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Drei Tage voller Aha-Momente

Das Lausitz-Festival wurde in der Telux in Weißwasser eröffnet. Mit einem Kunstwerk voller Licht, Klang, Farben und vielen Emotionen.

So sah es am Wochenende in der Telux Weißwasser aus, als die Licht-Klang-Installation von Aron Kitzig öffentlich gezeigt wurde. Dann wandelten sich die Fassaden von drei einstigen Glasproduktionshallen zu riesigen Projektionsflächen und der Innenhof zu
So sah es am Wochenende in der Telux Weißwasser aus, als die Licht-Klang-Installation von Aron Kitzig öffentlich gezeigt wurde. Dann wandelten sich die Fassaden von drei einstigen Glasproduktionshallen zu riesigen Projektionsflächen und der Innenhof zu © Joachim Rehle

Als die Dunkelheit einsetzt, wird das Telux-Gelände in Weißwasser zum Meer aus Klang und Farben. An den Fassaden von Hartglaswannen-Gebäude und umliegenden Hallen entstehen riesige Projektionen. Sie zeigen Porträts von Weißwasseranern, die eng mit der Glas-Tradition der Stadt verbunden sind und sie versinnbildlichen: die Ex-Glasmacher Horst Gramß, Heinz Hauschke, Ulrich Teichert und Glasmuseums-Leiterin Christine Lehmann.

Dann erklingt Gustav Mahlers 5. Sinfonie und die Projektionen wechseln über in eine Licht- und Klanginstallation mit dem Titel „Zwischenwelten“. Gezeigt werden, künstlerisch umgesetzt und von einem eigens komponierten Requiem begleitet, Produktionsabläufe der Glasherstellung. An drei Fassaden erscheinen gleichzeitig dunkle Produktionshallen, in denen gesichtslose Menschen roboterartig arbeiten, während unterbrochen klirrend Fritten rieseln, Aufpasser und Höllenhunde alles beobachten. Wie in der Hölle eben.

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Blue ist jetzt berühmt

„Da, hier ist er“, wendet sich plötzlich ein Mann an seine Familie und weist auf einen der zwei mitgeführten Pitbulls. „Das hast Du toll gemacht, Blue! Jetzt bist Du ein berühmter Filmhund“, sagt Falk Knoernschild und streichelt den Vierbeiner, der trotz vieler Premierenbesucher ruhig ist. Blue wurde, wie andere Statisten, eigens gecastet und verkörpert einen Höllenhund. Als Projektion auf der Fassade, in Übergröße mit Stachelhalsband, wirkt er furchteinflößend. So wie das Gesamtwerk, welches eine Metamorphose und Vergangenheit und Zukunft Weißwassers versinnbildlicht.

Bewusst für die Eröffnung gewählt

„Metamorphose“ – unter diesem Begriff steht das gesamte Lausitz-Festival, dessen dreijährige Vorbereitung mit der Premiere am Freitag in Weißwasser endete. „Das Festival zeichnet eine neue Dimension von Europa im Wandel. Die Lausitz als Austragungsort ist wegen des bevorstehenden Strukturwandels prädestiniert, den Ruf der Metamorphose nach außen zu tragen. Weißwasser mit seiner Geschichte und Lage wurde als Eröffnungsort bewusst gewählt“, erklärte Daniel Kühnel, künstlerischer Leiter des Festivals.

Das bis 16. Oktober stattfindende Kultur- und Kunstevent umfasst die brandenburgische und sächsische Lausitz, wird auf Kabinettsbeschluss durch beide Bundesländer finanziert. „Kultur ist ein wichtiges Element für den Strukturwandel. Sie ist Begleiter und Mutmacher für die Menschen vor Ort. Gleichzeitig locken hochkarätige Formate wie das Festival Besucher von nah und fern in die Region. Gemeinsam mit den Menschen hier können wir so auch den Tourismusstandort Lausitz um wertvolle Kulturangebote ergänzen“, betonte Sachsens Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch.

Glücklich über den Erfolg der in Weißwasser aufgeführten Licht-Klang-Installation zeigte sich Regisseur Aron Kitzig. „Ich bin froh und kaputt“, sagt er nach anstrengenden Wochen der Produktion und Vorbereitung. Denn neben Installation und Porträts entstand auch eine Dokumentation über die Braunkohlen-Ära Weißwassers und den damit verbundenen Aufstieg und Niedergang der Stadt, die ebenfalls Freitag öffentlich gezeigt wurde.

Eines der in Wort und Bild durch Regisseur Aron Kitzig erstellten und gezeigten Porträts war das von Horst Gramß.
Eines der in Wort und Bild durch Regisseur Aron Kitzig erstellten und gezeigten Porträts war das von Horst Gramß. © Joachim Rehle

Schwere – und Zukunftswillen

„Das Interesse von allen Seiten war spürbar und die Gastfreundschaft und Offenherzigkeit der Menschen hier überwältigend“, lobt Kitzig. Auf sein Werk angesprochen, bekennt er: „Ja, es ist ein Requiem und hat Schwere. Aber wir geben auch einen Ausblick auf die Zukunft und das Mögliche“, so der Wiener.

Dass es sich Weißwasser verdient habe, als Eröffnungsort des Festivals gewählt worden zu sein, unterstreicht Oberbürgermeister Torsten Pötzsch. „Und ich weiß, dass Klänge und Bilder Emotionen weckten, einzigartig waren, Geschichte mit Zukunft verbanden und zeigten, dass es neue Ideen und Projekte anfangs schwer haben.“ Wie der gesamte Strukturwandel. Umso spannender ist es, welche Rolle Weißwasser beim Lausitz-Festival 2021 spielt.

Weitere Veranstaltungen (Auswahl):

Mischa, Lily und Sascha Maisky, 1. Oktober, 19.30 Uhr, Orangerie Bad Muskau

Europa Chor Akademie Görlitz, 4. Oktober, 11.30/ 13 Uhr, Lausitzer Platz Hoyerswerda

Antigone Neuropa – Kultperformance, 4. Oktober 20 Uhr, Hangar 5, Cottbus

Vortrag Dendrologische Poesie, 9. Oktober, 17 Uhr, Festsaal Neues Schloss Bad Muskau

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Sabine Larbig über den holprigen Start des Lausitz-Festivals - ein Kommentar.

Bill Laurance: Jazz!, 11. Oktober, 19.30 Uhr, Festsaal Neues Schloss Bad Muskau

Piotr Anderszewski spielt J. S. Bach, 12. Oktober, 19.30 Uhr, Orangerie Bad Muskau

Infos/Termine/Karten gibt es hier. 

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