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Wird Weißwasser so Stadt der Zukunft?

Ein Baustein hin zu Modellstadt und Strukturwandel ist das Bafa. Das erhält einen Neubau. Doch es ist mehr geplant.

Professor Angela Mensing-de Jong, Professur für Städtebau der TU Dresden, präsentiert Bafa-Präsident Safarik, Landrat Bernd Lange, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Bundeswirtschaftsmister Peter Altmaier (v.l.n.r.) Preisträgerentwürfe.
Professor Angela Mensing-de Jong, Professur für Städtebau der TU Dresden, präsentiert Bafa-Präsident Safarik, Landrat Bernd Lange, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Bundeswirtschaftsmister Peter Altmaier (v.l.n.r.) Preisträgerentwürfe. © Sabine Larbig

Sie hat gerade ihre Diplomarbeit beendet. Doch die junge Frau in Etuikleid, mit sympathischem Lächeln und Nackenzopf hat damit nicht nur ihren Professor Michael Vaerst von der Professur für Entwerfen und Konstruieren der TU Dresden überrascht, sondern auch jene, die bei der Entwicklung Weißwassers zur Modellstadt der Energiewende das Sagen haben.

Paula, die Architekturstudentin, ist Gewinnerin des ersten Preises in der Kategorie Hochbau eines studentischen Wettbewerbs unter dem Motto „Strukturwandel Weißwasser: Innovative Lebens- und Arbeitswelten“ vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) und der TU Dresden mit den Fachsparten Hochbau und Städtebau ausgerichtet wurde.

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Hintergrund ist, dass das in Weißwasser angesiedelte Bafa weiter expandiert, künftig alle Energieförderprogramme des Bundes in Weißwasser bearbeitet. Dafür steigt die Mitarbeiterzahl von derzeit 206 auf über 300 an. Sie sind bald in vier unterschiedlichen Liegenschaften der Stadt untergebracht. Große Ansprüche. Für Paula Noack lag damit nahe, dass sie ihren Entwurf mit der Geschichte der Glasindustrie verknüpft. Nicht zuletzt, weil der Neubau zwischen der denkmalgeschützten Gelsdorf-Hütte-Ruine und dem Ziegeleiteich entstehen soll.

„Ich habe mich daher zuerst mit der Geschichte der Glasindustrie in Weißwasser beschäftigt, bin so auch auf Wilhelm Wagenfeld gestoßen und habe seine berühmte Kubus-Form für Gebrauchsgläser in der Gebäudeform aufgegriffen“, erzählt die Noch-Studentin unaufgeregt und überzeugend bei der Preisverleihung am gestrigen Tag in Weißwasser. Und dies, obwohl daran Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Bafa-Präsident Safarik, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Weißwassers OB Torsten Pötzsch und viele andere hochrangige regional und überregionale Strukturwandel-Akteure anwesend waren.

Da, wo das Zelt für die Preisverleihung war, soll das Bafa-Gebäude stehen.
Da, wo das Zelt für die Preisverleihung war, soll das Bafa-Gebäude stehen. © Sabine Larbig

Um perspektivisch die Behörde unter einem Dach in Weißwasser zu vereinen und Wege zu verkürzen, braucht es einen Neubau. Nicht irgendeinen. Gemäß der Aufgabe der Behörde muss er innovativ, energieeffizient, klimaneutral sein sowie den Anforderungen moderner Lebens- und Arbeitswelten entsprechen. Da sich das Bafa als Teil der Stadt und ihrer weiteren Entwicklung sieht, so Bafa-Präsident Torsten Safarik, soll der Neubau auch Identität stiften und eine Verbindung zu den Einwohnern der Stadt schaffen.

Entwürfe mit Strahlkraft

Insgesamt wurden in beiden Wettbewerbssparten unter jeweils 13 Beiträgen die je drei besten Entwürfe durch eine Jury ausgewählt und ausgezeichnet. Im Bereich Städtebau siegten Carlotta Ickert und Paul Gucinski mit dem Entwurf „Kreise ziehen“, dem das Konzept Kreislaufwirtschaft und zirkuläres Bauen zugrunde liegen.

Mit insgesamt 5.000 Euro Preisgeld, dem anspruchsvollen Thema und den Ergebnissen sei der Wettbewerb „herausragend, beeindruckend und sehr überraschend“, lobt Professor Vaerst. Denn, auch das sei neu gewesen für so einen Wettbewerb, mit nur 85 Tagen Zeit hätten die Studenten fachspartenübergreifend zusammengearbeitet und parallel Ideen für den Behördenneubau innerhalb eines zu entwerfenden Campus entwickelt. Kommen, darin sind sich von Bundes- bis Stadtebene alle einig, soll das Areal mit neuen, alternativen und innovativen Wohn-, Forschungs-, Wirtschafts- und Nachhaltigkeitsbereichen sowie öffentlichen Wegen, Plätzen, Markthalle, Cafés und möglicherweise sogar vergrößertem Teich.

„Die Entwürfe für die neue Liegenschaft des Bafa in Weißwasser und die Gestaltung des Quartiers haben Strahlkraft über die Region hinaus. Hier stehen Nachhaltigkeit und Ökologie im Vordergrund – ebenso wie bei der Arbeit der Bafa-Außenstelle. Mit seinen Förderprojekten zu Gebäudesanierung und Elektromobilität leistet die Behörde in Weißwasser einen wichtigen Beitrag zur Klimaschutzpolitik der Bundesregierung. Damit sendet die Oberlausitz ein starkes Signal: als Modellregion für die Energiewende, mit wertvollem Know-How und wichtigen Arbeitsplätzen“, so Bundeswirtschaftsminister Altmaier

Ministerpräsident Michael Kretschmer hob hervor, dass Bund, Land und Kommune ein weiteres, starkes Signal für die Strukturentwicklung mit dem Projekt setzen. „Der Bafa-Neubau schafft nicht nur beste Arbeitsbedingungen und hochwertige Arbeitsplätze, sondern wertet innerstädtische Flächen zusätzlich auf. Dies trägt dazu bei, den Menschen in der Region eine langfristige Perspektive zu bieten. Ganz besonders freut mich, dass junge Menschen über die studentischen Entwürfe an der Ideenfindung teilhaben. Denn kluge Strukturpolitik entsteht durch kluge Köpfe – und dieses Potenzial nutzen wir in Sachsen vereint.“

So könnte der Bafa-Neubau laut Idee von Paula Noack aussehen.
So könnte der Bafa-Neubau laut Idee von Paula Noack aussehen. © Sabine Larbig

Darin, dass das Bafa – seit der Entscheidung Altmaiers im Herbst 2019 für die Ansiedlung in Weißwasser – in „behördlicher Lichtgeschwindigkeit“ gewachsen sei und weiter wachse, sieht Präsident Torsten Safarik „einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel der Stadt, des Lausitzers Reviers und für die Klimaschutzmaßnamen des Bundes“. Die Preisträger der studentischen Architekturwettbewerbe für das neue Behördengebäude und für die Stadtentwicklung seien ein tolles Beispiel dafür, wie nachhaltige, innovative Stadt- und Gebäudeplanung zusammen gedacht und umgesetzt werden könne.

Kostenschätzung steht noch aus

Ob die Ideen der Studenten 1:1 umgesetzt werden, teilweise einfließen oder gar nicht, bleibt abzuwarten. Diese Entscheidung habe, so OB Torsten Pötzsch, letztlich der Investor des Gesamtgeländes am Ziegeleiteich zu treffen. Wer das sein wird, entscheiden die Stadträte in der nächsten Ratssitzung mit der Vergabe des Baugebiets Innenstadt II. Fest steht indes, dass das neue Bafa-Gebäude möglichst in drei Jahren fertig sein soll. Zuvor muss noch ein Bebauungsplan erstellt werden.

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Im Gegensatz zum Ziegeleiteich-Gelände ist er noch nicht beschlossen. Bedeckt gehalten wird sich zudem über die Kosten des Neubaus. Zu diesem Zeitpunkt Aussagen zu treffen, sei „verfrüht und unseriös“, hieß es gestern auf TAGEBLATT-Nachfrage unisono. Dass der sogenannte Bafa-Campus seine Schatten vorauswirft und Interessenten anlockt, ist dagegen kein Geheimnis mehr. So hat die Universität der Vereinten Nationen signalisiert, dort eine Außenstelle zu errichten. Ein Investor plant zudem ein energieautarkes Mischgebiet samt 400 Wohnungen, wenn er das Gelände erhält. „Wir fügen gerade die Einzelteile eines Puzzles zusammen, und es macht Spaß und stimmt zuversichtlich, dass Weißwasser eine Modellstadt wird“, bekennt Pötzsch.

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