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Wie die angeschlagene Seele Hilfe bekommt

Im Oktober gibt es in Weißwasser viele Angebote, die Vorurteile und Ängste abbauen, aufklären und helfen sollen.

Unterstützer der Woche seelischer Gesundheit, wie Manuela Thomas und Romy Garner (li.) und Bianca Strohbach (re.) am Hinweisplakat am Rathaus Weißwasser
Unterstützer der Woche seelischer Gesundheit, wie Manuela Thomas und Romy Garner (li.) und Bianca Strohbach (re.) am Hinweisplakat am Rathaus Weißwasser © Sabine Larbig

Eigentlich, erzählt Bianca Strohbach, sei sie fröhlich und optimistisch. Sie habe viele Pläne, Träume, Lieblingsmenschen, einen liebevollen Partner und Familie. „Bis zu meinem 30. Lebensjahr war alles wunderschön. Doch 2016, nach der Geburt meines Sohnes, war alles anders“, bekennt die 34-jährige Zittauerin, die an Depression leidet.

Auslöser war ein durch Schwangerschaftsprobleme sofort erforderlicher Kaiserschnitt unter Vollnarkose. „Das Letzte, was ich vor Wirkung der Narkose wahrnahm, waren ein langer Gang, grelle Lichter und medizinisches Personal. Als ich aufwachte, stand mein Mann mit unserem Kind im Arm da und sagte zu mir: Es ist ein Erwin!“. Sieben Tage später konnten die junge Mutter und ihr Sohn nach Hause. „Ich hatte mich körperlich gut erholt, genoss meist die Elternzeit, ging danach wieder arbeiten und Erwin in die Kita.“

Familie
Vater, Mutter und Kinder
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Doch Bianca rieben die zunehmenden Konflikte zwischen Job und Familie auf. Ihr seelischer Zustand und Gemütsschwankungen verschlimmerten sich zusehends. „Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, suchte Hilfe, fuhr in die Ambulanz. Dort wurden depressive Episoden, also Depression, diagnostiziert.“ Darunter leidet Bianca Strohbach seither. „Es gibt noch immer wochenlange Phasen, in denen ich krank bin, mich zurückziehe und mich frage: Wieso bist du als Mama nicht überglücklich wie andere? Die kriegen auch Job und Familie hin. Warum bist du schon mit dir überfordert?“. Doch Bianca Strohbach hat nicht resigniert oder aufgegeben. Sie holte sich Hilfe und Unterstützung: von Medizinern und Experten, von Familie und Betroffenen.

Selbsthilfegruppe gegründet

Inzwischen hat sie sogar genug Mut, öffentlich über ihre Krankheit zu sprechen. Auch, weil Bianca Strohbach und sechs weitere junge Mütter eine Selbsthilfegruppe (SHG) gründeten. Mamseel heißt sie. Der Name leitet sich von „Mamas Seelenleben“ ab und bezeichnet, worum es in und bei der Gruppe geht. „Der Austausch von uns Müttern untereinander ist Gold wert. Es ist nämlich nicht dasselbe, ob man mit Ärzten oder Betroffenen spricht“, begründet Bianca Strohbach die von ihr mit initiierte SHG-Gründung. Mamseel ist eine von knapp 150 SHGs im Landkreis, die Betroffenen als Hilfe zur Selbsthilfe dienen, neben Treffen und persönlichem Austausch auch Skype-Sprechstunden und sogar eine eigene und anonym nutzbare App „Mam(mut)“ bieten.

Manuela Thomas, Geschäftsführerin Soziales Netzwerk Lausitz gGmbH, und Projektmitarbeiterin Romy Garner kennen viele Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen an seelischen und psychischen Beeinträchtigungen leiden. Und die beiden Frauen können Hilfe, Tipps und Unterstützung geben: mit und durch Angebote, Partner, Kooperationen des Netzwerkes sowie deren Beratungen, Hilfen und das Aufzeigen von Entwicklungsmöglichkeiten.

Von "Kamera-sensibel" bis Fußreflexzonenmassage

Weil seelische Krankheiten inzwischen pro Quartal weltweit 264 Millionen Behandlungen umfassen, davon in Deutschland 2,5 Millionen, rief die Weltgesundheitsorganisation 2013 einen Aktionsplan für psychische Gesundheit und den 10. Oktober als internationalen Tag der seelischen Gesundheit ins Leben. In ganz Deutschland wird seither um den Tag herum eine „Woche der seelischen Gesundheit“ veranstaltet – auch in Weißwasser. Dieses Jahr findet sie vom 8. bis 18. Oktober erneut und auf Initiative des Sozialen Netzwerkes Lausitz statt. Wieder mit zahlreichen Angeboten und Partnern. Erstmals auch im Raum Niesky, Görlitz und Zittau.

Von der Angebotspalette her gibt es in Weißwasser die meisten öffentlichen Veranstaltungen. Sie reichen von Informationen für Arbeitgeber über Filme der „Kamera sensibel“ bis zu öffentlichen Vorträgen zu gesunder Ernährung, entspannt Schlafen für Eltern und Kinder oder Leistungsdruck. Selbst an Herz- und Stresstests, sportlichen Schnupperkursen, Theater und Ausstellungen, Workshops wie Fussreflexzonen-Massage oder einer Baumpflanzaktion können Interessierte teilnehmen. „Mit den Veranstaltungen wollen wir zeigen, dass Betroffene nicht allein sind, es viel Hilfe gibt. Und sie sollen Ängste und Vorurteile abbauen und für Aufklärung in der Gesellschaft sorgen“, so Romy Garner.

Veranstaltungsplan unter: gesundheit-vor-ort.org

Anmeldungen für Teilnehmer erforderlich:  Telefon 03576 218270 

oder [email protected]

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