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Wenn’s der Winter den Straßenwärtern etwas leichter macht

Vom Reichenbacher Stützpunkt der Straßenmeisterei Niesky sind jeden Tag zwei Räumfahrzeuge unterwegs. Die SZ war am Freitag mit dabei.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Anja Gail

Niesky. Freitagmorgen, kurz nach 7 Uhr. Das Thermometer zeigt Minus acht Grad an. Die B6 zwischen Görlitz und Reichenbach ist gut befahrbar. Nur an wenigen Stellen harren noch Schnee und Eis auf der Fahrbahn. Der Berufsverkehr rollt in Richtung Görlitz. In Reichenbach biegt gerade ein großes Räumfahrzeug vom Stützpunkt der Straßenmeisterei Niesky auf die Hauptstraße in Richtung Bundesstraße. Jens Peipert macht sich auf den Weg.

In diesem großen Tank werden Salz und Wasser gemischt.
In diesem großen Tank werden Salz und Wasser gemischt. © Pawel Sosnowski/80studio.net
Andreas Zölfel schaut, ob beim Auffüllen alles rechtens zugeht.
Andreas Zölfel schaut, ob beim Auffüllen alles rechtens zugeht. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Auch Andreas Zölfel wird kurze Zeit später mit einem kleineren kompakten Räumfahrzeug Unimog auf seine Runde über die Kreisstraßen starten. Auf dem Gelände des Winterdienststützpunktes in Reichenbach sind noch einige Handgriffe zu erledigen. Ein Laster liefert gerade Salz an. Und der Tank des Unimogs muss neu mit Sole befüllt werden. 1200 Liter passen in den flachen Behälter auf der Ladefläche. Das dauert nur wenige Minuten. Salz und Wasser werden automatisch in einer Anlage vor Ort gemischt.

Der Straßenwärter schaut noch kurz nach dem neuen Schneepflug am Fahrzeug. Wenn die Technik stimme, dann gehe vieles leichter, sagt er. Er und sein Kollege sind schon seit drei Uhr im Einsatz. Das große Räumfahrzeug fährt die Bundes- und Staatsstraßen zwischen Vierkirchen und Görlitz ab, das kleinere die Kreisstraßen. Seine Runde umfasse 110 Kilometer, sagt Andreas Zölfel. In aller Herrgottsfrühe, wenn auf den Straßen noch niemand unterwegs ist, versuchen die beiden Männer, so viel wie möglich freizubekommen, die Kreuzungen zu räumen und Sole zu sprühen. Dann können sie auch leicht wenden, ohne Rücksicht auf den fließenden Verkehr nehmen zu müssen und sie kommen zügig voran. Das zahlt sich dann für die folgenden Sprüh-Runden aus.

Andreas Zölfel steuert inzwischen mit dem Unimog die Kreisstraße nach Königshain an, wo am Montagabend ein Taxi aufs Feld geschlittert war. Freie Fahrbahnabschnitte wechseln sich auch am Freitagmorgen immer wieder mit verwehten ab. Am Donnerstag sei die Sicht sehr schlecht gewesen, erzählt der Straßenwärter. Sie lag weit unter 50 Metern. Das bedeutet auch für die erfahrenen Männer im Winterdienst höchste Konzentration.

Bei der nächsten kleinen Schneedecke senkt sich das robuste Schiebeschild am Fahrzeug schon wieder und setzt auf der Fahrbahn auf. Der Schnee wirbelt durch die Luft aufs Feld. Mit einer scheinbaren Leichtigkeit bewegt sich der Pflug auf Knöpfchendruck von einer zur anderen Seite. Die Hydraulik macht das möglich, sagt Straßenwärter Zölfel. Per Knöpfchendruck steuert er auch den Einsatz der Sole bis hin zur Breite auf der Fahrbahn. Er kann selbst die Dosis des Salz-Wasser-Gemisches regulieren. Dazu braucht es Erfahrung. Dort, wo die Fahrbahn frei und durch die Kälte am Freitagmorgen schon relativ abgetrocknet ist, bleibt das Salz-Wasser-Gemisch im Tank. Sollten die Temperaturen unter 14 Grad Minus abfallen, kann auch die Sole gefrieren. Dann wird reines Streusalz eingesetzt.

Inzwischen hat das Räumfahrzeug ein Waldstück passiert. Ein entgegenkommendes Auto aus Richtung Königshain hält am Straßenrand, um den Unimog vorbeizulassen. Andreas Zölfel hebt die Hand und nickt dem Fahrer zu. Es würde schon helfen, wenn entgegenkommende Fahrzeuge einfach nur langsam fahren, sagt er. Die meisten machen das. Aber es gibt eben auch Autofahrer, die keinen Zentimeter zur Seite weichen oder sogar ein Winterdienstfahrzeug überholen.

So weit treibt es am Freitagmorgen niemand. Auf der schmalen Kreisstraße zwischen Reichenbach und Königshain wäre dafür wohl auch kaum Platz. Weiter geht die Fahrt bis zum Flugplatz, wieder zurück und bis an die nächste Görlitzer Stadtgrenze in Schlauroth. Auch hier wendet Andreas Zölfel den Unimog. Die Fahrt führt erneut durch Girbigsdorf, Königshain, Arnsdorf-Hilbersdorf und Döbschütz in Richtung Reichenbach zurück. Der Straßenwärter nickt zufrieden. Es sind nur noch wenige Stellen auf den Fahrbahnen mit Schnee bedeckt. Dort, wo sich gefährliches Eis bilden kann, betätigt er noch einmal den Knopf für das Sprühen der Sole. Der Freitagmorgen verläuft aus seiner Sicht ganz normal und relativ ruhig im Winterdienst. So kann er auch noch auf dem Parkplatz an der Kreuzung zwischen B6 und S111 nach dem Rechten schauen. An Tagen mit anhaltendem Schneefall, wo die Winterdienstfahrzeuge pausenlos im Einsatz sind, ist so etwas gar nicht zu schaffen. Auf dem Parkplatz hat es der wendige Unimog leicht. Mit dem größeren Fahrzeug müsste sein Kollege da schon sehr rangieren.

Die Männer sind ein eingespieltes Team. Vier arbeiten auf dem Reichenbacher Stützpunkt im Winterdienst – an normalen Tagen in zwei Schichten. Bei Bedarf werden weitere Kollegen und Fremdfirmen dazugeholt, auch, wenn der Winterdienst nachts durchmachen muss. Besonders am Morgen und nachmittags sollen Schulkinder mit den Bussen und Berufspendler in ihren Autos gut ankommen. Überall gleichzeitig können die Räumfahrzeuge nicht sein. Und eine durchweg freigeräumte Straße ist keinesfalls das Maß der Dinge im Winterdienst. Andreas Zölfel freut sich am Freitagmorgen, dass alles so gut auf den Straßen aussieht. Dann hält er auch kurzzeitig mal inne, schaut auf den mit Raureif bedeckten Wald auf dem Rotstein oder einen Sonnenfleck, der durch die Wolkendecke dringt. Niemand weiß, was die nächsten Tage wettermäßig bringen. Es soll kalt bleiben. Zurück auf dem Stützpunkt in Reichenbach ist gerade auch sein Kollege mit dem großen Räumfahrzeug wieder eingetroffen. Die Männer stimmen sich kurz ab. Nur zehn Minuten Autofahrt entfernt, auf der B6 am Ortsausgang von Markersdorf in Richtung Reichenbach, ist die Firma Dussa aus Holtendorf dabei, einen Pkw aus dem Graben zu holen. Die Fahrbahn war größtenteils frei.