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Wie Kamenz lebt und liebt

Das Standesamt zieht Bilanz: 127 echte Kamenzer wurden 2017 geboren. Und geheiratet wurde hier 82 Mal.

© René Plaul

Namen für Mädchen sind weiterhin kurz und knackig.

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Und fangen kurioserweise in Kamenz fast alle mit dem Buchstaben ‚L“ an. Die beliebtesten Vornamen der im Standesamt Kamenz beurkundeten Kinder sind: Platz 1 Leni (6x), Platz 2 Lena (5x) sowie Platz 3 Lisa und Mila (je 4x).

Die Schreibweise einiger Namen ist dabei unter anderem abhängig von den Staatsangehörigkeiten, Kulturen und Religionen der Eltern. Im Deutschen sehen deshalb einige Namen eigenartig geschrieben aus. Auch wenn sie am Ende gleich klingen. Was wiederum im sorbischen oder beispielsweise arabischen Sprachgebrauch völlig normal ist. Allein deshalb gibt es immer mehr Namensvarianten zu dokumentieren. Auch Doppelnamen liegen immer noch im Trend: 2017 wurden in Kamenz 136 mit zwei Vornamen und sogar sieben mit drei Vornamen beurkundet. 303 Kinder bekamen „nur“ einen einfachen Namen von ihren Eltern mit auf den Weg.

Bei den Jungen führen besondere Namen die Hitliste an.

Elias und Leo/Lio liegen auf Platz eins im Kamenzer Standesamt-Namens-Ranking. Beide wurden jeweils fünf Mal von den Eltern für ihre Sprösslinge ausgewählt. Gefolgt von Aaron, Arthur sowie Ben, die jeweils vier Mal beurkundet wurden. Den dritten Platz teilen sich gleich mehrere Namen: Finn, Jakob, Luis, Lukas, Nick, Paul, Samuel und Timo gefielen jeweils drei Elternpaaren gut. Damit geht es querbeet durch alle klassischen sowie außergewöhnlichen Namensgebiete. Und das ist auch gut so.

Ein paar Geburten weniger als 2016

2016 wurden auf dem Kamenzer Standesamt 470 Kinder beurkundet. 2017 waren es 24 weniger. Das ist innerhalb der Statistik nicht so viel, aber es schlägt dennoch zu Buche. Die Zahl der „echten Kamenzer“ für 2017, die als Kamenzer geboren wurden – eventuell auch außerhalb von Kamenz – aber noch immer in der Stadt sowie ihren Ortsteilen leben, ist natürlich um einiges geringer: 129. Im Jahr davor waren es übrigens ebenfalls 129. Der Rest der Kinder hat zwar auf seiner Geburtsurkunde auch Kamenz stehen, aber nur, weil sie im Malteserkrankenhaus zur Welt kamen.

Die Ehe für alle wirkt sich bislang nicht in Zahlen aus.

Jedenfalls nicht in Kamenz. Gab es 2016 insgesamt 83 Eheschließungen, so waren es 2017 eine weniger. 82 Paare gaben sich das Ja-Wort – meistens im Rathaus. Der Hutberg als zweites Trau-Objekt der Stadt wird noch nicht angenommen. Und auch die Ehe für alle brachte der Lessingstadt keinen besonderen Boom, wie beispielsweise anderen Großstädten, wie Dresden oder Berlin. Die Begründungen der Lebenspartnerschaften sind eingestellt. Seit dem 1. Oktober gibt es die ‚Ehe für alle‘. In der Kleinstadt ist das allerdings nicht so das Thema.

Beliebteste Hochzeitstage gab es 2017 eigentlich nur einen.

Und das war natürlich der 7.7.2017. Da dieser auf einen angenehmen, feiertauglichen Freitag fiel, bewarben sich gleich sechs Paare um einen Standesamtstermin. Und bekamen ihn auch. Die Kamenzer Standesbeamten hatten damit alle Hände voll zu tun. Und trauten im Akkord. Die begehrtesten Monate zum Heiraten waren der Juni, Juli sowie September. An Sonnabenden, Freitagen und eigenartigerweise Dienstagen wagten die meisten Liebespaare den Schritt. Die Anzahl der Trauungen mit keinen und wenigen Gästen halten sich gegenüber Trauungen mit vielen Gästen übrigens die Waage. Jedem Tierchen sein Pläsierchen …

Amüsante Erlebnisse gibt es auch.

Fünf Mal wurde 2017 am Geburtstag eines Partners geheiratet, verrät das Standesamt. „Ein Paar kam mit dem Taxi als Brautauto her, eine andere Hochzeit war als Überraschung für die Gäste gedacht“, heißt es. Auch einen „Feuerwehrgroßeinsatz“ gab es . Und einmal kam der Künstler „Hans, die Geige“ als Überraschungsgast. Ein Puhdys-Fan-Paar, das zum Pfingstwochenende immer nach Kamenz gekommen war, hatte gute Beziehungen zum Musiker aufgebaut. Irgendwann hatte er versprochen, dass er zu ihrer Hochzeit kommen würde. Am 3. Juni stand er dann wirklich plötzlich im Standesamt. Das Paar war freudig überrascht, denn es hatte nicht mit diesem Besuch gerechnet.

Wenn dieSpurensuche zur Detektivarbeit wird.

Das Standesamt in Kamenz hat natürlich nicht nur mit der Beurkundung von Neugeborenen oder mit Hochzeiten zu tun. Viele weitere Tätigkeiten beschäftigen die Standesbeamten – nicht nur zu ihren Sprechzeiten. Sie haben mit dem Beurkunden von Sterbefällen, Namenserklärungen und Kirchenaustritten zu tun. Stellen Urkunden und Bescheinigungen aus. Auch die Nacherfassung von Registern sowie die Ahnenforschung halten sie auf Trab. „Und zunehmend müssen wir uns auch mit Rechtsberatungen mit Auslandsbeteiligung befassen“, ist zu erfahren . Auf jeden Fall wird es nicht langweilig auf dem Standesamt. (if)