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Wenn der Kühlschrank selbst bestellt

Ein Zittauer Markt hat bereits so ein smartes Kühlgerät verkauft. Für den lokalen Handel birgt der Trend noch Hürden.

© Gero Breloer/dpa

Von Anja Beutler

Zittau. Hat bei Ihnen schon einmal ein Kühlschrank Gemüsenachschub bestellt? Christina Dienel vom gleichnamigen Naturkostladen in Herrnhut ist ein bisschen verdutzt über eine solche Frage. Dabei sind Dienels durchaus Lieferexperten und bekommen ihre Bestellungen regelmäßig auch digital ins Haus – per E-Mail beispielsweise. Aber einen selbstbestellenden Kühlschrank haben sie noch nicht beliefert. Bislang hatten sie es immer mit Menschen am anderen Ende zu tun: „Solche Technik ist für uns noch weite Zukunftsmusik, da gibt es hier in der Region auch noch keine Nachfrage“, sagt Christina Dienel.

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Dabei ist das Ganze gar nicht so futuristisch: Elektrohändler in der Region haben solche Geräte durchaus im Angebot: Beim Zittauer Euronics-Markt beispielsweise ist erst in den vergangenen Wochen ein solcher smarter Kühlschrank verkauft worden, bestätigt Mitgeschäftsführerin Manuela Groß auf SZ-Nachfrage. Allerdings war das bislang eine Ausnahme. „Interessiert sind die Kunden aber schon an der neuen Technik, die man ja sonst nur auf Messen sieht“, sagt sie. Manche wüssten sogar schon bestens Bescheid, was diese neuen Kühlcomputer so alles können.

Noch keine konkreten Nachfragen gab es bislang auch bei anderen Elektro-Händlern im Südkreis: Bei Elektro Hergert in Löbau und bei EP Richert in Zittau habe sich bislang noch niemand konkret erkundigt. „Aber wir haben das für die nächste Zeit im Visier und uns informiert“, bestätigt EP-Richert-Verkäufer Jens Küpping. Auch Andrea Wunderlich im Löbauer Hergert-Laden betont, dass man gerüstet sei. Die Techniker im Außendienst seien ohnehin nicht nur Elektronik-, sondern inzwischen auch Computerprofis.

An wen der Kühlschrank seine Bestellung richtet, liegt an den Programmierungen. „Meist sind es größere Anbieter, die über eine App eine solche Bestellung annehmen“, sagt Frau Groß aus dem Zittauer Euronics-Markt. Manche Kühlschrankhersteller sind auch Kooperationen mit konkreten Supermarktketten eingegangen. Generell ist es aber eine Frage der persönlichen Programmierung. „Bei einigen Anbietern kann man auch auswählen, aus welchem Markt in der Region man sich die Waren liefern lassen will“, erklärt Jens Küpping von EP-Richert den Stand.

Oftmals werden die Onlinebestellungen aber zentralisiert. Ein Beispiel dafür ist Hello Fresh, ein Unternehmen, das ebenfalls sehr auf selbstständige Kühlschranktechnik setzt, unabhängig davon aber mit seinen Kochboxen in der Region Fuß fassen will. Auch im Kreis Görlitz wirbt die Firma derzeit mit Briefen um neue Käufer. Dabei können die Kunden fertig gepackte Pakete mit allen Zutaten für ein bestimmtes Rezept bestellen und müssen dann nur noch die Lieferung in Topf und Pfanne geben. Die Waren selbst sucht sich der Anbieter allerdings nicht lokal zusammen, sondern bestückt die Bestellungen allesamt im niedersächsischen Verden. Auf lokale oder regionale Mitstreiter in ganz Deutschland zurückzugreifen, wäre zu kompliziert: „Uns ist die Qualität besonders wichtig und die bekommen wir bei unseren Landwirten aus der Region in Niedersachsen“, erklärt PR-Manager Florian Anders für Hello Fresh. Das bringe dann in der Tat lange Lieferwege. Aber nur so könne man zum einen die Lieferfristen binnen 24 Stunden gewährleisten und auch den Überblick über das aktuelle frische Angebot behalten.

Diesen Überblick hat der Bernstädter Händler Hendrik Förster natürlich auch. Mit seinen Läden in Bernstadt, Görlitz und Herrnhut ist jeweils auch ein Lieferservice verknüpft. „Bei uns bestellen die Kunden in der Regel per Telefon, ganz selten per E-Mail“, sagt Förster. Und das hat Vorteile, führt er an: So kann er den Kunden sagen, was gerade in der Werbung ist und Alternativen anbieten, wenn ein Produkt gerade nicht im Sortiment ist. „Vielen Kunden ist auch der soziale Kontakt wichtig“, erklärt Förster, der neben Lebensmitteln selbst auch Elektronikartikel verkauft. Einen smarten Kühlschrank hat er noch nicht dabei. Spannend findet er die Neuerungen, die dieses Jahr auf der Funkausstellung Thema waren. Aber noch ist es für ihn Zukunftsmusik.