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Werbung für Freital

Bei der Langen Nacht der Industrie besuchten Interessierte das Technologiezentrum – und wurden überrascht.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Dass es so etwas in Freital gibt – viele der Besucher, die da im Atelier des Porzellankünstlers Olaf Stoy stehen, hätten das wohl nicht gedacht. Der ehemalige Chefmodelleur der Porzelline, der nun seit zwei Jahren im Technologiezentrum (TGZ) als Kreativer arbeitet, zeigt den Gästen, woran er gerade arbeitet. Ein Sammler hat bei ihm ein 14-teiliges Service bestellt – mit Koi-Karpfen als durchgängigem Motiv. Der Name des Werkes: „Ahoi Koi“.

Der Besuch in Stoys Atelier war am Donnerstagabend einer der Programmpunkte der Langen Nacht der Industrie. Interessierte konnten sich für verschiedene Touren zu Unternehmen in und um Dresden anmelden. Etwa hundert entschieden sich für den Besuch im Freitaler Technologiezentrum – einige aus geschäftlichem Interesse, einige auch, weil sie noch Studenten sind und bald auf Jobsuche sein werden, die meisten aber, weil sie Freital kennenlernen wollten. „Es geht hier nicht darum, Mieter für das Technologiezentrum zu generieren“, sagt TGZ-Geschäftsführer und Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz. Er führte die Gruppe durch das Haus. „Wir wollen den Standort und natürlich auch Freital vorstellen.“

Und Schautz nutzt die Bühne, die sich ihm bietet. Er spricht von der Bandbreite der Unternehmen, die sich mittlerweile im Technologiezentrum angesiedelt haben – „von der Elektrotechnik bis zur Nahrungsmittelindustrie“ – und betont das einmalige Konzept. „Das Besondere ist, dass bei uns auch die Kreativwirtschaft mit dabei ist.“ Der Standort des Technologiezentrums mitten in der Stadt an der Dresdner Straße sei bewusst gewählt. „Wir sind dabei, hier eine neue Industriekultur zu entwickeln.“

Dazu gehört neben dem Technologiezentrum auch der Technologiepark an der Lutherstraße. 50 Prozent des Gewerbegebietes sind derzeit schon vergeben, sind oder werden gerade bebaut. Schautz ist optimistisch, dass er bis Jahresende 80 Prozent des Areals an den Mann gebracht hat. „Das Potenzial ist da“, sagt der Baubürgermeister. Deswegen sei die Stadt in Gesprächen mit der Deutschen Bahn, um Nachbargrundstücke zu kaufen und das Gewerbegebiet zu erweitern – um 30 000 Quadratmeter auf dann etwas mehr als 50 000 Quadratmeter Größe.

Zukunft der Lederfabrik

Als dritten Baustein für die neue Industriekultur nennt Schautz schließlich auch die Lederfabrik. Noch in diesem Jahr, sagt er, soll der Stadtrat entscheiden, ob die Lederfabrik abgerissen oder zu einem Zentrum für die Kreativwirtschaft entwickelt wird. Das Rathaus will dem Stadtrat bis Jahresende eine Studie vorlegen, die die Kosten der beiden Varianten vergleicht. Schautz betont, dass er sich für einen Erhalt des brachliegenden Industriebaus an der Poisentalstraße einsetzen wird. Es gebe bereits jetzt eine „Riesennachfrage“ nach den Flächen. „Aber wenn es wirtschaftlich nicht darstellbar ist, muss man es lassen.“

Bei der Führung durch das Technologiezentrum können sich die Gäste nicht nur im Atelier von Olaf Stoy umsehen, sondern auch im neuen Firmensitz des wohl bekanntesten Mieters. Matthias Quendt, ehemaliger Chef des Dresdner Backwarenherstellers Dr. Quendt, hat in Freital im vergangenen Jahr zusammen mit seiner Frau Heike einen Neuanfang gewagt und das Unternehmen Quendt Innovation gegründet. Die beiden wollen von hier aus neuartige Lebensmittel, vor allem Salzgebäck, entwickeln und vermarkten.

Matthias Quendt kann den Besuchern von ersten Erfolgen berichten. Die Quendts wollen nun ein selbst entworfenes Gebäck, einen muschelförmigen Cracker, weiterentwickeln und vermarkten. Dafür soll eine neue Firma gegründet – die Quendt Snägg – und die Fläche im Erdgeschoss des Technologiezentrums mehr als verdoppelt werden. „Freital – das heißt, man ist frei für Ideen“, schwärmt Quendt.

Auch Porzellankünstler Stoy hat seinen Einzug ins Technologiezentrum nicht bereut. „Das Haus ist logistisch genial aufgebaut“, sagt er. Für seine Kunden gebe es ausreichend Parkplätze. Das Zentrum habe eine eigene Kantine. „Und es entstehen Synergien zwischen den Mietern“, sagt er. „Bei einem Treffen kam heraus, dass einer einen Messestand hat, der fast das ganze Jahr bei ihm ungenutzt herumsteht. Er hat gefragt, ob wir diesen mitnutzen wollen. Besser geht es doch nicht, oder?“