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Wie der Wiener Platz sicherer werden soll

Alkoholfreie Partys, Streetworker und Kontrollen: Der Stadtrat hat ein Paket gegen Drogen und Kriminalität beschlossen.

© Benno Löffler

Von Sandro Rahrisch

Ladendiebstähle, Prügeleien und Drogenhandel: Der Wiener Platz gehört zu Dresdens Brennpunkten. Insgesamt sind im vergangenen Jahr 628 Straftaten vor dem Hauptbahnhof gezählt worden, darunter 227 Drogendelikte, wie das Innenministerium auf eine Landtagsanfrage der AfD mitteilt. Der Drogenkonsum und die Rauschgiftkriminalität auf dem Wiener Platz und an anderen Hotspots sollen nun schnellstmöglich eingedämmt werden, auch um das Sicherheitsgefühl dort zu stärken. Das sind die sieben wichtigsten Maßnahmen, die der Stadtrat am Donnerstagabend einstimmig beschlossen hat.

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Plan 1: Den Wiener Platz beleben und für Drogendealer unattraktiv machen
Drogenhändler mögen es, ihre Geschäfte ungestört abzuwickeln. Das ist zumindest die Theorie hinter dem Plan, mehr Leben auf den Wiener Platz zu bringen. So könnte die Fahrbibliothek in Zukunft Halt an der Prager Spitze machen. Finstere und ruhiges Gassen sowie Haltestellen sollen künstlerisch gestaltet und besser beleuchtet werden. Auch haushohe Videoinstallationen stehen im Maßnahmenpaket gegen die Drogenkriminalität. Spiel- und Sportgeräte wie Minikletterwände könnten Familien anlocken und so die Dealer verdrängen. Im Zuge der fürs Frühjahr angekündigten Ansiedlung des Sportwaren-Händlers „Decathlon“ im Kugelhaus erhofft sich die Stadt ebenfalls eine Belebung.

Plan 2: Asylbewerber aus dem Drogensumpf holen
Die Stadt will auch drogenabhängigen Ausländern stärker helfen. Um sie zu verstehen, also die Gründe für ihren Konsum zu erforschen, sollen sie zunächst befragt werden zu ihrem kulturellen Hintergrund, ihrer Lebenssituation und ihren Erwartungen. Von den Menschen, die im vergangenen Jahr mit Drogen auf dem Wiener Platz erwischt wurden, waren 117 deutsche Staatsbürger und 127 Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere Asylbewerber aus Libyen, Tunesien und Marokko, so das Innenministeriums. Grünen-Stadtrat Michael Schmelich warnte vor einer rassistisch motivierten Debatte. Das Problem durchziehe die ganze Gesellschaft.

Plan 3: Mehr Kontrollen auf dem Wiener Platz
Die Stadt will sowohl die Polizeipräsenz als auch die Streifen des Ordnungsamtes auf dem Wiener Platz verstärken. Außerdem sollen die Bereiche rings um den Hauptbahnhof stärker kontrolliert werden, zum Beispiel leerstehende Gebäude und Grundstücke. Ein Teil des Drogenhandels hat sich bereits auf die Gegend am Rundkino sowie auf das Wohngebiet östlich der St. Petersburger Straße verlagert, so die Polizei.

Um stärker kontrollieren zu können, wollten CDU und AfD zusätzliche Stellen im Ordnungsamt schaffen. „Es sind zu wenige Bedienstete“, sagte CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns. Fünf weitere Stellen wären verträglich. Das lehnte die rot-grün-rote Ratsmehrheit ab. So eine Entscheidung sei ein Vorgriff auf den Haushalt, so SPD-Fraktionschef Christian Avenarius.

Plan 4: Besser über Alkoholverbote in Bussen und Bahnen informieren

Allen Dresdnern soll von Anfang an klar sein, welche Regeln gelten. So soll mit einfach verständlichen Bildern in Bussen und Bahnen auf das Alkoholverbot aufmerksam gemacht werden. In Schulen, insbesondere dort, wo Flüchtlingskinder lernen, will die Stadt mit Projekten sowohl dem Drogenkonsum als auch der Drogenkriminalität vorbeugen.

Plan 5: Jugendliche auf Partys ohne Alkohol einladen
Für junge Drogenkonsumenten könnten zum Beispiel Partys organisiert werden, auf denen Alkohol-, Rauch- und Drogenverbot gilt. Gefeiert werden soll etwa in Tiefgaragen des Stadtzentrums. Das hilft auch dabei, die City nach 21 Uhr zu beleben, so die Stadtverwaltung.

Plan 6: Beratungsraum am Wiener Platz einrichten
Straßen-Sozialarbeiter sollen es schaffen, mit abhängigen Jugendlichen, süchtigen Obdachlosen und Dealern ins Gespräch zu kommen. Eine Beratung an Ort und Stelle ist das Ziel. Dafür soll ein Raum eingerichtet werden, der fußläufig erreichbar ist – ein Ort für vertrauliche Gespräche. Englisch, Französisch, Arabisch und Persisch müssen die Sozialarbeiter beherrschen, da sich das Angebot auch an Ausländer richtet. Rund 370 000 Euro wird allein diese Maßnahme kosten, schätzt die Stadt.

Plan 7: Abschrecken mit Schockbildern in Bahnen und auf Werbetafeln
Mit Schockbildern auf Zigarettenschachteln sollen Raucher dazu gebracht werden, den Glimmstängel wegzulegen. Ähnliches will die Stadt in Bussen, Bahnen sowie auf Werbeplakaten probieren. Dort soll allen Dresdnern vor Augen geführt werden, wie zum Beispiel Crystal den Körper innerhalb kürzester Zeit herunterwirtschaften kann. Auch Bilder von den Strafen, die Dealer erwarten, wolle man zeigen.

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