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Verfolgungsjagd hat Konsequenzen

Für besonders rücksichtsloses Verhalten hatte sich jetzt ein Gablenzer vor dem Amtsgericht zu verantworten. Dass er fernblieb, half ihm nicht.

© Pixabay.com

Weißwasser. Ein in Gablenz wohnhafter Beschuldigter soll sich am 29. Mai 2019 eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert haben. Bei schätzungsweise 90 bis 100 km/h soll er als Fahrer eines Audi A6 gegen 19.32 Uhr an der Kreuzung Kromlauer Weg/Ecke Feldweg in Gablenz mit seinem Verhalten ein kleines Kind in üble Gefahr gebracht haben. Das konnte nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Jetzt hatte sich der nicht vorbestrafte Beschuldigte vor dem Amtsgericht Weißwasser wegen grob fahrlässigem und rücksichtslosem Verhalten bei einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen zu verantworten. Die Anklageschrift ging ihm im März 2020 über seinen Verteidiger zu. Die Ladung zur Verhandlung war ihm am 27. Oktober um 12.20 Uhr zugestellt worden.

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Angeklagter meldet sich krank

Richter, Staatsanwalt und Verteidiger waren anwesend. Ebenso wie eine Zeugin und zwei Polizeibeamte, die gleichfalls als Zeugen gehört werden sollten. Wer nicht kam, war der Angeklagte.Vor dem Gerichtstermin an diesem Montag hatte er sich am Freitag zuvor bei Gericht gemeldet. Wie Richter Christoph Pietryka, Direktor des Amtsgerichts Weißwasser, informierte, habe der Angeklagte wohl seit einem halben Jahr keinen Kontakt mehr zu seinem Verteidiger. Dieser quittierte die Feststellung nur mit einem milden Lächeln. „Völlig unverständlich“ erschien sodann selbst dem Verteidiger das Fernbleiben seines Klienten aufgrund einer von einer Hausärztin bescheinigten Reise- und Verhandlungsunfähigkeit.

Noch „mysteriöser“ gestaltete sich die Sache, da sich auch ein Entlastungszeuge mit einer Krankschreibung abgemeldet hatte. Für den Richter ließ das nur einen Schluss zu: Es sei zu vermuten, dass der Angeklagte simuliere. Aus Sicht des Gerichts sei sein Nichterscheinen nicht entschuldigt. „Ich halte die Verhandlungsunfähigkeit für vorgetäuscht“, so der Richter. Allerdings sei es auf die Schnelle nicht möglich, den Amtsarzt hinzuzuziehen. Auf seinen Verdacht hin, dass der Angeklagte nicht so krank sei, dass sein Fernbleiben von der Verhandlung gerechtfertigt wäre, ordnete Richter Pietryka dessen Vorführung durch Beamte des Polizeireviers Weißwasser an, da er ja „nur um die Ecke“ wohne.

Nach der Unterbrechung wurde die Verhandlung eine reichliche halbe Stunde später wieder aufgenommen. Jedoch erneut ohne den Angeklagten. Die Polizeibeamten hatten ihn nicht angetroffen. Staatsanwalt Wolfgang Stark blieb damit nichts Anderes übrig, „als einen neuen Termin ansetzen und den Angeklagten gleich von der Polizei vorführen zu lassen“. Dem widersprach Verteidiger Gerd Konietzka. Er verwies auf die Stellungnahme der zugelassenen Allgemeinmedizinerin zur Reise- und Verhandlungsunfähigkeit seines Klienten. Dies könne nur vom Amtsarzt bestätigt werden.

Tatbestand nach Aktenlage erfüllt

Für den Staatsanwalt hatte wie für den Richter die Krankenbescheinigung für den Angeklagten und den Entlastungszeugen ein gewisses „Geschmäckle“. Aber auch ohne die Anwesenheit des Beschuldigten sah er den „Tatbestand nach Aktenlage erfüllt“. Richter Christoph Pietryka zog ein Fahrverbot für die Dauer von sechs Monaten in Betracht. Staatsanwalt Wolfgang Stark sprach sich darüber hinaus für ein Strafmaß von 60 Tagessätzen zu je 60 Euro aus. Allerdings lagen dem Gericht keinerlei Angaben zum Einkommen des Gablenzers vor. Dass der Richter für die Bemessung des Strafmaßes noch einmal den Audi A6 ins Spiel brachte, ließ der Verteidiger nicht gelten. Man wisse ja nicht, ob es überhaupt das Fahrzeug des Angeklagten oder nur geliehen sei, begründete Rechtsanwalt Gerd Konietzka. Seiner Kenntnis nach habe sein Klient für zwei Kinder zu sorgen und erhebliche Kreditverpflichtungen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände schlug er ein Strafmaß von 60 Tagessätzen à 30 Euro sowie drei Monate Fahrverbot vor.

In eben dieser Höhe beantragte Staatsanwalt Wolfgang Stark den Erlass eines Strafbefehls: 60 Tagessätze à 30 Euro, also 1.800 Euro Geldstrafe, sowie das für drei Monate geltende Verbot, im Straßenverkehr Kraftfahrzeuge aller Art zu führen. Dem Angeklagten wird der Strafbefehl zugestellt. Er hat 14 Tage Zeit, dagegen Einspruch zu erheben. Sollte er von diesem Recht Gebrauch machen, wird eine neue Verhandlung angesetzt. Allerdings mit der Verpflichtung, dass der Angeklagte zu diesem zweiten Termin vor dem Amtsgericht Weißwasser unbedingt erscheinen muss.

Dass Beschuldigte in Verkehrsstrafsachen nicht vor Gericht auftauchen, ist so selten nicht. Nach den Worten des Staatsanwalts scheint es aber „gefühlt“, in Weißwasser „besonders ausgeprägt“ zu sein. (mit Nikolaus Urban)

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