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Wenn der Weihnachtsbaum etwas größer sein darf

Noch zwei Tage Zeit für Ihre Bewerbung: Chefs wie der Kranverleiher Michael Mross haben Aussicht auf den Preis.

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© Robert Michael

Von Georg Moeritz

Endlich mal ein Kandidat in Jeans, mit Zopf und Bart und Ring im Ohr. Ein Unternehmer, der zugibt, an normalen Arbeitstagen erst um neun Uhr auf seinem Chefsessel Platz zu nehmen. Aber seinen Geschäftssinn hat Michael Mross schon früh bewiesen: Als junger Mann hat er Star-Fotos aus der Zeitschrift Bravo abfotografiert und vergrößert. Die ließen sich gut verkaufen, auch wenn Mross nur die Ausrüstung für Schwarz-Weiß-Abzüge besaß.

Zwei Autokrane für den Striezelmarkt: ein Auftrag für Mross. Foto: PR
Zwei Autokrane für den Striezelmarkt: ein Auftrag für Mross. Foto: PR

Der 46-Jährige erzählt von dieser Jugendsünde auf dem Weg in sein Büro, eine Treppe hoch in einem Industriebau neben Umzugsfirma und Fliesenleger. Im Treppenhaus müsste das eine oder andere Namensschild mal renoviert werden, aber oben bei Mross ist alles aufgeräumt. Vom Schreibtisch aus hat der Chef Aktenordner im Blick, mit Rückenschildern wie „Kfz-Versicherung“ und „Mautunterlagen“.

Auf dem Regal Familienfotos, an der Wand Farbbilder seiner interessantesten Aufträge: Ein Mross-Kran hebt den Goldenen Reiter vom Sockel, ein kompletter Dachstuhl kommt an den Haken. Das Unternehmen KVS Kranvermietung und Schwertransporte Michael Mross ist jene Firma, die im November den Weihnachtsbaum auf dem Dresdner Altmarkt aufstellt. Auch das Flutschutztor am Landtag „haben wir montiert“, zählt Mross auf, und in Bad Schandau hilft ein Kran an der Therme.

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Krane hängen an der Konjunktur

Zu Jahresanfang hat ein Kranverleiher nicht so viel zu tun wie in den guten Monaten April bis November, wenn die Angestellten Stunden auf dem Konto sammeln. Doch Mross ist mit dem Januar ganz zufrieden. Was er von den Kunden in Baubranche und Industrie hört, stimmt ihn „verhalten optimistisch“. In seiner Branche kommen Konjunkturwellen schnell an: Zur Boom-Zeit Mitte 2008 waren Krane Mangelware mit drei Jahren Lieferzeit, und Mross hatte ein Exemplar zum Weiterverkaufen auf dem Hof in Dresden-Niedersedlitz. Damals ließ sich selbst ein fünf Jahre alter Kran über Neupreis losschlagen. Doch im Oktober 2008 ging plötzlich nichts mehr, und Mross blieb auf seinem Verkaufsobjekt lange sitzen. In der Krisenzeit bis 2010 hat das Unternehmen seine Reserven aufgebraucht – doch der Chef ist stolz, Personal und Wagenpark gehalten zu haben.

Auf 19 Angestellte ist Mross’ Betrieb gewachsen, mit sieben hat er sich im Jahr 2001 selbstständig gemacht. Damals zog sich der frühere Besitzer Klaus Wittrock in seine Bremer Heimat zurück – der hatte das Organisationstalent seines Autokranfahrers Mross entdeckt, ihn zum Disponenten gemacht und an der Firma beteiligt.

In den nächsten Wochen kommt noch ein neuer Fahrer zum Unternehmen, der seine Stelle bei einem Konkurrenten verloren hat. Der hat zugemacht – „die Konkurrenz ist hart“, sagt Mross und zählt sechs ernsthafte Mitbewerber in der Umgebung auf. Mross’ Jahresumsatz ist von einer auf 2,6 Millionen Euro gewachsen. Nach der Krise ging es „richtig gut“, als Firmen in ihren Hallen Maschinen montieren ließen und der Bau wieder Autokrane brauchte.

Mross sitzt nur noch fürs Foto am Steuer eines seiner 13 Fahrzeuge, er überlässt anderen die Schwertransporte bis Norwegen und Litauen. „Ich vertraue meinen Leuten, sie sind mein größtes Kapital“, sagt der Unternehmer. Das klingt wie aus dem Lehrbuch, doch der Chef beweist, dass er delegieren kann. Disponent Pierre Scholz sitzt in der Jury, die den Striezelmarkt-Baum auswählt. Prokurist Axel Schmid bekommt den Projekt-Auftrag, wenn 5,80 Meter hohe Kisten von Chemnitz zum Hafen Riesa bugsiert werden müssen, unter angehobenen Oberleitungen hindurch, vorbei an weggedrehten Ampeln und begleitet von einem Landschaftsgärtner, der Äste fachmännisch aus dem Weg schneidet. Der Chef betont, dass er seinen Angestellten Weihnachts- und Urlaubsgeld bezahlt. In dieser Woche ist die späte Weihnachtsfeier in einem Dresdner Restaurant fällig.

Wer noch keinen Gabelstaplerschein hat, wird ihn dieses Jahr bekommen. Weiterbildung ist Mross wichtig. Seine schwerste Prüfung hat er selbst vor drei Jahren abgelegt: das „grüne Abitur“. Seitdem hängt auch der Jägerbrief im Büro.

Außerdem wurden unter anderem vorgeschlagen: Katja Hillenbrand, Micas Sensorik Oelsnitz; Rocco Deutschmann, Tracetronic Automobil-Elektronik Dresden; Gisela Heinz, CEC Conveying Engineering & Consulting Leipzig; Dr. Stephan Scholz, Diagnosticum Labormedizin Neukirchen;

David Hagemeister, Itacom Informationstechnik Oschatz; Hendrik Scherf, Yellowfox Telematik-System Wilsdruff; Timo Piwonski, Innotect Technische Textilien Crimmitschau.