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Weniger Einnahmen durch Blitzer

Der Landkreis und viele Städte verdienen immer weniger an Rasern. Doch es gibt auch Blitzer-Hochburgen.

© ZB

Von Dominique Bielmeier

Meißen. Ein unachtsamer Moment hinter dem Lenkrad, ein kurzer Lichtschein und wenig später ein Brief, der – im besten Fall – ein Bußgeld fordert. Im schlechtesten Fall ist der Führerschein weg. Was den Raser ärgert, freut die Kommunen: Die Strafen bessern den Haushalt auf und sind sogar schon in diesen mit eingerechnet. Wo die Blitzer im Landkreis Meißen stehen, welcher Starenkasten besonders viele Verkehrssünder erwischt und warum nicht jedem Blitz auch ein Brief folgt.

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Die Anlagen

15 stationäre Blitzer gibt es im Kreis Meißen (siehe Grafik), elf davon werden vom Landratsamt bewirtschaftet. Seit vergangenen Herbst gibt es eine brandneue Anlage: Der Blitzer im Kreuzungsbereich der B 101 in Krögis ist ein Hightech-Modell, denn er kann mehrere Fahrzeuge und Fahrstreifen gleichzeitig überwachen und die Laser-Messergebnisse eindeutig dem jeweiligen Fahrzeug zuordnen. „Die älteren Anlagen funktionieren über ein Messsensorfeld, das in die Fahrbahn eingelassen ist und daher einer regelmäßigen Wartung, Kontrolle und gegebenenfalls Erneuerung mit anschließender Eichung der Messeinheit bedarf“, erklärt Sprecherin Kerstin Thöns.

Zu den festen Anlagen kommen mehrere mobile hinzu, die besonders von den Städten eingesetzt werden. So führt Großenhain monatliche Geschwindigkeitsmessungen vor allem vor Kindereinrichtungen durch. Auch Riesa, Radebeul und Coswig blitzen mobil, Meißen zum Bedauern des neuen Ordnungsamtschefs Silvio Kockentiedt nicht, wie er vor Kurzem in der SZ verriet. Das Landratsamt setzt vier mobile Messeinheiten ein, die aus einem Pkw heraus oder freistehend am Fahrbahnrand messen. Sie werden von drei Mitarbeitern im ständigen Außendienst bedient.

Die Einnahmen

Insgesamt rund 1,86 Millionen Euro hat das Landratsamt im vergangenen Jahr an den Rasern verdient. Weniger als im Jahr zuvor, als die Zwei-Millionen-Marke noch geknackt wurde. Inzwischen plant der Kreis mit weniger Einnahmen aus Verkehrsbußgeldern: Hatte man für 2016 noch rund 2,6 Millionen Euro erwartet, waren es für das vergangene Jahr nur noch zwei Millionen.

Auch die Städte verdienen gut an den Temposündern: Der einzige stationäre Blitzer in Meißen, der im Schottenbergtunnel stadteinwärts auslöst, brachte der Stadt 2017 gut 177 000 Euro an Buß- und Verwarngeldern ein. Am besten verdienen dürfte aber Radebeul: Ihre vier stationären Blitzer brachten ihr den Titel „Blitzerhauptstadt“ ein, 915 000 Euro will die Stadt in diesem Jahr mit dem Blitzen verdienen, auch wenn schon jetzt absehbar ist, dass diese Summe nicht erreicht werden wird.

Großenhain verdiente im vergangenen Jahr rund 100 000 Euro an Temposündern. „Das Jahr 2017 sollte jedoch aufgrund zahlreicher Baustellen im Stadtgebiet und der Änderung des Bußgeldkataloges als nicht repräsentativ gewertet werden“, sagt Stadtsprecherin Diana Schulze. 2016 lagen die Einnahmen bei rund 80 000 Euro, im Jahr zuvor gerade mal bei der Hälfte. Auch Riesa hat in den vergangenen Jahren beständig mehr durch Geschwindigkeitsübertretungen eingenommen: Im Jahr 2016 wurde erstmals die Marke von 7 000 überschritten und so knapp 160 000 Euro eingenommen.

Die lukrativsten Blitzer

Welches aber sind die Blitzer, die die meisten Verstöße zählen und damit das meiste Geld einbringen? Das hat sich auch der MDR gefragt und vor Kurzem eine Liste der „Blitzer-Meister in Sachsens Städten 2017“ erstellt. Unter diesen Top Ten sind die beiden Blitzer an der Radebeuler Waldstraße, die zusammen fast 22 000-mal auslösten und so knapp 387 000 Euro einbrachten. Auch der Blitzer im Schottenbergtunnel (8 748 Verstöße) wird genannt. Der Blitzer in Diesbar-Seußlitz (6 782 Verstöße) hat auf Kreisebene besonders häufig ausgelöst.

Vorsichtig sollte man auch über die Waldschlößchenbrücke in Dresden fahren: Der Blitzer dort zählte 2017 knapp 17 500 überhöhte Geschwindigkeiten. Für die Landeshauptstadt bedeutete das Einnahmen von fast 516 500 Euro.

Die Verwendung

Weil Blitzer so lukrativ sein können, wird den Kommunen oft vorgeworfen, so ihre klammen Kassen aufzufüllen. Kreissprecherin Thöns erklärt, dass die Bußgelder „insbesondere zur Leistung von Sozialausgaben“ genutzt würden. Tatsache ist, dass viele Bürger sich mehr Blitzer wünschen, vor allem vor Schulen und in Unfallschwerpunkten. Auch Verkehrsexperten sprechen sich dafür aus, häufiger zu blitzen oder zu lasern, allein als erzieherische Maßnahme.

Ein Blitz, aber kein Brief

Nicht nach jedem Blitzlicht gibt es auch ein Foto und damit ein Bußgeld, wie Zahlen des Landratsamts zeigen: In Seerhausen wurden im vergangenen Jahr zum Beispiel gut 7 660 Fahrzeuge gemessen, aber nur gut 5 950 davon waren auch Verstöße. Die rund 1 700 Fälle Differenz konnten entweder durch technische Einflüsse nicht gerichtssicher gemessen werden – oder geblitzt wurden Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr bei Sondereinsätzen.