merken

Wie der Adler in Zittaus Wappen kam

Mit großer Geste bedankte sich Herzog Jauer vor 680 Jahren für die Vertreibung der Raubritter vom Tollenstein.

© Heike Schwalbe

Von Heike Schwalbe

Zittau. Im Treppenhaus des Zittauer Rathauses ist zwischen dem 1. und 2. Stock das riesige farbige Prunkwappen der Stadt zu bewundern, darin der schwarze schlesische Adler mit silberner Brustspange. Dass Zittau diesen Adler im Wappen führen kann, ist auf ein Ereignis aus dem Jahre 1337 um die Burg Tollenstein zurückzuführen.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Der Tollenstein in einem Gemälde von Karl Brantl. Der einstigen Burg verdankt das Zittauer Wappen den schwarzen schlesischen Adler.
Der Tollenstein in einem Gemälde von Karl Brantl. Der einstigen Burg verdankt das Zittauer Wappen den schwarzen schlesischen Adler. © SZ
Der Tollenstein wurde im 19. Jahrhundert immer mehr ein beliebtes Ausflugsziel. An der Bewirtung der Gäste wurde nicht gespart, wovon auch diese historische Postkarte zeugt.
Der Tollenstein wurde im 19. Jahrhundert immer mehr ein beliebtes Ausflugsziel. An der Bewirtung der Gäste wurde nicht gespart, wovon auch diese historische Postkarte zeugt. © Repro: Ch.-Weise-Bibliothek

Aus der Burg war ein Raubnest geworden, nachdem man 1320 Kurt von Tannenwald als Burghauptmann eingesetzt hatte. Der war als Raubritter bereits berüchtigt und machte aus der Burg ein Raubnest. Die Lage des Tollensteins in der Nähe der Handelsstraßen nach Böhmen boten ihm ein reiches Betätigungsfeld. Aber besonders auf Zittau und sein Umland hatte es Kurt von Tannenwald abgesehen. Er raubte mit seinen Spießgesellen die Händler aus, nahm sie gefangen und verlangte hohe Lösegelder.

Der Pfandherr von Zittau, Herzog Heinrich von Jauer, wollte sich das nicht länger gefallen lassen. Er befahl, den Kampf gegen dieses und andere Raubnester wie Oybin und Rohnau aufzunehmen. So machte sich 1337 ein kleines Heer von Zittau zum Tollenstein auf. Mit Erfolg: Der Burgherr war nicht daheim, da er zur Fastnacht in Tetschen weilte. So gelangen der Überraschungsangriff und die Einnahme der Burg ohne Mühe. Die Zittauer schlugen alles kurz und klein und zündeten die Burg an.

Burg Tollenstein (Tolštejn)

Lage:

1,5 Kilometer östlich vom Tannenberg und südlich von Sankt Georgental (Jiretín pod Jedlovou), unterhalb der Spitze eines 670 Meter hohen Phonolithstockes errichtet.

Bauweise:

Besonders trutzige Burganlage. Beim Blick vom höchsten Aussichtspunkt der Anlage sind die sich an den Fels schmiegenden Grundrisse der Mauern und Gebäudereste gut erkennbar.

Erhaltene Reste:

Starke Umfassungsmauer weitestgehend, Grundmauern verschiedener Bastionen und Gebäude nur noch spärlich erhalten, ebenso Reste eines Brunnens. Fensterbögen noch teilweise sichtbar. Kleine Fluchtpforte ebenfalls zu erkennen.

Status:

Wohl bekannteste Burgruine des Lausitzer Gebirges, früher Dohlenstein genannt.

1 / 4

Dieses Ereignis hielt in einer kurzen Notiz der Zittauer Stadtschreiber Johann von Guben fest. Das war zugleich die erste urkundliche Erwähnung der Burg Tollenstein. Herzog Jauer war mit diesem Feldzug so zufrieden, dass er laut Carpzows „Analecta“ als Dank der Stadt Zittau den schwarzen schlesischen Adler im gelben Schilde in ihr Wappen gab, wo er sich heute noch befindet. Der Schutz vor Raubrittertum und Wegelagerei war auch einer der Gründe, die 1346 zur Vereinigung der Städte Bautzen, Löbau, Kamenz, Görlitz, Zittau und Lauban zum Oberlausitzer Sechsstädtebund führte. – Die Burg Tollenstein wurde in der Folgezeit wieder aufgebaut und erneut belagert. Sie erlebte zahlreiche Burgherren und war Ziel kriegerischer Handlungen bis zum 30-jährigen Krieg. 1642 nahmen die Schweden die Burg ein und zerstörten sie endgültig.

Maler und Dichter der Romantik besuchten gern diese Burgruine aus dem Mittelalter und holten sich hier Anregungen für ihre Werke. Rainer Maria Rilke war einer von ihnen. Auch zahlreiche Sagen erzählen von Raubrittern und verborgenen Schätzen. Das wiederum lockte Schatzsucher an, die in den Ruinen herumwühlten, sie dadurch aber noch weiter zerstörten. Auch die Bewohner der Umgebung bedienten sich an der Burg und schleppten deren Steine für ihre eigenen Bauten weg.

1865 entstand für die immer zahlreicher werdenden Besucher eine Imbissstube, die später durch ein Gasthaus ersetzt wurde. Die Aussicht vom Gipfel des Felsens ist lohnend.