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Weißwassers neuer Klinik-Manager

Andreas Grahlemann ist jetzt Chef der Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises und kaufmännischer Chef des Kreiskrankenhauses Weißwasser.

© Thomas Eichler

Von Thomas Mielke

Weißwasser/Landkreis. Ein kräftiger Händedruck, ein offenes Lächeln, zackige Bewegungen, klare Worte – Andreas Grahlemann scheint dem Manager-Lehrbuch entsprungen zu sein. Tatsächlich ist der neue, alleinige Geschäftsführer der Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises und neue kaufmännische Chef des Klinikums Oberlausitzer Bergland sowie des Kreiskrankenhauses Weißwasser bereits viele Jahre als Klinik-Manager unterwegs. Mit Erfolg. Sein Meisterstück hat er nach übereinstimmenden Medienberichten und laut ehemaliger Wegbegleiter zwischen 2008 und 2014 in Hoyerswerda abgeliefert. Grahlemann hat das in Schieflage geratene Krankenhaus an der Landesgrenze zu Brandenburg ins „Lausitzer Seenland Klinikum“ umfirmiert und umstrukturiert. Schnell schrieb es wieder schwarze Zahlen, hatte ein besseres Image und eine ausreichende Zahl von Ärzten. Seitdem eilt ihm der Ruf als Sanierer voraus.

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Die Krankenhäuser des Kreises Görlitz, die er seit 1. Juni führt, brauchen aber keinen Sanierer. Die Ausgangslage in Hoyerswerda war eine andere, als es die im Osten der Oberlausitz jetzt ist. Er sei bisher immer an Häuser gerufen worden, die Probleme hatten, sagt der Diplom-Ingenieur/ Diplom-Krankenhaus-Betriebswirt. „Hoyerswerda war extrem.“ Strukturprobleme, schlecht organisierte Prozesse und ein Schuldenberg belasteten das Krankenhaus. „Das alles finde ich hier nicht vor“, sagt der Manager über seine neue Wirkungsstätte. Die Krankenhäuser Weißwasser, Ebersbach und Zittau hätten „nur“ mit normalen Problemen zu kämpfen. Dazu gehören die Tücken des deutschen Gesundheitssystems wie sinkende Vergütungen oder der Einwohner- und damit Patientenschwund im Einzugsbereich der Kliniken.

Ein Problem außerhalb des Normalen wird Grahlemann allerdings doch lösen müssen: Der Kreis will die im Februar 2015 geschlossene Reha-Klinik in Glossen wiederbeleben. Unter der Führung des Klinikums Oberlausitzer Bergland, also seiner.

Auch ein vollständiger oder teilweiser Verkauf wie in Hoyerswerda steht nicht zur Debatte. „Mein Credo ist: Um ein Krankenhaus gut zu führen und zu guten Ergebnissen zu bringen, brauche ich keine Privaten“, sagt Grahlemann. Ungeachtet dessen denkt er aber wie Private – allerdings nicht wie Firmen an Gewinnmaximierung, sondern wie der normale private Mensch beim Blick ins Portemonnaie. Er stellt immer wieder die Frage: Kann ich mir beziehungsweise können wir uns das leisten?

Obwohl Grahlemann bereits 62 Jahre alt ist, sieht er sich nicht als Übergangslösung an der Spitze des Kreis-Gesundheitszentrums. „Ich bin angetreten, meinen Vertrag zu erfüllen“, sagt er. Der hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Als Grahlemann im Dezember vom Kreistag zum Nachfolger von Wolfgang Mayer bestimmt wurde, hatte er noch einen Vertrag mit dem Seenland-Klinikum, beriet aber bundesweit auch andere Kliniken. Danach ist er eigenen Angaben zufolge inkognito durch die Krankenhäuser des Landkreises Görlitz gegangen, um sich ein erstes Bild zu verschaffen. Er hat sich mit seinem Vorgänger besprochen und war bei dessen Abschiedsfeier dabei. Nun will er in den ersten 100 Tagen herausfinden, welche Aufgaben er wie anpacken muss. In den Chefetagen sieht er vorerst allerdings keinen Handlungsbedarf. „Die untergeordneten Ebenen sind nicht nur besetzt, sondern gut besetzt“, sagt Grahlemann. Generell sieht er seine Aufgabe darin, Impulse zu setzen, um das Gesundheitszentrum stabil zu halten.

Grahlemann wird zwischen seiner Heimat Frankfurt/Oder und dem Hauptsitz des Gesundheitszentrums in Zittau pendeln. In der Woche wohnt er in Hörnitz und hat sich bereits bei einem Fitnessstudio angemeldet. Zudem surft er gern und fährt Ski. Grahlemann ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder sowie zwei Enkel.