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Wenn sich plötzlich alles ändert

Familie Strehle aus Zittau trifft ein schwerer Schicksalsschlag. Beim Wunsch des Sohnes hilft auch die Stiftung Lichtblick.

© Matthias Weber

Von Elke Schmidt

Zittau. Es fing mit einer Erkältung an. Husten und Schnupfen wollen einfach nicht verschwinden, die Krankheit zieht sich hin. Yannis Strehle geht noch einmal zur Kinderärztin und die hört unter anderem seinen linken Lungenflügel ab. Doch der bleibt stumm. Die Ärztin überweist den Schüler sofort zum Röntgen ins Krankenhaus. Das zeigt einen derart ungewöhnlichen Befund, dass direkt im Anschluss eine Computertomografie gemacht wird. Als diese Bilder ausgewertet sind, ordert das Krankenhaus umgehend einen Hubschrauber und der Junge wird nach Dresden ins Uniklinikum gebracht.

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Yannis hat einen Keimzelltumor. So bezeichnet man seltene, aus unreifen Keimzellen hervorgehende Tumoren. Sie können gut- oder bösartig sein, verursachen die unterschiedlichsten Krankheitszeichen, haben eine noch ungeklärte Ursache, sind aber inzwischen gut behandelbar. Die Chancen stehen heute gut, mehr als 80 Prozent der Kinder werden geheilt. Was im Medizindeutsch sachlich-nüchtern klingt, ist für den 14-Jährigen verheerend. Zuerst bedeutet es eine Operation. Auch wenn die gut verläuft und der rund ein Kilo schwere Tumor zu 95 Prozent entfernt wird – für Yannis ändert sich alles. Er darf nicht mehr unter Menschen, sonst läuft er Gefahr, sich anzustecken. Das aber könnte seine Lunge gefährden. Nicht einmal mehr in die Schule darf er. Vor allem aber bedeutet es den Verzicht auf Treffen mit Freunden und das von ihm so geliebte Fußballspiel. „Vor seiner Erkrankung war Yannis sportlich und hat sich gern bewegt“, sagt Vater Heiko.

Das alles war von einem Tag auf den anderen vorbei. Für einen so jungen Menschen ist das nur schwer zu verkraften. Yannis zog sich zurück, hatte an nichts mehr Freude, vergrub sich in seinem Zimmer. Seine Eltern und die vier Geschwister litten mit ihm. „Es ist für uns sehr schwer“, sagt der Vater. Die Familie tut ihr Möglichstes, um ihm zu helfen, stößt aber oft an ihre Grenzen. Das nimmt sie alle mit und im Bekannten- und Freundeskreis fällt auf, das etwas nicht stimmt. Auch Ilka Kerber und Kerstin Nowak vom Zittauer Verein „Vereinbarkeit von Beruf und Familien fördern in Ostsachsen“ (vbff) bemerken das. Sie kennen Heiko Strehle, seit er beim Verein beschäftigt war und sind mittlerweile privat befreundet. Er sei immer hilfsbereit und engagiert, wenn es um andere gehe, sagen sie und erzählen, wie Heiko Strehle Jugendtrainer bei Lok Zittau wurde. Seine Kinder spielten dort Fußball. Er brachte sie regelmäßig zum Training und merkte, dass ein Trainer gebraucht wurde. Obwohl er selbst nicht Fußball spielt, übernahm er das Training. Er erwarb sogar eine Lizenz und ist nun Jugendtrainer im Verein.

Als die beiden Frauen von Yannis’ Schicksal hören, steht für sie fest: Wir helfen Strehles. Kurz vorher hatte Heiko freudestrahlend erzählt, dass er eine Arbeit in Aussicht habe, erzählt die Vereinsvorsitzende Ilka Kerber. Er hätte in einem Zittauer Altenheim als Altenpflegehelfer anfangen können. Doch daran ist nicht zu denken. Die plötzliche Krankheit kostet viel Zeit und Heiko Strehle kümmert sich nun vorrangig um seinen Sohn. Damit nicht genug, es entstehen viele unerwartete Kosten. Ein Urlaub ist nicht drin. Kerstin Nowak hat daher die Idee, Spenden für einen Familienurlaub zu sammeln. Der Verein geht an die Öffentlichkeit und wirbt vor Ort und über Facebook. „Die Reaktionen haben uns überwältigt.“ Yannis Schicksal habe viele berührt. Unter anderem die Stiftung Lichtblick der Sächsischen Zeitung. Sie trug 600 Euro bei. Das habe völlig problemlos geklappt, die Zusage sei innerhalb von 14 Tagen gegeben worden, sagt Frau Nowak. Bei einem der monatlichen Skatabende des vbff gehen mehr Spenden für Yannis ein als die Teilnehmer für Essen und Trinken ausgeben. Vereinsmitglieder spenden, die Fußballer, die Vermieterin der Strehles, heimische Firmen und sogar völlig Fremde bis aus Riesa beteiligen sich.

Am Ende kommen über 900 Euro zusammen. Doch für einen Urlaub ist es zu früh. Yannis könnte sich unter fremden Menschen immer noch ungewollt anstecken. Daher wünscht sich der Junge Stühle und einen Tisch für den Garten. Dann könnten er und seine Familie Zeit miteinander verbringen und sie alle gemeinsam sich eben dort erholen.

Dieser Wunsch hat sich erfüllt und Heiko Strehle ist sprachlos. Er bedankt sich im Namen seiner ganzen Familie bei allen, die das möglich gemacht haben. Es zeige ihm, dass sie nicht allein seien, sagt der Vater.

  • Die Stiftung Lichtblick hat von November 2016 bis Januar 2017 zum 21. Mal Spenden gesammelt – über 711 000 Euro kamen zusammen.
  • Die Spenden kommen Menschen in Ostsachsen zugute, die unschuldig in Not geraten sind und Hilfe benötigen.
  • Hilfesuchende wenden sich an Sozialverbände, Sozialämter und gemeinnützige Vereine, mit denen Lichtblick zusammenarbeitet.
  • Erreichbar ist Lichtblick montags bis donnerstags, 9 bis 16 Uhr, 0351 48642846, -9661,
  • Post: Sächsische Zeitung, Stiftung Lichtblick, 01055 Dresden, [email protected], www.lichtblick-sachsen.de

Konto-Nummer: Ostsächsische Sparkasse Dresden, IBAN: DE88 8505 0300 3120 0017 74