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Wer braucht denn so was?

Die Agrargenossenschaft Niederseidewitz rangiert alte Technik aus. Sie findet begeisterte Abnehmer. Selbst ein Minister kommt – zum Staunen.

© Daniel Förster

Von Heike Sabel

Niederseidewitz. Ein Hitschhaken, das ist es. Ronny Frank fischt ihn aus einem Haufen rot gestrichener Teile heraus. Der Haken ist eine Art Anhängerkopplung für Traktoren. Die Niederseidewitzer Agrargenossenschaft hat ihn und vieles Weitere ausrangiert und auf ihrem Teilemarkt am Sonnabend zum Tag des offenen Hofes angeboten. Während sich der sächsische Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) das Programm der Kinder anschaut, wird schon heftig gehandelt.

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Für den Haken wollen die Genossenschafter 50 Euro. „Ist ok“, sagt Ronny Frank. Anderswo würde er bestimmt das Doppelte kosten, sagt der Cottaer. Er hat vier Russen zu Hause, das heißt vier alte Belarus-Traktoren. Für die brauche er immer mal wieder Teile, schließlich werden alle Traktoren noch genutzt. Zwei Türen und eine Kühlwasserpumpe nimmt Frank auch. Ein Mann hält ein Lenkrad in der Hand, die Landwirtschaft klebt dran. „Erzähl’ mir, was du geben willst“, sagt Uwe Lange, sonst Bauer, heute Händler. „Nen Fünfer.“ – „Klar.“ Das Geschäft ist gemacht.

Bei der kleinen Fräsmaschine geht es nicht so schnell. „Was gibst’n?“, fragt Sebastian Hoffmann, einer der beiden Geschäftsführer, einen Interessenten. „Keine Ahnung“, sagt dieser. „300?“ Hoffmann erhöht auf 325. Daraus wird dann der Freundschaftspreis 350 Euro.

Ronny Frank hat inzwischen dreckig-ölige Hände. Er findet immer noch was, fachsimpelt mit anderen. Hoffmann und Lange sind gefragt. Sie haben die Listen mit den Preisvorstellungen. 20 Euro für einen Kühlergrill sind ein Horrorpreis, schimpft ein junger Mann. Der Minister schaut auf dem Rundgang auch mal vorbei, kauft zwar nichts, aber staunt.

Am Ende ist etwa die Hälfte verkauft und sind etwa 4 000 Euro in der Kasse. „Ganz ordentlich“, sagt Sebastian Hoffmann. Die Feier für die Helfer zum Tag des offenen Hofes wird also etwas größer ausfallen. Was nicht verkauft wurde, kommt in den Schrott. Das bringt auch noch ein paar Euro. (SZ/sab)