gibt Rat zur Worttrennung und einen Überblick über sorbische Vornamen. Sehr umfangreich ist die Internet-Seite www.dolnoserbski.de. Sie bietet zur Information über die niedersorbische Sprache zwölf Themenbereiche an, darunter neue sorbische Lexik, Namenkunde, eine Digitalfassung der niedersorbischen Bibel von 1868, Informationen zur Aussprache und zur Rechtschreibung des Niedersorbischen. „Eine ähnliche Seite besteht für das Obersorbische. Dieses Sprachportal ist im Vergleich jedoch noch nicht so gut ausgebaut, weil man damit später begonnen hat“, sagte Juliana Kaulfürstowa.

Unter www.lucija.de finden Pädagogen und Schüler ein umfangreiches Angebot an Medienbildung und Crossmedia-Projekten. Schulklassen können die Kamera-Führung erlernen, das Erstellen von Ton-Aufnahmen und das selbstständige Programmieren von Videos. Damit kann man quasi einen „Medien-Führerschein“ erwerben. Das Team von Lucija kommt auf Wunsch auch in Schulen, unterstützt beim Drehen von Image-Filmen – immer unter dem Aspekt der obersorbischen Sprache.

Wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Sprache, Geschichte und Kultur bietet www.sorabicon.de, ein digitales Angebot des Sorbischen Instituts. Die Inhalte sind als Module aufgebaut. Interessierte gelangen ins digitale Sorbische Kulturlexikon, erfahren auch Ergebnisse einzelner Forschungsprojekte. Neu sind die Informationen über Bräuche und Feste in Spree-Neiße sowie die Sprachlandschaft Schleife. Letztere enthält unter anderem eine interaktive Karte der Verwaltungsgemeinschaft, Fotos sorbischer Aufschriften, historische neue Tonaufnahmen der Schleifer sorbischen Sprachvariante, die Schleifer Bibliographie (eine Sammlung mit über 250 schriftlichen Quellen), den Wortschatz Schleifer Sorbisch, Schleifer Flurnamen und den Schleifer Sprachführer. Damit ist gerade das Schleifer Kirchspiel dank intensiver Vorarbeit durch Juliana Kaulfürstowa gut dokumentiert.

Unter www.serbske-ludowe-spiwy finden sich Lieder aus dem Buch „Volkslieder der Sorben in der Ober- und Niederlausitz“, das 1841/43 von Leopold Haupt und Jan Arnošt Smoler herausgegeben wurde und als ein unermesslicher Schatz für die Nachwelt gilt. Allein aus Lohsa stammen 40 Lieder, 30 weitere aus dem Umland, was ein Viertel der Lieder in der obersorbischen Sammlung ausmacht. Auch aus Schleife stammen einige Lieder. Der Leser findet zudem zahlreiche Tonbeispiele.

Umfangreich ist auch die digitale Welt christlicher Medien. Unter www.serby-ekbo.de findet man Predigten und Andachten in Sorbisch, das Kirchenblatt „Nowy wósadnik“, die katholische Zeitschrift „Katolski Posoł“, die Seite der evangelischen Zeitschrift „Pomhaj Bóh“ werde überarbeitet.