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Wie wird er richtig geschrieben?

Weiße? Weise? Oder gar Weisse? Ständig entdeckt man andere Schreibvarianten für den Kamenzer Hofgärtnermeister. Sogar offizielle Stellen liegen oft falsch.

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© Matthias Schumann

Von Ina Förster

Kamenz. Auf der offiziellen Homepage der Stadt Kamenz steht es schwarz auf weiß: Der königliche Hofgärtnermeister Wilhelm Weiße wird mit „ß“ geschrieben. Auch bei Wikipedia findet man diese Schreibvariante. „Doch ist das richtig?“, fragte jetzt Leser Hans-Jürgen Schmidt aus Kamenz nach. In letzter Zeit gab es viele Veröffentlichungen zu seiner Person. Grund dafür ist der 100. Todestag der Kamenzer Persönlichkeit. Immerhin hat er hier über viele Jahrzehnte seine Spuren hinterlassen. Grüne. Blühende.

Falscher Schriftzug an der Villa?

„Ich habe mich schon seit Längerem gewundert, dass der Herr immer wieder mal mit anderem Namen auftaucht“, sagt der Kamenzer. Abgesehen davon, dass auch die Sächsische Zeitung in ihrem letzten Artikel vom Montag einen Fehler eingebaut hatte. Und ihn mit „s“ schrieb. Dafür nochmals Entschuldigung! Die meisten favorisieren allerdings wirklich die Schreibweise mit „ß“. Der Schriftzug am Hotel „Villa Weiße“ zeugt davon, Flyer und Veröffentlichungen – wenn nicht gerade in großen Lettern gedruckt – zum Festjahr ebenfalls. „Ich habe jedoch auch schon historische Dokumente gesehen, auf denen er mit „ss“ aufgeführt wird. Kann man einen Eigennamen so einfach über die Zeiten ändern“, möchte Hans-Jürgen Schmidt wissen. Die deutsche Rechtschreibregelung klingt hier eigentlich eindeutig: Seit der Rechtschreibreform von 1996 ist der Gebrauch des sogenannten scharfen S ( „ß“ ), zugunsten des Doppel-S („ss“) deutlich zurückgegangen ist. Dies lässt sich aber nicht auf Eigennamen übertragen, denn für diese gelten die Rechtschreibregeln des Duden nicht. Eigennamen bleiben so, wie sie vorher geschrieben wurden – siehe das prominente Beispiel von Herrn Litfaß, der gleichnamige Säule erfand. Diese wird auch nicht plötzlich anders geschrieben, nur weil es gefühlsmäßig besser klingen würde …

Weisse inserierte mit „Herr Weisse“

Stadtarchivar Thomas Binder bestätigt den Fakt. In ihm findet man einen profunden Kenner der Historie um den Hofgärtnermeister. „Eigennamen sind Eigennamen und unterliegen nicht irgendwelcher Rechtschreibreformen. Und da Wilhelm Weisse stets mit Wilhelm Weisse unterschrieb oder inserierte, wird er auch weiterhin mit „ss“ geschrieben“, sagt er.

Woher dann die anderen Schreibweisen kamen oder kommen, ist nicht mehr nachvollziehbar. Irgendjemand muss damit vor Jahren begonnen haben. Hans-Jürgen Schmidt hat mit seiner Beobachtung also recht. Den längst verstorbenen Koniferengärtner und Botaniker wird es nicht mehr stören. Vielleicht kann man sich aber dennoch künftig auf eine einheitliche, richtige Schreibweise in der Stadt einigen?