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Wie wär’s als Weinkönigin?

Die Weinböhlaerin Franziska Spiegelberg wirbt für das Amt, das sie 2011/12 inne hatte. Denn es schult die Selbstorganisation und öffnet viele Türen.

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© Arvid Müller

Von Ulrike Keller

Weinböhla. Franziska Spiegelberg hält einen Rekord. Den der jüngsten Weinkönigin in der Geschichte des sächsischen Weinbauverbands. Mit 20 gewann sie 2011 die Wahl. Für die junge Frau jedoch ebenso bedeutsam: Sie war damals endlich mal wieder eine Königin aus Weinböhla. Die erst dritte in den Annalen des Verbands.

Diesem Trio wurde in Franziskas Amtszeit sogar ein kleines Denkmal gesetzt: in Form der Winzerhütte Am Börnchengrund. Bis heute kommt „Franzi“, wie sie bei den Winzern einfach nur heißt, gern hierher. „Es wird Zeit, dass wir wieder einmal eine Weinkönigin stellen“, sagt sie lokalpatriotisch. Erst recht, wenn diese – wie in diesem Jahr – wieder einmal im Weinböhlaer Zentralgasthof gekrönt wird.

Die inzwischen 24-Jährige nutzt jede Gelegenheit, Werbung für das Amt zu machen, das sie weit gebracht hat. „Am meisten bereichert es einen selbst“, reflektiert sie. „Du wächst über dich hinaus, staunst, was du dir plötzlich alles merken kannst. Und dann redest du frei vor 1 000 Leuten, und es stört dich nicht mehr.“ Sie bestätigt, was der Weinbauverband immer wieder unterstreicht: Zur Weinkönigin wird man erst im Laufe seiner Amtszeit.

Doch noch gibt es für das diesjährige Großereignis am 5. November nicht eine offizielle Bewerberin. „Wir werden schon ein bisschen nervös“, sagt Sandy Prüger vom Weinbauverband Sachsen. Wenngleich noch gut zwei Monate bleiben bis zum Anmeldeschluss.

Reichlich fiel die Zahl der Bewerberinnen allerdings seit 2013 nicht mehr aus. Nur jeweils vier Ladys traten Jahr für Jahr in Eroberung der Krone an. 2012 waren es noch elf gewesen. „Es ist ein Ehrenamt, das immer aufwendiger wird“, erklärt sich Projektkoordinatorin Sandy Prüger das nachlassende Interesse. 200 bis 300 Termine kommen in dem Jahr zusammen. Auf einen Tag entfallen schon mal vier bis fünf. „Das müssen Familie und Partner mittragen.“ Und eigentlich braucht es einen Arbeitgeber, der seine Mitarbeiterin in dem Jahr oft freistellt, aber weiter bezahlt.

Franziska Spiegelberg war damals in Ausbildung. Zu ihrem Traumjob Erzieherin. Bevor sie sich bewarb, sprach sie mit ihrer Klassenlehrerin über die Vereinbarkeit von Amt und Schule. Die gab grünes Licht. Nachdem sie dann tatsächlich die Wahl für sich entschieden hatte, fiel sie regelmäßig durch Abwesenheit auf. Und durch die Riesentasche, die sie im Unterricht dabei hatte. „Ich hab mich meist noch in der Schule umgezogen und bin dann zu den Terminen gefahren“, erinnert sie sich. Und zwar stets in hundertprozentiger Eigenregie. „Was anstand, musste ich selbst auf dem Schirm haben und in meinen Tagesablauf einplanen.“

Als stressig empfand sie das nie. „Jeden Termin gab’s nur einmal. Ich habe mich auf jeden einzelnen gefreut“, sagt sie. Dass dabei viele Veranstaltungen allein – also ohne Verstärkung der Weinprinzessinnen – zu bestreiten waren, machte ihr nichts aus. Im Rückblick sieht sie alle Veranstaltungen übrigens auch als gutes Training für die Selbstdisziplin. „Man darf sich nie verleiten lassen, zu viel zu trinken“, sagt sie. „Es darf ja keinesfalls peinlich werden.“

In der Regel ging es nachts noch zurück. Trotzdem wäre Franziska Spiegelberg ohne die Unterstützung von Familie und Freunden aufgeschmissen gewesen, gibt sie ehrlich zu. Mal brauchte sie jemanden, der sie bringt oder holt, mal jemanden, der ihren Hund nimmt. Auch der Weinbauverband kam ihr enorm entgegen. In der Prüfungszeit stellte er sie zwei Wochen komplett frei. Und selbst bei entscheidenden Anlässen baute er keinen Druck auf. „Es ging immer ganz ruhig zu, nach dem Motto: Wird schon“, erzählt sie.

„Da hattest du gar keine Chance, nervös zu werden.“ Das ganze Gegenteil erlebte Franziska Spiegelberg, als sie obligatorisch bei der Wahl der deutschen Weinmajestäten antrat. Da half es ihr, den Trubel gar nicht an sich heranzulassen und einfach sie selbst zu bleiben.

Während der Amtszeit entstanden viele Kontakte und Freundschaften. Schon während des Jahres erhielt Franziska Spiegelberg auch Angebote für Jobs, etwa die Moderation von Weinverkostungen. Ein lukrativer Nebenerwerb, dem sie nach der Abkrönung parallel zu ihrer Ausbildung nachgehen konnte. Mancher Bürgermeister hatte auch signalisiert, bei der späteren Stellensuche helfen zu wollen.

Darauf war das Küken unter Sachsens Weinköniginnen jedoch gar nicht angewiesen. Franzi bewarb sich gezielt. Und fand sich umgehend in einem Bewerbungsgespräch wieder, in dem sie prompt erkannt und mit Fragen gelöchert wurde. „Das Amt als Weinkönigin öffnet Türen und Herzen“, schwärmt die junge Frau, die jetzt minderjährige Flüchtlinge betreut.

An Weinböhlaer Kandidatinnen für die Krone ist ihr übrigens so gelegen, weil eine gewählte Majestät tatsächlich etwas für ihre Gemeinde bewirken kann. „Der Ortsname fällt schon öfters“, sagt sie aus Erfahrung. „Und wenn man sich zur Wahl der deutschen Weinhoheiten in einem Video vorstellt, bekommt der eigene Heimatort gleich einen deutschlandweiten Auftritt.“