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Wenn das Bier mit dem E-Auto kommt

Der Radebeuler Großhandel für Getränke Flack & Schwier investiert und will sich mit seiner Flotte selbst mit Strom versorgen. Das lohnt sich richtig.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

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Radebeul. Ganz leise soll künftig der Lastwagen surren. 13 Tonnen Ladekapazität. Viel Platz für reichlich Paletten mit Bier-, Wasser- und Brauseflaschen. Über 20 solcher Transporter haben Birgit, Uwe und Olaf Zach in ihrer Flotte beim Radebeuler Getränkegroßhandel Flack & Flier, vorerst allerdings noch mit Dieselantrieb. Das soll sich ändern.

Mehr als 100 Jahre Firmentradition, aber kein bisschen veraltet. Die Zachs werden die Ersten sein, die im Kreis Meißen ein komplettes Energiekonzept für die ganze Firma umsetzen wollen. Sich selber mit Strom versorgen, unabhängig sein – von der Heizung über die Beleuchtung bis zur Fahrzeugflotte. Das ist das Ziel. Die Planung dafür steht. Noch in diesem Jahr werden 1 380 Quadratmeter Dachfläche mit Photovoltaikplatten belegt. Von dort führen die Kabel in die komplette Elektroanlage des Unternehmens an der Niederwarthaer Straße. Auf dem Hof werden Ladestationen montiert, die erweiterbar sind.

Uwe Zach: „Wir wollen mit einem Lkw beginnen. Im nächsten Jahr laufen Leasingverträge für Firmen-Pkws aus. Dann werden wir die ersten vier als E-Auto anschaffen.“ Die Lastwagen von Flack & Schwier sind am Tag maximal 200 Kilometer in der näheren Umgebung zum Ausliefern von Bierfässern, Wasserflaschen und anderen Getränken zu Gaststätten unterwegs. Ein 13-Tonner Lastwagen schafft mit der Batterie und dem Betreiben der elektrischen Laderampe 350 Kilometer. „Wir haben es ausprobiert. Das funktioniert wunderbar“, so Uwe Zach.

Vorsichtig sind die Zachs dennoch. Denn noch ist ein E-Lkw doppelt so teuer wie ein üblicher, der mit einem Dieselmotor angetrieben wird. Zwar werden die E-Fahrzeuge mit etwa 50 Prozent gefördert. Aber viele potenzielle Nutzer warten noch auf fallende Preise, die eintreten werden, wenn mehr Stückzahlen von solchen Lkws produziert und verkauft werden.

Lohnend wird die Umrüstung bei dem Radebeuler Getränkegroßhandel, wenn sie ihren gesamten auf dem Dach produzierten Strom selbst verbrauchen können, sagt Jens Feucht, auch ein Radebeuler. Er ist mit seiner Fima Optimum LED GmbH mit Sitz in der Eduard-Bilz-Straße der Experte, der ganze Unternehmenskonzepte zum Umrüsten aufstellt. Feucht: „Wir denken für die Firma im Ganzen. Was wird an Energie gebraucht. Was kostet es. Gibt es ein Dach für Sonnenenergie.“

Letzteres springt jeden an der Niederwarthaer Straße an. Von der neuen Photovoltaikanlage werden im ersten Schritt die neuen LED-Leuchten im Unternehmen versorgt. Ein Viertel der bisherigen Strommenge kann damit schon mal eingespart werden. Die Dachanlage versorgt ebenso die Heizung und hat noch Reserven. 56 Prozent der Kapazität aus der Sonnenstromversorgung sind damit nützlich eingesetzt.

Mit den verbleibenden 44 Prozent sollen künftig mehr und mehr Lastwagen und Pkw aufgeladen werden. Planer Feucht hat ausgerechnet, dass allein im ersten Schritt 81 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Weil das aber niemanden etwas sagt, hat er es umgerechnet in Coca-Cola-Dosen – mit den fast 94 000 Getränkepaletten wären 13 Fußballfelder vollgestellt.

Birgit Zach: „Wir wollen etwas für die Umwelt und die Modernisierung unseres Unternehmens tun.“ Wie sie, ihr Mann und dessen Bruder da auch wirtschaftlich richtig liegen, zeigt der Fakt, dass sich die etwa 140 000 Euro teure Photovoltaikanlage in neun Jahren bezahlt gemacht haben wird. Garantie auf die Anlage gibt es über 20 Jahre.

Planer Jens Feucht hat solche Konzepte auch mit Firmen wie Obi Zittau, dem Dresdner Karosseriewerk und Autohäusern erfolgreich umgesetzt oder steckt mittendrin. Er geht davon aus, dass sich die Investitionen auch für kleinere Unternehmen, wie etwa Handwerker vor Ort, rechnen. Die Zachs von Flack & Schwier wollen es vormachen und das Bier mit dem E-Laster bringen.