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Weißwasser fordert Antworten zum Krankenhaus

Vertreter von Landkreis und Klinikgesellschaft sollen im Stadtrat Farbe bekennen.

©  André Schulze (Archiv)

Mit Ausnahme der Akutbehandlung lebensbedrohlicher Notfälle ist im Kreiskrankenhaus Weißwasser derzeit keine kinderärztliche Versorgung möglich. Die Lage, insbesondere seit der Schließung der Kinderstation im März 2021, hat nicht nur in der Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen. Sie treibt auch die Stadträte um, wie es Andreas Friebel (Klartext) in der Sitzung am Mittwoch formulierte. „Ich finde die Situation schon sehr heftig“, sagte er. Wenn Weißwasser Ambitionen hat, Garnisonsstadt zu werden, dann würden auch solche Aspekte der kommunalen Infrastruktur eine wichtige Rolle spielen. Er schlug vor, „verantwortliche Leute in den Stadtrat einzuladen“, um aus erster Hand Antworten über die Perspektiven der Klinik in Weißwasser zu kriegen.

Unterstützung kam von Hans-Eckhard Rudoba (Linke). „Die Tendenz der schwachen Besetzung hält ja schon seit Jahren an. Und was unter dem Motto Umbau passiert, ist nur ein schwacher Ersatz dafür. Für mich stellt es sich so dar, dass das Krankenhaus in Weißwasser langsam heruntergefahren wird“, sagte er. Insofern sei auch die Fraktion der Linken „an einer sachkundigen Antwort zum Krankenhaus interessiert“.

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Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) schilderte zunächst noch einmal die Situation. Eine Erhebung zur Belegung der Kinderstation habe ergeben, dass diese mehr Betten hatte, als gebraucht wurden. Daher sei das Krankenhaus an die Bedürfnisse angepasst worden. Es habe zwar ein neuer Kinderarzt angefangen, allerdings falle eine bisherige Ärztin wegen schwerer Krankheit wahrscheinlich sehr, sehr lange aus. „Das Krankenhaus Weißwasser wird es weiter geben. Das ist eine klare Aussage, wenn man sich die Kliniklandschaft anguckt“, betonte der OB. Aber ein Krankenhaus müsse sich eben selbst finanzieren.

Thema ist ein heißes Eisen

Seit 2013 ist das Haus in Weißwasser als Teil des Klinikverbunds „Gesundheitszentrum des Kreises Görlitz“ in einer Holding – zusammen mit den Krankenhäusern in Zittau und Ebersbach. Dort sehe es etwas besser aus, so der OB. Derzeit bereite man in der Klinikgesellschaft einen Geschäftsführerwechsel vor. Die bessere Ansprechpartnerin wäre daher Sozialdezernentin Martina Weber vom Landkreis. Er halte es für sinnvoll, bis Ende des Monats einen Fragenkatalog zusammenzustellen und an den Landkreis und die Geschäftsführung der Klinikgesellschaft zu schicken. Mit der Bitte um eine schriftliche Antwort. „Wenn die uns nicht ausreicht, können wir ja immer noch jemanden einladen“, fügte er hinzu.

Mit dem Vorschlag konnte sich Andreas Friebel nicht so ganz anfreunden. „Es geht um ein heißes Eisen“, begründete er. Es sei nichts dagegen einzuwenden, vorab Fragen zu schicken, damit sich die Gesprächspartner vorbereiten können. Jedoch wisse er aus zehnjähriger Tätigkeit als Pressesprecher, wie mit Anfragen umgegangen wird. Er wolle ja niemandem zu nahe treten, aber er sehe die Gefahr, dass sich nur auf schriftlichem Wege die Betreffenden womöglich wegducken. Andreas Friebel plädierte dafür, dass die für das Kreiskrankenhaus Weißwasser Verantwortlichen persönlich im Stadtrat Farbe bekennen, wie’s um die Zukunft der Klinik bestellt ist.

OB Torsten Pötzsch hofft, dass mit dem neuen Geschäftsführer der Klinikgesellschaft „der Fokus wieder mehr auf Weißwasser gelegt wird“. Er sieht einen Diskussionsbedarf von mindestens einer Stunde. Wegen der in der Regel sehr langen Tagesordnung der Stadtratssitzungen hält er es für geeigneter, dies im Rahmen einer kleineren Runde zu besprechen. In diese würde sich gern Karina Ott (WV Für unser Weißwasser) einklinken. Für Hans-Eckhard Rudoba ist das keine Alternative. „Das Thema ist von so großem Interesse, das sollte nicht bloß in kleiner Runde besprochen werden“, sagte er. Und der AfD-Fraktion reicht es nicht, nur die Sozialdezernentin einzuladen. „Ein Krankenhaus wird nach kaufmännischen Gesichtspunkten geführt. Das ist nicht schön. Aber für Veränderungen müsste man eine politische Entscheidung herbeiführen“, betonte Jens Glasewald. Bernd Frommelt (KJiK) regte an, sich zugleich an den Ausschuss Gesundheit und Soziales des Kreistages zu wenden, um auf allen Kanälen Druck für eine Verbesserung in Weißwasser zu machen. Der Ausschuss tagt das nächste Mal am 31. Mai 2021.

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