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Wenn die Geschäftsfrau Mutter wird

Maria Riedel führt alleine den SZ-Servicepunkt in der Altstadt, bekommt im Februar ein Baby. Eine lange Elternzeit kann sie sich nicht leisten.

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© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Ganz friedlich und weich gebettet liegt die kleine Helena in ihrem Kinderwagen. Ab und zu zucken die Finger des nicht einmal vier Monate alten Babys, gibt sie ein zufriedenes Glucksen von sich. „Diese Momente sind unbezahlbar“, sagt Maria Riedel. Die 33-jährige junge Mutter ist vielen Meißnern bekannt, denn sie betreibt seit Ende 2013 selbstständig den SZ-Servicepunkt in der Fleischergasse 10, ist für Kunden mit Ticket- oder Anzeigenwünschen da, vermittelt und bucht die beliebten SZ-Reisen.

Ihr Kind habe ihr seit der Geburt viel Freude und Kraft gegeben. Dass es mit der Schwangerschaft nach Absetzen der Pille sehr schnell gegangen ist, habe auch einige Schwierigkeiten mit sich gebracht. „Bei Freunden hat es sehr lange gedauert, bei uns aber nicht. Das kam schon überraschend“, so Riedel. Zwar stand die junge Frau, die lange Zeit in Cölln lebte, heute mit Freund und Schwester auf einem großen Grundstück in Diera-Zehren wohnt, noch wenige Tage vor der Geburt ihrer Tochter im Laden. „Aber irgendwann ging es nicht mehr, musste ich auch an unsere Gesundheit denken.“

Da sie in den letzten Jahren ganz alleine das Geschäft am Laufen gehalten hatte, der wichtige Anlaufpunkt für Kunden der SZ aber nicht geschlossen werden sollte, musste sie eine Lösung finden – und persönlich Einschnitte hinnehmen. „Ich bleibe nur bis August in Elternzeit, damit ich schnell wieder für die Leute da sein kann“, sagt Maria Riedel. Mit ihrem Kind ist sie dann zwar nur sechs Monate zu Hause geblieben, aber das sei schon in Ordnung. Ein langjähriger Bekannter und Ex-Chef im Treffpunkt sowie eine Mitarbeiterin des zweiten SZ-Geschäfts im Elbecenter hätten ihre Vertretung übernommen. Weil momentan von den regulären Öffnungszeiten (9.30 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr) aufgrund der Elternzeit nur die am Nachmittag gehalten werden können, seien einige Kunden verärgert.

„Viele sind sehr verständnisvoll, gerade weil es ja um ein kleines Kind geht. Andere interessiert das aber weniger und wollen keine Abstriche machen“, sagt Maria Riedel und streichelt Helena sanft über ihr Gesicht.

Abstriche macht die Mutter dagegen selbst viele. Vor allem finanziell. „Ich bekomme als Selbstständige 300 Euro Mindestelterngeld plus Kindergeld. Viel länger mit meinem Nachwuchs zu Hause zu bleiben, kann ich mir fast nicht leisten, selbst wenn ich es gerne würde“, erläutert Riedel ihre Situation. Auch Krankenkassenbeiträge zahlt sie zusätzlich.

Insgesamt sei die Situation für junge Mütter, die keinen festen, sozialversicherungspflichtigen Job hätten, sondern selbstständig tätig sind, sehr kompliziert. „Da darf es auch nicht verwundern, wenn sich andere junge Frauen immer öfter gegen ein Kind entscheiden“, sagt Riedel. Es müsse von ganz oben mehr Unterstützung für selbstständige junge Mütter geben. Hier sei die Politik auf Bundesebene gefragt. Riedel selbst ist dank der Unterstützung ihrer Familie und ihres Freundes nicht in großen Nöten. „Wenn ich ab August wieder arbeiten gehe, wird mein Freund acht Monate zu Hause bleiben und sich um unsere Helena kümmern“, sagt die Meißnerin. Sie müssten in Phase versuchen, die Kleine morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause und abends zu stillen. Das werde noch einmal eine Herausforderung. „Vielleicht können wir auch auf Babybrei umsteigen. Ab einem halben Jahr ist das möglich“, erklärt die gelernte Bäckereifachverkäuferin, die lange fest angestellt war.

Doch die Arbeit im SZ-Servicepunkt habe ihr einfach mehr Freude gemacht. Und so wird Riedel – vielleicht erst einmal halbtags – bald wieder in die Fleischergasse zurückkehren. „Dann können hier auch wieder Reisen vor Ort gebucht werden. Das sei wegen ihres Fehlens übergangsweise nicht möglich“, sagt Maria Riedel.

In ein bis zwei Jahren wolle sie vielleicht ein zweites Kind. Dann wird es wieder nur mit Hilfe aus der Familie gehen. „Aber das ist es wert. Ein Kind ist doch das Größte“, sagt sie und schaut zufrieden lächelnd auf ihre Helena nieder.