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Wie kriminell sind Zuwanderer?

Eine Statistik der Polizei räumt mit Vorurteilen auf. Nur wenige Asylsuchende bereiten echte Probleme.

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Von Sebastian Kositz

Region. Die Angst vor kriminellen Zuwanderern – kein anderes Thema bestimmt in ihrem Kern die Debatte um die Asylsuchenden. Gezielt werden Befürchtungen geschürt, wabern Gerüchte um klauende und gewalttätige Geflüchtete umher. Behauptungen, die sich weder beweisen, aber auch nur eingeschränkt widerlegen ließen – weil es an belastbaren Zahlen fehlte. Jetzt hat die für die Landkreise Bautzen und Görlitz zuständige Polizeidirektion eine Statistik über Kriminalität durch Zuwanderer vorgelegt. Die rüttelt kräftig an den Vorurteilen. Tatsächlich bereiten der Polizei nur einige wenige Asylsuchende echte Probleme. Die Sächsische Zeitung hat die Statistik ausgewertet und erklärt, was sie aussagt.

Die Fakten zur Kriminalität

Wie viele Straftaten wurden 2015 durch Zuwanderer begangen?

Die Statistik weist für das vergangene Jahr etwa 1200 Straftaten durch Zuwanderer in den beiden Landkreisen Bautzen und Görlitz aus. Damit lässt sich lediglich ein kleiner Teil der insgesamt 39000 im vergangenen Jahr registrierten Straftaten auf Geflüchtete zurückführen. In der Summe, so heißt es aus der Polizeidirektion in Görlitz, sind Zugewanderte damit „nicht mehr und nicht weniger kriminell“ als Einheimische.

Wie viele Zuwanderer sind als Straftäter ermittelt worden?

Die Polizei hat 2015 in Ostsachsen über 14600 Tatverdächtige ermittelt – 650 von ihnen sind Zuwanderer. Hinter den fast 4000 Tatverdächtigen, die in der Statistik als Nicht-Deutsche benannt sind, steckt allen voran die Grenzkriminalität.

Wer steckt hinter den Straftaten und woher kommen die Täter?

Von den 1200 erfassten Delikten durch Zuwanderer gehen etwa 770 auf das Konto von sogenannten Mehrfach- und Intensivtätern. Für 2015 hat die Polizei in Ostsachsen 70 dieser Wiederholungstäter ausgemacht – 37 davon im Landkreis Bautzen. Mit Blick auf die derzeit im Kreis Bautzen untergebrachten 3000 Geflüchteten nur ein sehr geringer Anteil – der aber für fast zwei Drittel der durch Zuwanderer begangenen Straftaten verantwortlich ist.

Polizeisprecher Thomas Knaup verweist dabei allen voran auf junge Tunesier, Albaner und Georgier. „Da der Freistaat überdurchschnittlich viele Personen aus diesen Ländern aufnimmt, verschieben gerade mehrfach in Erscheinung getretene junge Männer die Waage ins Negative“, erklärt Thomas Knaup. Denn erst durch die Straftaten der wenigen Intensivtäter wird die Anzahl der Delikte durch Zuwanderer so sehr nach oben getrieben. „Aus der Gruppe der Zugewanderten tritt die überwiegende Mehrzahl der Menschen sonst polizeilich kaum in Erscheinung“, sagt Thomas Knaup.

Welche Delikte kommen besonders häufig vor?

Bei den durch die Zuwanderer begangenen Straftaten handelt es sich im Wesentlichen um Ladendiebstähle und Körperverletzungen – nicht zuletzt, weil diese Straftaten auch besonders häufig durch Intensivtäter begangen werden. Ein Großteil der Gewalt spielt sich vor allem in den Unterkünften ab. Kaum eine Rolle spielen hingegen Drogen oder Sexualdelikte. Bei den Sexualdelikten sind es laut Polizei nicht selten Vorfälle unter Eheleuten und Pärchen. Besonders heraussticht die hohe Zahl der Ladendiebstähle. Laut Statistik begehen Zuwanderer mehr Ladendiebstähle als der Schnitt der Bevölkerung. Die Polizei warnt aber vor Vergleichen. Denn Ladendiebstähle fallen häufig dann auf, wenn in Supermärkten Sicherheitsleute im Einsatz sind. Ob Asylsuchende tatsächlich mehr klauen oder einfach nur von den Mitarbeitern genauer beobachtet und dann öfter ertappt werden, lasse sich aus der Statistik nicht beurteilen.

Welche Delikte kommen besonders häufig vor?

Bei den durch die Zuwanderer begangenen Straftaten handelt es sich im Wesentlichen um Ladendiebstähle und Körperverletzungen – nicht zuletzt, weil diese Straftaten auch besonders häufig durch Intensivtäter begangen werden. Ein Großteil der Gewalt spielt sich vor allem in den Unterkünften ab. Kaum eine Rolle spielen hingegen Drogen oder Sexualdelikte. Bei den Sexualdelikten sind es laut Polizei nicht selten Vorfälle unter Eheleuten und Pärchen. Besonders heraussticht die hohe Zahl der Ladendiebstähle. Laut Statistik begehen Zuwanderer mehr Ladendiebstähle als der Schnitt der Bevölkerung. Die Polizei warnt aber vor Vergleichen. Denn Ladendiebstähle fallen häufig dann auf, wenn in Supermärkten Sicherheitsleute im Einsatz sind. Ob Asylsuchende tatsächlich mehr klauen oder einfach nur von den Mitarbeitern genauer beobachtet und dann öfter ertappt werden, lasse sich aus der Statistik nicht beurteilen.

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Wer zählt als Zuwanderer

Schutzberechtigte Menschen, die wegen drohender Gefahr nicht in ihre Heimat abgeschoben werden können.

Geduldete: Eine Duldung tritt ein, wenn nach Abschluss des Asylverfahrens Hindernisse bei der Abschiebung vorliegen.

Kontingentflüchtlinge: Geflüchtete, die in zuvor vereinbarter Anzahl aus Krisenregionen ohne Asylverfahren vorübergehend hier leben dürfen.

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