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Döbeln

Wie das Rathausportal gerettet wurde

Mit Kompressen und Spezialmörtel hat eine Restauratorin den Verfall gestoppt. Trotzdem ist das Portal schön alt geblieben.

Birgit Mühler hat in der vergangenen Woche auch noch einige Ausbesserungen am Muschelkalk des Schlegelbrunnens vor dem Rathaus vorgenommen.
Birgit Mühler hat in der vergangenen Woche auch noch einige Ausbesserungen am Muschelkalk des Schlegelbrunnens vor dem Rathaus vorgenommen. © Jens Hoyer

Döbeln. Das letzte Überbleibsel des alten Döbelner Rathauses ist gerettet. Die Diplom-Restauratorin Birgit Mühler hat die Arbeiten am Sitznischenportal an der Stadthausstraße abgeschlossen. Seit voriger Woche können Besucher das Rathaus wieder durch den historischen Sandsteinbogen betreten. Das rund 450 Jahre alte Portal war in einem sehr schlechten Zustand. Stellenweise fiel der Sandstein regelrecht auseinander. Mit der Restaurierung ist dem Einhalt geboten.

Zweimal hatte das Portal 2002 und 2013 unter Wasser gestanden. Es ist Streusalz, Vogelkot und dem Wetter auf der Westseite des Rathauses ausgeliefert. Die Salze führen dazu, dass der Naturstein immer schneller erodierte. Mit Wasser und Zellstoffkompressen hatte Birgit Mühler das Salz im Gestein reduziert. Der poröse Sandstein wurde gefestigt und fehlende Stellen mit einem Spezialmörtel ergänzt, der teilweise von Edelstahlkrallen an Ort und Stelle gehalten wird. 

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Besonders die Sitze des Sitznischenportals waren in einem schlimmen Zustand. Es stand zur Debatte, sie komplett auszutauschen, sagte die Restauratorin. „Ich wollte keine neuen Sitze. Die hätten wie Fremdkörper in dem Portal gewirkt.“ Die ausgebesserten Teile wirken dagegen immer noch alt. Sie haben durch die Ergänzungen nicht die ursprüngliche Größe wiedererhalten. „Es setzt sich heute ja niemand mehr darauf. Und wenn Kinder es wirklich mal tun, dann halten die das auch aus“, sagte die Restauratorin.

Restauriertes Sitznischenportal am Döbelner Rathaus am 02.12.2019
Restauriertes Sitznischenportal am Döbelner Rathaus am 02.12.2019 © Jens Hoyer

Zuletzt hatte sie den Sandstein noch mit einer speziellen Silikatfarbe behandelt, der Wasserdampf durchlässt, aber der trotzdem einen Schutz gegen Umwelteinflüsse bietet. Das soll den Sandstein die nächsten Jahre vor weiterer Verwitterung schützen. „Ich habe empfohlen, dass am Portal im Winter nicht mehr gesalzt wird oder nur ganz vorsichtig mit der Hand“, sage sie. Sie empfiehlt auch, das Portal regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls den Anstrich ausbessern zu lassen. „Damit lassen sich große Reparaturen vermeiden.“

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