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Wer aufsteht, soll sich widersetzen!

Revolte in der Burgstraße. Elftklässler feiern ihre erste Vernissage im Kunstverein.

Wie, schon wieder eine Demo? Nein, das ist Kunst. Elftklässler eröffneten ihre Ausstellung „Die Muse revoltiert“ im Kunstverein Meißen. © Claudia Hübschmann

Von Anne Buhrfeind

Meißen. Passanten bleiben neugierig stehen angesichts des Auflaufs in der Gasse. Was ist denn das, eine Demo? Und sind wir hier im richtigen Jahrhundert? „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren“, verkündete ein großes Transparent, und sehr junge Leute skandieren den berühmten Spruch, wonach schon zum Establishment gehört, „wer zweimal mit derselben pennt.“

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Dem kleinen Trupp der Aufsässigen steht ein anderer gegenüber – das soll wohl die Polizei sein, das Militär, das Establishment. Das Grüppchen kann ordentlich Blasmusik machen, aber auch sehr schön „Geh aus, mein Herz“ singen. Natürlich ist das hier keine Demo, sondern eine Performance, eine Einladung, sich anzuschauen, was gymnasiale Kunstschaffende zustande bringen, wenn „Die Muse revoltiert“.

Die Schüler, alles Elftklässler vom Franziskaneum und vom Sächsischen Landesgymnasium Sankt Afra, haben sich im Rahmen ihrer Projekttage mit dem Zustand der Welt beschäftigt. Zum Auftakt ihrer „Musentage“ hatten sie eine Exkursion ins Potsdamer Barberini-Museum unternommen, anschließend tagelang an ihren Arbeiten gesessen, begleitet von der Berliner Künstlerin Franziska Klotz.

Das Ergebnis präsentieren sie jetzt im Kunstverein Meißen. Bis zum 2. März kann die Öffentlichkeit anschauen und auch erwerben, was „die Kinder auf dem Berg“, wie Festredner Willy Seifert sich selbst und die anderen jungen Künstler nannte, in diesen Tagen produzierten.

Die Auseinandersetzung mit Themen wie Digitalisierung, Vereinsamung, Kommunikation, Ökologie und Ökonomie haben sie mit vielen Mitteln geführt. Acryl auf Leinwand, Bodypainting, Fotografie, Videoperformance – alles dabei.„Einer für alle, alle für einen“ heißen die Mülleimer, die Jessica Hanske und Paul Reifenrath im Kunstverein aufgestellt haben: mit Einwurflöchern für jede Gruppe, die nicht gleich ins Raster passt. 

Emilia Imberger hat sich mit dem Krieg in Kambodscha und dem darauffolgenden Völkermord durch die Roten Khmer beschäftigt. Zwei Gesichter, in Öl auf Holz, stehen repräsentativ für drei Millionen Opfer. 

Richard Scholz’ „watching eye“ fragt nach dem Augenschein. Paula Hüttel hat Schachteln gebastelt, die mit Warnungen auf die Gefahren sozialer Netzwerke hinweisen: Facebook zum Beispiel „gefährdet Ihre Rechtschreibung“.

Die Kooperation zwischen den beiden Schulen, den größten Bildungseinrichtungen der Stadt, soll weiter ausgebaut werden – um junger Kunst neben etablierten Formaten eine Bühne zu geben. 

Die Bühne im Kunstverein an prominenter Stelle in der Altstadt hat jedenfalls zur Vernissage viele Menschen angezogen. So gut besucht war eine Ausstellungseröffnung schon lange nicht mehr, war zu hören. Ob’s am Catering lag? Es gab Brause und Salzstangen und für die Performance-Künstler hinterher eine leckere Pizza.

Dr. Anja Krause, Fachberaterin für Kunst in Sankt Afra, sowie Andrea Kotztin und Lorenz Grau, Fachleiter für den musisch-künstlerischen Bereich im Franziskaneum, haben das Projekt mit dem Kunstverein an den Start gebracht. Kuratiert wurde die Ausstellung von Willy Seifert und Johanna Röhner – beide elfte Klasse. „Jung und naiv, wie wir sind,“ sagte Seifert, „wollen wir die Welt besser machen. Wir wollen zumindest Bewusstsein schaffen.“