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Taxi-Firma gibt Geld für Kultur und Freizeit

Taxi Mäder aus Weißwasser ist 30 Jahre geworden. Trotz Corona-Krise und Einbußen wird Tierpark und SKZ geholfen.

Willy Klein erzählte im Juli in der SKZ-Reihe „Weltenbummler. Lausitzer Reiseberichte“ von seiner Radtour zum Nordkap. Inzwischen gibt es das Angebot online.
Willy Klein erzählte im Juli in der SKZ-Reihe „Weltenbummler. Lausitzer Reiseberichte“ von seiner Radtour zum Nordkap. Inzwischen gibt es das Angebot online. © Archiv Rolf Ullmann

Ganz anders vorgestellt hatte sich Taxi-Mäder-Geschäftsführer René Zach das 30-jährige Firmenjubiläum. Keinesfalls mit Corona, damit verbundenen zusätzlichen Schwierigkeiten, noch härterem Wettbewerb und Angst um Fortbestand von Firma und Arbeitsplätzen.

„Im Frühjahr beim Lockdown war es ganz verrückt“, erinnert sich René Zach. Wie bei anderen brach auch bei Taxi Mäder das Geschäft plötzlich fast komplett zusammen. Die Fahrgastzahlen sanken auf Null, da Taxi-Unternehmen im ländlichen Raum zu etwa 90 Prozent von Krankentransporten leben. „Weil Krankenhäuser geschlossen wurden und Patienten nicht mehr oder kaum noch zu OPs, Bestrahlungen oder Dialysen gefahren wurden, sah es einige Zeit ganz dünn aus“, bekennt Zach. Zwei Monate lang habe man sich mit Kurierfahrten, Zeitungsauslieferungen, Essen ausfahren oder Dienstleistungsangeboten wie Einkaufsfahrten über Wasser gehalten. Glücklicherweise habe sich vieles wieder normalisiert.

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Schulterschluss in der Pandemie

Dennoch musste und muss auch das Taxi-Unternehmen nach dem Lockdown weiter kämpfen, jede neue Corona-Regelung umsetzen. Dazu gehören Maskenpflicht ebenso wie tägliche Fahrzeug-Desinfektionen. Ein zusätzlicher Arbeits- und Kostenaufwand, weil der Einbau von Schutzscheiben zwischen Fahrer und Beifahrer nicht TÜV-konform ist. „Irgendwann bei der Umsetzung unseres Hygienekonzepts haben wir uns gefragt, wie eigentlich Vereine und Einrichtungen so was machen und finanzieren und wie sich Corona allgemein auf ihre Lage auswirkt“, erzählt René Zach. „Weil wir lange vor Corona für das Jahr unseres Firmenjubiläums eine soziale und nachhaltige Aktion samt Budget eingeplant hatten, entschieden wir uns für die Unterstützung von betroffenen Einrichtungen.“ Die Wahl fiel auf die Mobile Jugendarbeit und den Tierpark Weißwasser. Beide Einrichtungen erhielten je 1.500 Euro Spende. Die Hilfe ist umso bemerkenswerter, da Taxi Mäder im Corona-Jahr ja selbst wirtschaftliche Einbußen hat.

Tierpark hofft auf weitere Spender

Was den Tierpark Weißwasser betrifft, so musste er im Frühjahr mehrere Wochen – und seit November erneut – schließen. Nur dank vieler Spenden und guter Besucherzahlen nach der Wiedereröffnung konnten ursprünglich 30.000 Einnahmeverlust auf unter 10.000 Euro gesenkt werden, erklärt der Fördervereins-Vorsitzende Jörg Lübben. Nun, mit der erneuten Schließung, wird wieder Hilfe benötigt, weshalb in den sozialen Medien bereits ein neuer Spendenaufruf gestartet wurde. Denn Corona hin, Corona her: Tiere brauchen Futter sowie ärztliche Behandlungen. Der Tierpark samt (Neben-) Anlagen muss weiter betrieben werden und auch Geld für Nebenkosten wie Strom, Wasser oder Wärme zahlen.

Während der Tierpark die 1.500-Euro-Spende von Taxi Mäder in die Tiere investierte, nutzt die Mobile Jugendarbeit das Geld für den „Neustart Kultur“ inklusive Hygienekonzepten. Denn, das ist den Machern im Soziokulturellen Zentrum (SKZ) Telux klar: Die Lage wird bis Mitte 2021 nicht besser. Neue Konzepte, Angebote und Ideen sind gefragt, um In-und Outdoor sowie mit und ohne direktem/s Publikum weiter Kultur zu ermöglichen. „Sich stetig ändernde Verordnungen auf Grund der Infektionszahlen machen es nicht leichter. Fakt ist aber, dass wir Angebote auch in der Winterzeit sicherstellen wollen und zudem künftig generell Hygieneeinrichtungen vorhanden sein müssen“, sagt Christian Klämbt von der Mobilen Jugendarbeit.

So braucht das SKZ allein mindestens zehn Hygienespender. Jeder kostet rund 1.800 Euro. Selbst bei Aufnahmen und Übertragungen digitaler Angebote sind Hygienevorrichtungen nötig. Plexiglas-Scheiben vor Bars, Gastronomie-Geschirrspüler, Abluftanlagen und erweiterte Filteranlagen seien, laut Klämbt, zu Betreibung auch erforderlich. „Wir haben Anträge bei entsprechenden Förderprogrammen gestellt und sogar bewilligt bekommen, brauchen aber trotzdem etwa 10.000 Euro Eigenmittel.“ Da kämen Unterstützter gerade recht.

Projekte fürs Überleben der Kultur

Beteiligt hat sich das SKZ Weißwasser zudem am Sachsen-Wettbewerb „Denkzeit“ für Kultur- und Veranstaltungsschaffende mit seinem Konzept „Lausitz in the Box“. Kultur, doppelt mobil: „Wir wollen so FabLabor, Kino, Kulturbühne und mehr in Stadt und Umland bringen. Mit einem umgebauten Fahrzeug“, verrät Christian Klämbt. Fertig werden soll auch die Inno-Werkstatt im SKZ, wo man ab 2021 mit modernster Technologie und in Kooperation mit regionalen Unternehmen Jugendliche für den Arbeitsmarkt und Handwerksberufe interessieren und fit machen will.

All dies braucht Unterstützer wie René Zach. „Es geht nicht um DIE große Spendensumme“, sagt er. Doch wenn viele was geben, könnten Kunst, Kultur, Tierpark und mehr trotz Corona in Weißwasser erhalten werden.

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