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Wie geht’s weiter mit Schloss Kuckuckstein?

Für 2017 gibt’s erste Anfragen für Hochzeiten. Wem das Schloss dann gehört, ist offen.

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© Archiv: Marko Förster

Von Carina Brestrich

Liebstadt. Heiraten auf einem Schloss – für viele Brautpaare ist das der große Traum. Erfüllen konnten sich Heiratswillige den bisher auf Schloss Kuckuckstein in Liebstadt. Im barocken Rittersaal des aus dem DDR-Fernsehen bekannten Zauberschlosses konnten sich Paare standesamtlich trauen lassen. Doch werden auf Schloss Kuckuckstein auch weiterhin Hochzeitsträume wahr? Nach der überraschenden Wende im Gerichtsverfahren um das Schloss vergangene Woche ist das eine von vielen Fragen. Michaela Kirstein stellte sie am Dienstag im Stadtrat. Als Verwalterin ist sie für das Eventmanagement und die Planung der Hochzeiten auf dem Schloss zuständig. Zehn bis 20 Paare schließen dort jährlich den Bund der Ehe. Und fürs kommende Jahr stehen die ersten Terminanfragen ins Haus, sagt Michaela Kirstein. Doch eine Antwort kann sie den Heiratswilligen momentan nicht geben. Denn die Zukunft des Schlosses liegt in den Händen anderer – und zwar in denen der Stadträte: „Wie sieht der Zeitplan aus? Wann wird eine Entscheidung getroffen?“, fragte Michaela Kirstein deshalb in der Ratssitzung.

Die Stadt steht aktuell vor der Entscheidung, das im Jahr 2007 an privat verkaufte Schloss zurückzunehmen. Weil der jetzige Schlossherr, eine Gesellschaft namens Global Castle Management, nach Ansicht der Stadt eine im Kaufvertrag verankerte Sanierungsverpflichtung nicht erfüllte, war Liebstadt vor Gericht gezogen. Auf eine Vertragsstrafe von 500 000 Euro und die Rückübertragung des Schlosses verklagt die Stadt den derzeitigen Eigentümer. Derzeit ruht das Verfahren, weil die 9. Zivilkammer des Landgerichts Dresden den Parteien nahegelegt hat, sich gütlich zu einigen. Der Vorschlag des Gerichts: Schlossherr Ralph Neunteufel gibt das Schloss zurück an die Stadt, diese erstattet im Gegenzug den Kaufpreis von 160 000 Euro. Neunteufel hat diesem Vergleich nach Auskunft seines Anwalts bereits zugestimmt. Um ein langwieriges, teures Verfahren zu vermeiden, müssen nun noch die Stadträte von Liebstadt über den Vorschlag entscheiden.

Bürgermeister Hans-Peter Retzler (Die Linke) sagte am Dienstag, dass er sich zum Schloss vorerst nicht öffentlich äußern will. „Aus prozesstaktischen Gründen“, wie Retzler erklärte. Schließlich sei das juristische Verfahren nicht abgeschlossen. „Schloss Kuckuckstein wird deshalb vorerst im nicht-öffentlichen Teil des Stadtrates besprochen“, so Retzler. Berater oder Ratschläge brauche er nicht, betonte der Bürgermeister. Das Einzige, was er nun brauche, seien potente Bewerber und Interessenten für das Schloss. Denn die Gemeinde kann das prominente Gemäuer nicht aus eigener Kraft unterhalten und sanieren.

Die Hochzeiten unterdessen sind aus Retzlers Sicht nicht in Gefahr. Die Stadt habe eine Vereinbarung mit dem Besitzer des Schlosses. Die habe weiterhin Bestand, sodass das Liebstädter Standesamt auch in Zukunft auf dem Schloss Trauungen abhalten kann. „Uns gehören ja auch die Stühle im Rittersaal“, bemerkte er. Für andere Veranstaltungen wie die Geburtstage, Jugendweihen oder Schuleintrittsfeiern muss Michaela Kirstein dagegen abwarten. Diese sind nicht Sache der Stadtverwaltung. So seien für nächstes Jahr Termine zwar reserviert, aber noch nicht fest: „Um Planungssicherheit zu haben, wäre es schön, wenn bald eine Entscheidung getroffen würde“, sagt Michaela Kirstein. Obwohl sich Retzler Ratschläge zu Schloss Kuckuckstein verbittet – über ein Hilfsangebot werden er und die Räte nun nachdenken können. Das kommt aus den Reihen des Stadtrats selbst. CDU-Stadträtin und Unternehmensberaterin Bärbel Kemper schlug vor, mit ihrem Team ein Konzept für das Schloss zu entwickeln. „Wir bieten an, ein Zukunfts- oder Betreibermodell zu entwickeln, um so Investoren zu finden“, erklärte sie im Stadtrat. Ob die Stadt das Angebot annehmen wird, ist noch offen. Bürgermeister Retzler kommentierte das Angebot nicht, ließ es aber im Sitzungsprotokoll festhalten.