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Wenn der Bach zur Wiese wird

Das Cunewalder Wasser wuchert immer mehr zu. Auch andere Städte und Gemeinden kennen das Problem.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

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Es sei „eine Katastrophe“, schreibt ein Leser an die SZ-Redaktion. Er meint damit den Zustand des Cunewalder Wassers, das seinen Worten nach „zuwuchert“. Vom Wasser sei kaum noch was zu sehen. Ein Vor-Ort-Besuch bestätigt das. An vielen Stellen des Baches, der den Ort der Länge nach durchfließt, grünt es üppig. Nicht nur am Rand, sondern auch mittendrin. „Hoffentlich kommt kein Unwetter“, schreibt der Cunewalder. Denn dann könnte das Wasser nicht abfließen und es würde zu Überflutungen kommen, befürchtet er.

Bürgermeister Thomas Martolock (CDU) kennt die Sorgen. Schon mehrfach haben sich Einwohner, die sich über den Zustand des Cunewalder Wassers wundern oder ärgern an die Gemeinde gewandt. „In vielen Bereichen gleicht der Bach dieses Jahr einem Biotop oder einem Grüngürtel“, bestätigt er die Beobachtungen. Er nennt mehrere Gründe dafür, dass der Bewuchs vielfach stärker ist als in den Vorjahren. Zum einen liege das an dem sehr niedrigen Wasserstand aufgrund der langen Trockenheit. „Dadurch wird das Grünzeug nicht weggespült“, sagt der Bürgermeister. Das kann im kommenden Jahr schon wieder ganz anders sein. Aber eine andere Ursache bleibt. „Wir sind dazu verpflichtet, die Gewässer naturnah auszubauen“, benennt sie Thomas Martolock. Das sei zwar gut für den Naturschutz, weil dadurch mehr Pflanzen und Tiere einen Lebensraum im Cunewalder Wasser und anderen Bächen finden. „Gleichzeitig wird aber auch der Pflegeaufwand erheblich höher“, betont der Bürgermeister. Zwar seien Beschäftigte des Bauhofes schon im Einsatz gewesen, um zum Beispiel mit Motorsensen den Bewuchs an den Bachrändern zu beseitigen. Doch aufgrund personeller Engpässe könnten nicht alle Aufgaben bewältigt werden.

Die Gemeinde sieht aber keinesfalls tatenlos zu, wie das Cunewalder Wasser und andere Fließgewässer – zum Beispiel Elzebach, Matschenbach und Schönberger Wasser zuwuchern. „Über den Winter erstellen wir einen Gewässerpflegeplan, in dem steht, was wo wann und wie oft zu machen ist“, berichtet Martolock. Außerdem will die Gemeinde eine offene Stelle im Bauhof mit einem Mitarbeiter besetzen, der hauptsächlich für die Gewässerunterhaltung zuständig ist. Ob die praktischen Arbeiten künftig ausschließlich vom Bauhof erledigt werden oder die Gemeinde Firmen damit beauftragt, ist noch nicht entschieden. Der Bürgermeister tendiert zu Letzterem. Sehr froh ist er darüber, dass der Freistaat Sachsen künftig allen Städten und Gemeinden Geld für die Pflege der Gewässer zur Verfügung stellt, für die sie zuständig sind. Im nächsten und übernächsten Jahr sind das jährlich 500 Euro pro Kilometer Gewässer; für die Gemeinde Cunewalde, die sich um etwa 46 Kilometer Bäche zu kümmern hat, also reichlich 20 000 Euro. „Damit wird eine jahrelange Forderung erfüllt“, sagt Thomas Martolock.

Der Wilthener Bürgermeister Michael Herfort (CDU) sieht die Pauschale „eher symbolisch“ und wertet sie als kleinen Anfang. Auch seine Stadt kennt das Problem zuwachsender Gewässer. Offensichtlich ist es beim Butterwasser. Das sei jedoch auch positiv zu sehen. „In der DDR-Zeit wurden industrielle und Haushaltsabwässer eingeleitet, sodass der Bewuchs aufgrund der chemischen Wasserverschmutzung deutlich weniger ausgeprägt war“, sagt Michael Herfort. Der jetzige Zustand sei „Zeugnis einer sehr guten Wasserqualität“. Hochwassergefahr sieht der Wilthener Bürgermeister nicht. Erst dann, wenn sich größere Pflanzenmengen lösen, weggespült und irgendwo in größerer Menge gestaut werden, könne es zu Problemen kommen. Dennoch handelt die Stadt. Bauhofmitarbeiter haben das Butterwasser in einigen Abschnitten bereits beräumt, soweit es die Kapazitäten zuließen. Diese Arbeiten gehen weiter.