merken

Wie alltagstauglich ist das Moritzburger Wegenetz?

Für Wanderer, Radfahrer, Reiter, Kutschen hat der Ort über 200 Kilometer markierte Wege. Ein neues Konzept zeigt dennoch Mängel, aber auch Lösungen auf.

In Moritzburg gibt es bereits ein gut ausgebautes Wegenetz. Wer täglich mit dem Rad zur Schule oder auf Arbeit fahren will, hat dennoch schlechte Karten. Das soll sich ändern. Doch auch für die touristische Nutzung sind Verbesserungen geplant. © Arvid Müller

Moritzburg. Wer in Schlossnähe oder im Fasanengarten vor den mit Wegweisern vollgepackten Metallstangen steht, hat nicht das Gefühl, dass es in Moritzburg an Rad- und Wanderwegen mangelt. Dennoch hatte Moritzburgs Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) jetzt zu einer öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderats eingeladen. 

Einziger Tagesordnungspunkt: die Präsentation und Vorberatung des neuen Wegekonzepts der Gemeinde. Erarbeitet wurde das rund 60-seitige Papier von Moritzburgs Wegewart Wolf-Rüdiger Meyer. Eingeflossen sind darin aber auch die Ideen interessierter anderer Einwohner der Gemeinde, die in Workshops zusammengetragen wurden.

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Am 24. März in Weinböhla feiern und sparen

Kommen Sie zum Frühlingsfest auf der Hauptstraße in Weinböhla und sichern Sie sich 10% Rabatt auf alles zum verkaufsoffenen Sonntag bei Möbel Hülsbusch. 

Die Ausgangssituation in der Großgemeinde ist auf den ersten Blick tatsächlich nicht so schlecht. Es gibt im Gemeindegebiet 14 Wanderrouten mit insgesamt 127,6 Kilometern Länge, wobei das tatsächliche Wegenetz durch Mehrfachnutzung 98,2 Kilometer beträgt. Bei den Radwegen sind es neun Routen mit 138,4 beziehungsweise 64,3 Kilometern. 

Da die Haltung und Nutzung von Pferden in Moritzburg traditionell eine wichtige Rolle spielt, gibt es zudem 34,2 Kilometer Reitwege (rund die Hälfte davon ist Teil eines Fernreitweges) und 31,2 Kilometer ausgewiesene Wege für Kutschen. Durch sechs vom Landkreis Meißen realisierte touristische Radrouten ist die Gemeinde gut in das Radwegenetz des sächsischen Elblandes eingebunden.

Weniger gut ist dagegen die Verbindung des Moritzburger Wegenetzes mit dem der Region des Dresdner Heidebogens. Zwar gibt es den Zille-Radweg und die Sächsische Städteroute, beide tangieren den Ortsteil Moritzburg als touristischen Hauptzielort aber nur.

Als noch größeres Defizit zeigt das Konzept das Fehlen direkt ausgeschilderter Radverbindungen von Moritzburg ins Dresdner Zentrum, in das Gewerbegebiet Dresden-Nord sowie nach Radeburg auf. Sowohl für den Tourismus, vor allem aber auch für den Alltagsverkehr. 

Auch das vorhandene Wegenetz konzentriert sich fast ausschließlich auf touristisches Wandern und Radfahren. Auf teils nur mäßig befestigten Wegen auf Umwegen durch den Wald zu fahren ist für den, der mit dem Rad täglich zur Schule, auf Arbeit oder zum Einkaufen fahren will indes keine Option.

Zudem sieht das Konzept bei den vorhandenen Radwegen auch Handlungsbedarf hinsichtlich der Anpassung an zeitgemäße Nutzungsanforderungen wie Abstellanlagen, E-Bike-Ladestationen, Rad- und Gepäckboxen und Rastplätze.

Ein Problem, vor allem im Kerngebiet der Kulturlandschaft, ist aber auch die hohe Wegedichte mit teilweiser Mehrfachnutzung, die zu Konflikten zwischen den verschiedenen Nutzern führt. Zusätzlich verschärft wird die Situation noch durch die hohe Anzahl von Autos im Bereich Schlossallee/Meißner, Radeburger und Abzweig Großer Fasanenstraße.

In detaillierten Plänen für jeden Ortsteil zeigt das Konzept auf, wo in den nächsten Jahren Wege saniert, ausgebaut, verlegt oder neu gebaut werden sollten. Konkrete Vorhaben sind beispielsweise eine neue Streckenführung für die Städteroute durch Moritzburg, ein Asphaltband um den Dippelsdorfer Teich, ein sicherer Schulweg zwischen Reichenberg und Boxdorf, ein Radweg von Boxdorf nach Dresden und Radwege entlang der S 80 zwischen Auer und Moritzburg, Moritzburg und Berbisdorf sowie an der S 177 zwischen Steinbach und Radeburg. 

Auch der bereits vorgestellte Schnellradweg in Nähe zur S 81 gehört dazu. Während die Gemeinde bei diesem Weg und auch anderen Neubauprojekten entlang von Staatsstraßen darauf hoffen kann, dass ihn der Freistaat finanziert, muss sie die anderen Kosten selbst stemmen. Erste Schätzungen gehen dabei von Gesamtkosten in Höhe von mehr als einer Million Euro aus.

Für die Umsetzung wird es daher Zeit brauchen. Auch weil es in der Moritzburger Kulturlandschaft nicht ohne das enge Zusammenspiel der Gemeinde mit den Staatsbetrieben vor Ort, der Denkmalpflege und auch privaten Eigentümern geht. Im März soll das neue Konzept im Gemeinderat beschlossen werden.