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Warum ein ganzes Dorf eine Gaststätte und seine Wirtsleute feiert

Am Donnerstag wurde im Gasthaus „Zur Linde“ in Krauschwitz 25-jähriges Bestehen gefeiert. Eingeladen waren alle Einwohner und viele kamen.

Von Sabine Larbig
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Über den Besuch und die anerkennenden Glückwünsche der Gemeinde, überbracht von Bürgermeister Tristan Mühl (r.) und einer Abordnung von Gemeinderäten, freuten sich die Lindenwirte Ute Dominikowski und Michael Anger ganz besonders.
Über den Besuch und die anerkennenden Glückwünsche der Gemeinde, überbracht von Bürgermeister Tristan Mühl (r.) und einer Abordnung von Gemeinderäten, freuten sich die Lindenwirte Ute Dominikowski und Michael Anger ganz besonders. © Sabine Larbig

Krauschwitz. Pünktlich zu Beginn der etwas anderen Geburtstagsparty standen Gratulanten an, um den Lindenwirten danke zu sagen und weiterhin alles Gute zu wünschen. Gekommen waren zum 25-Jahr-Jubiläum Abordnungen von örtlichen und regionalen Vereinen, die – wie Wanderverein oder Eiszeitdorf – in der Linde ebenso eine Heimstatt und einen Veranstaltungsort haben wie der Gemischte Volkschor Eintracht Bad Muskau. Der brachte als Geburtstagsgeschenk sogar ein musikalisches Kurzprogramm mit, bei dem letztlich alle Gäste im Saal mitsangen. Selbst Feuerwehren, Vereine aus den Neißedörfern und Nachbarorten sowie Einwohner von Krauschwitz und Bürgermeister Tristan Mühl sowie Gemeinderäte überbrachten persönliche Grüße an die Jubilare – die Wirtsleute der Gaststätte „Zur Linde“.

Dank für Engagement und Mut

„Krauschwitz ohne die Linde ist gar nicht denkbar und ich ziehe den Hut, wie Sie als Betreiberpaar immer wieder Höhen und Tiefen bewältigten und selbst Krisenzeiten wie Corona meisterten“, erklärte Ortschef Tristan Mühl bei seinem Besuch, der Michael Anger und seine Frau Ute Dominikowski sichtlich besonders freute. „Wir haben ja nicht speziell eingeladen, sondern einfach gesagt, dass zu unserem Jubiläum kommen kann, wer will. Und wir freuen uns daher sehr, dass so viele da sind – selbst Freunde und Bekannte aus nah und fern“, bekennt Wirt Michael Anger.

Als er 1994 mit seiner Frau Ute, einer Krauschwitzerin, die Liegenschaft übernahm, war es mehr eine Brache als eine funktionstüchtige Gaststätte. Mit viel Mut, Tatkraft, persönlichem körperlichen Einsatz und einer Kreditaufnahme wagte das Paar trotzdem das Abenteuer, aus den baufälligen Gebäuden eine Gastwirtschaft mit Gästezimmern, Saal, Küchen- und Sanitärtrakt zu machen und alles selbst zu betreiben. „Die Immobilie stand zum Verkauf und da wir beide Lebensmitteltechnologen sind, meine Frau zudem eine Ausbildung als Braumeisterin hatte, nutzten wir einfach die Gelegenheit getreu dem Motto: Unternehmer unternehmen was“, erzählt Michael Anger. Und er bekennt ebenso, dass sie schon sehr froh seien, dass ihre Vision wahr wurde. „Die Leute haben glücklicherweise von Anfang an die Gaststätte angenommen.“ Die trägt seit der Eröffnung am 23. Februar 1998 den Namen „Zur Linde“. Doch ein Gasthaus, auch ohne Namen, war die Liegenschaft mit angeschlossenem Landwirtschaftbetrieb bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts.

Gasthaus mit langer Tradition

Aus dem eingeschossigen Wirtshaus entwickelten unterschiedliche Inhaber durch Um-, Aus- oder Neubau nach Bränden und Krieg eine überregional bekannte Gaststätte und Tanzlokal. Dort sind, durch Saal und Sporthalle, bereits seit 1925 auch Vereine ansässig. Dies blieb so, selbst, als das Objekt 1973 zur Kommissionsgaststätte der Konsumgenossenschaft Cottbus wurde, bevor diese 1986 das Areal erwarb. Nur fünf Jahre später, kurz nach der Deutschen Einheit, meldete die Cottbuser Konsumgenossenschaft Konkurs an. Der Gaststättenbetrieb in Krauschwitz schloss und nach dem Tod der noch im Gebäude wohnenden Alteigentümern Helene Bendel – nach der noch heute die vor der Gaststätte befindliche Kreuzung im Volksmund genannt wird – kauften die heutigen Lindenwirte die Immobilie.

„Schon während der Phase von Abriss. Neubau und Sanierung hatten wir den Eindruck, dass die Menschen irgendwie darauf warten, dass wieder eine Gaststätte mit Saal entsteht. Damals gab es in der Region auch gar nicht mehr viele solcher Einrichtungen“, meint Ute Dominikowski rückblickend. Während sie nach Eröffnung stets in der Gastwirtschaft mitarbeitete, sich alles dafür nötige selbst aneignete, widmete sich ihr Mann von Beginn an der Buchhaltung samt Saal- und Zimmervermietung. Und obgleich Gastronomie nie leicht ist, erlebten die Lindenwirte neben kontinuierlichen Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen – so wurde in den letzten Jahren die Terrasse gebaut, und die Heizungs- und Lüftungsanlagen erneuert – zusätzlich so manche ungeahnte Herausforderung, die es zu meistern galt, um das Unternehmen mit 15 Mitarbeitern zu erhalten.

Die Finanzkrise im Jahr 2008/09, sagt Michael Anger, sei so eine wirtschaftliche schwierige Phase gewesen. Ebenso die Gegenwart mit den allgemeinen Preis- und Kostenexplosionen. Und natürlich die Corona-Pandemie. „Da waren wir von fast einjähriger Schließzeit betroffen. Gekündigt haben wir aber keinem unserer Mitarbeiter. Denn wer einmal weg ist, kommt nicht wieder. Gerade in der Gastronomie, wo es besonders schwer ist, Personal zu halten oder zu finden.“ Denn ein verlässliches und gutes Team ist unverzichtbar. Erst recht in einer aufstrebenden Tourismusregion. „Als der Muskauer Park den Welterbe-Titel bekam, nahmen Tourismus und auch unsere Gäste massiv zu“, weiß Lindenwirtin Ute Dominikowski, die zudem viele Oder-Neiße-Radweg-Touristen, Monteure und Handelsreisende als Beherbergungsgäste begrüßen kann. Seit das Rakotz-Ensemble im Kromlauer Park und die zur weltweiten Berühmtheit gewordene Rakotz-Brücke fertig saniert sind, kommen viele Besucher deshalb. „Durch Gespräche mit Gästen weiß ich, dass so manche nur gezielt nach Kromlau wollen und gar nicht den Pückler-Park besuchen“, erzählt Ute Dominikowski.

Wirtspaar macht vorerst weiter

Mit Eröffnung der neuen musealen Einrichtung wie Geopark-Besucherzentrum und Dauerausstellung zu den Orient-Reisen Pücklers in Bad Muskau wird sich dies sicher wieder verändern. In jedem Fall werden durch sie mehr Touristen kommen. Darauf warten schon jetzt alle touristische Dienstleister und Anbieter der Region nach den harten Krisenjahren – selbst Busreise- Unternehmen. „Vor Corona hatten wir viele Busgruppen zur Verpflegung im Haus. Momentan kommen viele Stornierungen, weil den Anbietern entweder die Busfahrer oder die Reisegäste fehlen“, weiß Ute Dominikowski. Davon, oder von anderen Hürden, lässt sich das Gastronomenpaar aber nicht entmutigen. Sie machen voller Optimismus weiter. Obgleich Michael Anger sich mit 73 Jahren längst aufs Rententeil zurückziehen und seine Frau gleichfalls bald den Ruhestand genießen könnte. „Wir denken noch gar nicht daran, aufzuhören. Es bleibt so, wie bisher“, so das Wirtspaar dem die Frage nach der Zukunft der Linde beim Jubiläumsfest oft gestellt wurde.