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Trotz Schließung nicht untätig

Auf den Njepila-Hof in Rohne dürfen seit langem keine Besucher. Und dennoch soll das Vereinsleben weitergehen.

Vier zweisprachige Tafeln vermitteln deutsche und sorbische Bezeichnungen für die Dinge auf dem Hof. Vereinsvorsitzender Manfred Nickel würde sich über neue Mitglieder im Verein freuen.
Vier zweisprachige Tafeln vermitteln deutsche und sorbische Bezeichnungen für die Dinge auf dem Hof. Vereinsvorsitzender Manfred Nickel würde sich über neue Mitglieder im Verein freuen. © Constanze Knappe

Am Karfreitag haben Kinder, Eltern und Großeltern in den Dörfern der wendischen Lausitz zusammen Eier verziert – so kennt es Manfred Nickel, der Vereinsvorsitzende des Njepila-Hofs in Rohne, aus seiner Kindheit. Doch sorbische Ostereier sucht man jetzt im Vereinsraum vergebens, die Utensilien zum Verzieren der Eier nach sorbischem Brauch ebenso. Der Njepila-Hof ist während des bis zum 18. April verlängerten Lockdowns weiterhin geschlossen. Damit fiel nicht nur das traditionell eine Woche vor Karfreitag stattfindende Eierverzieren 2021 aus. Es wird auch das Osterfrühstück am Ostersonntag nicht geben. „Das ist richtig traurig“, findet Manfred Nickel. Denn gerade um das Osterfest herum ranken sich viele sorbische Bräuche.

Für die Frauen im Njepila-Verein war diese Zeit immer mit viel Arbeit verbunden. Eier und Farben mussten gekocht, Federn zurechtgeschnitten werden. Beklagt hat sich keine, liegt es ihnen doch am Herzen, die sorbischen Bräuche so authentisch wie möglich zu vermitteln. Vor Ostern kamen fast täglich Gruppen, beispielsweise aus dem Behindertenwerk Spremberg. Doch das ist Geschichte. 2020 fielen wegen der Corona-Pandemie sämtliche Osteraktivitäten ins Wasser. 2021 ist das ebenso.

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Nur allzu gern denkt Manfred Nickel deshalb an 2019 zurück. Im Jahr des 20. Bestehens des Vereins war die Welt noch in Ordnung. An die 5.000 Besucher wurden auf dem Hof gezählt. Das sei, so räumt er ein, zugegebenermaßen dem Jubiläum geschuldet gewesen. Normalerweise sind es pro Jahr um die 3.000 Besucher bei rund 100 Veranstaltungen (Familienfeiern mit Führungen mitgerechnet). Aber auch die hatte man 2020 nicht mal ansatzweise.

Das traditionelle Schlachtefest im Januar 2020 war die letzte große Veranstaltung. „Früher wurde ja nur im Winter geschlachtet, weil es keine Kühlschränke gab“, erzählt Manfred Nickel. Nach den bäuerlichen Höhepunkten im Jahresverlauf ist der Veranstaltungskalender des Njepila-Hofs aufgebaut, werden Projekte für Kitas, Grund- und Oberschulen angeboten. Die Kinder kommen von Weißwasser bis Gablenz, um sich in Rohne mit der bäuerlichen Lebensweise von einst vertraut zu machen. Dass sie sich dabei auch mit den Bräuchen der Sorben beschäftigen, ist ausdrücklich gewollt. Zusammen mit Kindern wurde sonst das kleine Feld im Hof bestellt. 2021 sollen Kartoffeln wachsen. Die aber wird Manfred Nickel nach Lage der Dinge wohl ganz alleine stecken müssen.

Filmische Einblicke auf der Website

Damit sich die Kinder auf dem Hof besser zurechtfinden, gibt es jetzt vier Tafeln. In deutscher und sorbischer Sprache sind darauf die Begriffe für landwirtschaftliche Gerätschaften verzeichnet – und die Teile auf den Fotos nummeriert. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass es sich leichter aufräumen lässt. Geld für das Projekt „Anfassen, Staunen, Lesen, Sprechen“ kam vom Sächsischen Mitmachfonds. Das ermöglichte auch kleine Filme über die Brauchtumspflege auf dem Njepila-Hof, die auf der Website des Vereins zu sehen sind. Zunächst hätten sie Bedenken gehabt, dass keiner mehr kommt, wenn sich jeder die Filme im Internet anschauen kann. Inzwischen sieht Manfred Nickel das anders. Es helfe dabei, dass der Verein nicht in Vergessenheit gerät und schürt die Neugier.

Ganz untätig war man in den vergangenen Monaten dennoch nicht. So wurde die Inventarisierung der über 700 Einzelstücke – von der Kinnschleife bis zum landwirtschaftlichen Arbeitsgerät – vervollständigt. Nach den vielen Veränderungen über die Jahre habe jetzt jedes Teil seinen Platz und sei auch so im Inventarbuch vermerkt. Außerdem wurde die Zeit der Schließung dafür genutzt, ein Inhaltsverzeichnis der 130 DVDs des Vereins zu erstellen.

Aktuell hat der Verein 39 Mitglieder, im Alter von Mitte 30 bis über 80 Jahre. Manfred Nickel selber ist 78. Von Anfang an hat er als Vorsitzender die Fäden in der Hand. „In der Truppe macht es richtig Spaß. Es helfen alle mit“, freut er sich. Nur den Hut wolle sich bisher kein anderer aufsetzen. Vor Corona trafen sich jeden Montag 15 Frauen. Wie sie sich um die Trachtenteile gekümmert haben, das sei schon richtig professionell. 2020 sind der Dokumentarist und Kassenwart Rudi Krautz wie auch Dieter Reddo, der das Schleifer Sorbisch aus dem EffEff perfekt beherrschte, verstorben. Sie fehlen dem Verein. Nachwuchs wäre gut, heißt es. Doch dieser würde eben auch in der Feuerwehr Rohne gebraucht.

Vor mehr als 20 Jahren hatte die Gemeinde den Hof zur Verfügung gestellt. Seither habe man alles allein bestritten. Jetzt sei man froh, dass das Meiste fertig ist. Dass Rohne seit dem Vorjahr mit Erdgas erschlossen ist, bietet dem Verein die Chance, Heizkosten zu senken. Für die Gasheizung soll hinter dem Toilettenhäuschen angebaut werden. Historische Steine dafür liegen schon parat. Denn die gesamte Anlage, selbst das kleine Herz-Häuschen, steht unter Denkmalschutz. Wenn es nach Manfred Nickel gegangen wäre, hätte er den alten Abort am liebsten im ursprünglichen Zustand herrichten lassen. Aus hygienischen Gründen sei das in der heutigen Zeit aber nicht mehr erlaubt, bedauert er.

Sommerfest als Höhepunkt

Seit Oktober waren Handwerker in Vereinsraum, Küche, Flur und Waschküche zugange, um Risse in den Lehmwänden auszubessern und zu streichen. Im Vereinsraum wurde der Fußboden abgeschliffen. Selbstverständlich unter Einhaltung der Hygieneregeln. Möglich war dies nur dank der Stiftung „Leben in Schleife, Rohne und Mulkwitz“. Sie fördert schon seit Jahren Projekte des Njepila-Vereins.Ohne Besucher auf dem Hof musste Manfred Nickel die von der Stiftung für das sorbische Volk in Bautzen geförderte Kulturmanagerin in Kurzarbeit Null schicken. Er sei gehalten, sorgsam mit den Mitteln umzugehen, begründet er. Umso mehr hofft er, dass das Sommerfest am 30. Juli stattfinden darf. Viel weiter mag er noch gar nicht vorausschauen. Der Njepila-Verein ist auf die Einnahmen angewiesen, um die Kosten für das Objekt zu decken. „Vor Corona haben wir das geschafft. Aber jetzt wird es ohne Hilfe ganz schwer“, erklärt er.Auch deshalb, und um die Tradition des Schlachtefestes nach dessen Ausfall nicht ganz abreißen zu lassen, haben zwei, drei Leute Wurst eingeweckt, die nun nach und nach verkauft werden soll.

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