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Wieder Ärger mit der Roten Mutter

Ein Anwohner des Wasserlaufs bei Radeburg ist besorgt wegen des Drecks auf dem Bach. Er beklagt, dass keine Behörde helfen will.

Von Ines Luft
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Gert Otto zeigt auf die Stelle, wo das aus seiner Sicht verschmutzte Wasser der Roten Mutter auf sein Grundstück in Radeburg gelangt. Der Stau am Zaun soll als Drecksperre dienen.
Gert Otto zeigt auf die Stelle, wo das aus seiner Sicht verschmutzte Wasser der Roten Mutter auf sein Grundstück in Radeburg gelangt. Der Stau am Zaun soll als Drecksperre dienen. © Norbert Millauer

Radeburg. So schlimm wie im Frühjahr 2015 ist es momentan nicht bestellt um die Rote Mutter. Damals schwamm eine ölige, übelriechende schwarz-braune Masse auf dem kleinen Bach, der sich einige Hundert Meter durch das Gewerbegebiet an der Königsbrücker Straße zieht. Zum Teil unterirdisch. Bis 2015 sei der Bach sauber gewesen, mit Fischen. Und mit Stockenten im Frühjahr, sagt Gert Otto, einer der Grundstückseigentümer, durch dessen Gelände die Rote Mutter verläuft.

Er hatte 2015 mehrmals die Feuerwehr alarmiert, Stadt und Landratsamt informiert. Ölsperren waren errichtet worden, damit die mineralölhaltige Substanz nicht weiter in die Große Röder gelangt. Die Stadt veranlasste das Entsorgen der öligen Flüssigkeit sowie das Beräumen der Bachsohle. 

Auch nach der Ursache für die Verschmutzung wurde gesucht und unter anderem mittels eines sogenannten Nebelverfahrens herausgefunden, dass die Substanz über die Niederschlagswassereinleitstelle eines Gewerbegrundstückes ihren Weg gefunden hatte. Kanäle der Anlage mussten gespült, Schächte gereinigt werden. Die untere Wasserbehörde verlangte den Bau einer Rückhalteeinrichtung.

Was wohl funktioniert. Anwohner Gert Otto sagt, der Dreck auf dem Bach trete nicht mehr so intensiv auf. Trotzdem beschäftige ihn das Thema, sagt er. Denn sauber sei die Rote Mutter noch lange nicht. Ihre Oberfläche sehe oft merkwürdig aus. Schlieren würden sich da entlangziehen, meist blau gefärbt. Manchmal durch Regen weggespült, aber immer wieder da. Das Gewässer bringe Dreck mit und verseuche sein Grundstück, ist Gert Otto überzeugt.

Als Verursacher hat er andere Bachanlieger ausgemacht. Solche, deren Grundstücks-Oberflächenwasser, möglicherweise mit Öl und anderen wassergefährdenden Stoffen, zumindest teilweise ungeklärt in die Rote Mutter fließe. Und solche, deren Gebäude in den Fünf-Meter-Gewässerrandstreifen, die Schutzzone, hineinragen.

 Und die mit wassergefährdenden Stoffen arbeiten würden. Die dann, beispielsweise beim Abwaschen von Maschinen und Fahrzeugen, in den Bach nebelten. Gert Otto sieht hier nicht zuletzt Stadt und Landratsamt mit in der Verantwortung, wegen ihrer Zustimmung zum Errichten solcher Gebäude an Gewässern zweiter Ordnung.

Das Foto zeigt die verschmutzte Bachoberfläche von Nahem.
Das Foto zeigt die verschmutzte Bachoberfläche von Nahem. © Norbert Millauer

Er habe sich an alle gewandt, die aus seiner Sicht dazu beitragen müssten, die Verschmutzung abzustellen. War im Radeburger Bauamt und im Landratsamt. Überall sei er abgewiesen worden. Ebenso letzten Endes bei der Polizei. Die anfangs noch zu ihm gekommen sei. Jetzt nicht mehr. Wie die Feuerwehr, die nur anrücken würde, wenn er den Einsatz bezahlt.

Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) weist die Vorwürfe zurück. Dem Anliegen von Gert Otto werde genauso nachgegangen wie allen anderen Anfragen. Wenn es berechtigt ist, würden entsprechende Schritte eingeleitet. Aus Sicht der Stadt aber sei derzeit an der Roten Mutter in puncto Gewässerverschmutzung nichts Alarmierendes festzustellen. Der Bach habe sehr eisenhaltiges Wasser, was eine Art Film ergibt. Aber es handele sich um kein Mineralöl oder Ähnliches.

Die Beschwerden von Gert Otto sind auch im Kreisumweltamt bekannt, bestätigt Helena Musall, stellvertretende Pressesprecherin im Landratsamt. Den 2015 angezeigten Ölverschmutzungen auf dem Kleinstgewässer Rote Mutter sei im Zusammenwirken mit der Stadt Radeburg – ihr obliegt die Gewässerunterhaltungspflicht – nachgegangen und mit erheblichem Aufwand recherchiert worden.

Neben Abwehrmaßnahmen wie Ölsperren, die gemeinsam mit der Feuerwehr erfolgten, seien damals alle von Herrn Otto als mögliche Verschmutzer benannten gewerblichen Anlieger sowie Grundstücksbesitzer und -nutzer kontrolliert worden. So habe es 2015 insgesamt 15 Einsätze der unteren Wasserbehörde vor Ort gegeben.

„Trotz der intensiven Untersuchungen konnte ein Verursacher der Ölverschmutzung letztlich nicht rechtssicher festgestellt werden, da die betreffenden Grundstücke bzw. die Entwässerungsanlagen von verschiedenen Personen genutzt wurden“, heißt es von der Kreisbehörde.

2016 und 2017 habe Gert Otto wiederholt weitere Verschmutzungen der Roten Mutter gemeldet. Das sei durch die untere Wasserbehörde stets unverzüglich vor Ort kontrolliert worden, teilweise in seiner Gegenwart. Die gemeldeten Verschmutzungen konnten nicht festgestellt werden, Herr Otto sei darüber auch im Rahmen von Gesprächen im Amt informiert worden, teilt Helena Musall mit.

Gegen die von ihm angeführte Baugenehmigung habe er Nachbarwiderspruch eingelegt. Zuständig ist dem Kreis zufolge die Landesdirektion. „Gerichtliche Verfahren waren oder sind dazu auch anhängig.“

Im Jahre 2018 wurde keine erneute Verschmutzung der Roten Mutter in der unteren Wasserbehörde registriert, so die Auskunft aus dem Landratsamt. Dort gilt der Fall aus dem Jahre 2015 als abgeschlossen.