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Wie es euch gefellt

© Sven Ellger

Hundefriseurin Jana Hummel macht auch die zappeligsten Kunden wieder schick. Sogar Duft gibt es dazu.

Von Henry Berndt

Das klingt ja gar nicht gesund. Max hustet wie ein kettenrauchender Frührentner. „Er hat wahrscheinlich beim Baden wieder Wasser in die Nase bekommen“, sagt Jana Hummel. Also halb so schlimm. Den 14-jährigen Malteser-Opa kennt sie ja auch schon gut und weiß, dass er immer besonders aufgeregt ist, wenn der nächste Termin in ihrem Friseursalon ansteht. „Es gibt nur wenige Hunde, die das hier wirklich genießen“, sagt die 49-Jährige. „Einigen ist es aber zumindest egal, was da mit ihnen passiert.“

Max nicht. Er zittert und zappelt und kann sich offensichtlich nicht damit trösten, dass er in zwei Stunden hübsch und frisch hier rausspazieren wird. Dabei müsste er das doch wissen. Alle sechs Wochen bringt ihn sein Frauchen zum Waschen, Fönen und Schneiden. Wenn Malteser nicht regelmäßig geschnitten werden, sehen sie irgendwann aus wie ein Wischmob. Geduldig setzt sich Cornelia Matull auf einen der Warteplätze und überlässt ihren kleinen Liebling den geübten Händen von Jana Hummel.

Hundeverrückt ist die schon immer gewesen. Auf ihrem Grundstück in Kauscha toben ihre zwei eigenen: Eine französische Bulldogge namens „Desaster“ und ein Dalmantiner-Mischling, der auf „Socke“ hört. „Wahrscheinlich wären es noch mehr geworden, wenn ich nicht in diesen Beruf gewechselt wäre“, sagt sie. „Besonders mein Mann ist froh darüber.“

Friseurin wollte Jana Hummel als junge Frau tatsächlich mal werden – damals noch für Menschen. Da sie aber zu DDR-Zeiten einen Ausreiseantrag laufen hatte, konnte sie sich diese Ausbildung abschminken. Stattdessen wurde sie Fachkraft für Lagerwirtschaft. Später arbeitete sie zehn Jahre für den Otto-Versand und sattelte dann auf Personalberatung um. „Zuletzt wurde der Fachkräftemangel aber immer größer“, sagt sie, „und ich bin kein Mensch, der abwartet und Tee trinkt.“

Als sie in einem Kleinanzeigenportal im Internet eine Anzeige für eine Stelle als Hundefriseur entdeckt, ist sie sofort begeistert. Sie spricht vor, bekommt den Job. Im Februar dieses Jahres macht sie sich schließlich mit ihrem kleinen Salon „Fellkinder“ in Leubnitz-Neuostra selbstständig. Und nun steht sie hier, inmitten von Hundekalendern, Hundefiguren, Hundelampen und gar einer Hundeklingel – und fönt dem alten, vor sich hinschimpfenden Max die letzten Tropfen aus dem Fell. Das meiste Wasser hatte er sich nach dem Baden sowieso schon selbst ausgiebig rausgeschüttelt. Einer der Gründe, warum Hundebesitzer ihre Lieblinge eher ungern zu Hause in die Wanne stecken.

„Max ist schon ein Verrückter“, sagt sein Frauchen, „aber Jana weiß mit ihm umzugehen.“ Die Expertin muss selbst die Ruhe bewahren, sich den Hund sicher auf dem Hightech-Schertisch mit Unterbodenbeleuchtung zurechtrücken und wenn nötig auch mal eine klare Ansage machen. „Ruhig, Brauner!“ sagt sie dann gern – unabhängig von der Farbe ihres Kunden.

„Viele denken nur: Ach Hundefriseur, wie niiiiedlich“, betont sie, „aber das ist auch echte Arbeit.“ Mit jeder Art von Hund muss sie klarkommen. So manchen Winzling hält sie auf ihrer Handfläche, andere gehen ihr bis zu Hüfte. Auch der eine oder andere bissige Kandidat ist dabei – dann ist ein Maulkorb allerdings Pflicht. „Ich hatte mal einen neuen Hund hier, der mich gebissen hat. Als der Besitzer sich dann weigerte, seinem Tier einen Beißkorb anzulegen, ist der am Ende halb fertig nach Hause gegangen.“ Zum Glück sei das die absolute Ausnahme, „denn jeder Hund, der hier rausgeht, läuft ja für mich Reklame.“

Max wird in jedem Fall eine gute Werbung abgeben. Inzwischen hat er sich ein wenig beruhigt und meckert nur noch, als sich Jana den Haaren um seine Augen und in seinen Ohren widmet.

Beim Baden hat Jana ein spezielles Shampoo für weiße Hunde benutzt. Sein Fell strahlt jetzt regelrecht, genau wie seine Besitzerin, die gern die 38 Euro bezahlt. Knapp zwei Stunden hat sie nun brav auf der Bank ausgeharrt, ohne selbst eingreifen zu wollen. Das schaffen die wenigsten. „Viele Besitzer wollen selbst helfen, aber das ist tabu“, sagt Jana Hummel. Für die Unbelehrbaren habe sie gar ein rot-weißes Absperrgitter angeschafft – naja, das sei dann aber doch eher für ihre eigenen Hunde gedacht. Desaster und Socke bringt sie manchmal mit in den Salon. Bei sechs Tagen Arbeit in der Woche sei das nicht immer zu vermeiden. Von nichts kommt nichts in der Selbstständigkeit. Und die Konkurrenz sei groß in Dresden.

Überarbeitet fühlt sich Jana Hummel aber nicht. „Diese neue Herausforderung erfüllt mich komplett. Ich war noch nie so nah an meinen Kunden dran.“ Wie beim Friseur für Menschen gehöre ein gepflegter Small Talk für viele dazu. Die einen wollen ihre Hundefragen loswerden, andere lieber über ihre Ehe reden. „Ich kriege die unglaublichsten Lebensgeschichten erzählt.“

Max hat jetzt ganz andere Wünsche. Sein erster Weg führt ihn zum Wassernapf, dann geht’s zu Frauchen, das ihn gleich beschnuppert. „Ach, wie herrlich der wieder riecht“, schwärmt Cornelia Matull. „Gurke-Melone ist mein Favorit.“ In der Weihnachtszeit will sie aber vielleicht mal was Neues probieren: Vanilleplätzchen-Duft.

www.hundesalon-fellkinder.de