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Wer will Stadtchronist werden?

Dohnas Geschichte ist seine Leidenschaft. Dennoch sucht Kurt Woyack nun nach einem Nachfolger.

© Dirk Zschiedrich

Von Yvonne Popp

Dohna. Hoch ragen die Schränke und Regale an den Wänden auf. Bis auf den letzten Zentimeter sind sie gefüllt mit Ordnern. In der Mitte des kleinen Raumes steht ein großer Schreibtisch, bestückt mit Computer und Drucker. Drumherum liegt jede Menge Papierkram und über allem schwebt der typische Geruch nach altem Papier und Druckerschwärze, den man aus Bibliotheken kennt.

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„Bis Jahresende will ich alles fertig aufgeräumt haben“, sagt Kurt Woyack, Chronist der Stadt Dohna. Gerade hat er den zweiten Raum, der noch zu seinem Archiv gehörte, beräumt und alles, was dort gelagert war, in seinen eigentlichen Arbeitsraum geholt. Dort hat er nun alles, was er in 60 Jahren als Heimatforscher und Ortschronist zusammengetragen hat, in großen, staubfrei verpackten Ordnern abgelegt. Sein Material über die Stadt ist so umfassend, dass er zu allen Nachfragen, die bisher an ihn gerichtet worden sind, Auskunft geben konnte. Geschichte und besonders die seines Heimatortes Dohna ist seit jeher die große Leidenschaft Woyacks. Schon als Junge saß er lieber in Bibliotheken und forschte, als dass er mit Gleichaltrigen Fußball spielte. „So hat eben jeder sein Hobby“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Bis heute sitzt der ehemalige Klempnermeister jeden Tag mehrere Stunden in seinem Büro an der Burgstraße in Dohna, um das aktuelle Zeitgeschehen in der Stadt festzuhalten. Dazu durchforstet er alle möglichen Lokalanzeiger, in denen etwas über Dohna zu finden ist. „Auch die Tagespresse wird noch auseinandergenommen“, erklärt er. Besonders interessant sind für ihn Themen wie Stadtpolitik, Bauwesen, aber auch ortsansässige Industrie und Handwerk. An einer städtischen Verwaltungschronik schreibt Kurt Woyack daneben auch noch. „Diese umfasst die gesamte Historie der Stadtverwaltung Dohna von ihren Anfängen im Jahre 1040“, sagt er nicht ohne Stolz. Immerhin wird das Werk, welches von der Stadt in Auftrag gegeben worden ist, am Ende rund 500 Seiten umfassen. Es ist fast fertig. Einen Preis hat die Druckerei dafür auch schon veranschlagt. 65 Euro soll das Buch kosten. Aber, so merkt Woyack an, für den normalen Leser dürfte der Stoff wahrscheinlich zu trocken sein.

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Ein Leben ohne Heimatforschung kann sich der Rentner, der demnächst seinen 80. Geburtstag feiert, nicht vorstellen. Dennoch macht er sich so langsam auf die Suche nach einem Nachfolger. „Es wäre schön, wenn sich jemand findet, der das alles, was ich hier zusammengetragen habe, zu schätzen weiß“, sagt er und lässt seinen Blick durch den Raum streifen. Natürlich, so betont Woyack, müsse sein Nachfolger ein Dohnaer sein und sich möglichst genauso leidenschaftlich wie er selbst für die Stadt interessieren. Einem möglichen Kandidaten würde er dann auch seinen Arbeitsraum samt Archiv, Computer und Drucker zu einem fairen Mietpreis zur Verfügung stellen. Sich selbst natürlich auch. „Aber nur beratend“, betont er. Bis ein Nachfolger gefunden ist, bleibt aber alles wie gehabt. So lange es die Gesundheit des rüstigen Seniors zulässt, will er nicht kürzer treten.