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Wieder daheim

Lange Uhren hat seine Lehrlingsausbildung nach Glashütte zurückgeholt. Zuvor musste noch einiges getan werden.

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© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Glashütte. Hell und freundlich ist es in der Lehrwerkstatt. Laura Heyne sitzt am Uhrmachertisch und montiert an einem Eta-Werk. „Zu Übungszwecken“, sagt sie. Die 21-Jährige aus Dönschten wirkt gelassen, dabei stehen in den nächsten Wochen Prüfungen an. Darauf wird sie sich nun komplett in Glashütte vorbereiten. Denn ihr Ausbildungsbetrieb, der Glashütter Luxusuhrenhersteller Lange, hat sein Ausbildungszentrum von Bärenstein nach Glashütte verlegt.

Bert Salomon ist gelernter Werkzeugmacher. Seit zwei Jahren leitet der gebürtige Glashütter die Lehrlingsausbildung der Firma Lange.
Bert Salomon ist gelernter Werkzeugmacher. Seit zwei Jahren leitet der gebürtige Glashütter die Lehrlingsausbildung der Firma Lange. © Egbert Kamprath

Damit ist auch Laura Heyne umgezogen. Ihr Ausbildungsplatz ist nun die frühere Betriebsstätte der Feinmechanischen Werkstätten Glashütte. Diese Firma ist vor einigen Jahren nach Reinholdshain umgezogen und hat ihr Fertigungsgebäude 2012 an die Firma Lange verpachtet. Die hat es aufwendig saniert und eine Weile für die Produktion genutzt. „Mehrere Abteilungen haben hier gearbeitet“, sagt Pressereferentin Katrin Meusinger. Unter anderem waren hier die IT-Experten des Unternehmens, die Galvanik, die Produktionssteuerung und das Gebäudemanagement tätig. Sie haben das Gebäude inzwischen verlassen und andere Räume bezogen. Denn von denen besitzt Lange nach der Inbetriebnahme des neuen Manufakturgebäudes an der Altenberger Straße nun ausreichend.

Jeden Tag im Charter-Bus

Damit konnte das Unternehmen nicht nur die Produktionsabläufe optimieren. Auch die „nachgeordneten Bereiche“ wie die Lehrlingsausbildung sollten davon profitieren. Die war 2010 aus dem Lange-Stammhaus in die frühere Bärensteiner Mittelschule gezogen, weil in Glashütte kein Platz mehr war. „Damals war das eine gute Entscheidung“, sagt der heutige Leiter der Ausbildung, Bert Salomon. Das Gebäude in Bärenstein war so groß, dass die Ausbilder und Lehrlinge nicht alle Räume nutzen konnten. Problematisch war allerdings die Anbindung an den Nahverkehr, erzählt der Ausbildungsleiter. Zwar fährt die Müglitztalbahn unweit der früheren Mittelschule durchs Tal, die nächsten Haltestellen befinden sich aber in Lauenstein und am anderen Ende von Bärenstein. Von beiden Seiten gibt es keinen Fußweg. Allerdings gibt es direkt vor der Schule eine Bushaltestelle. Hier kamen die Lehrlinge, die noch kein Auto fahren dürfen, auch früh mit dem Linienbus an. Am Nachmittag chauffierte sie von hier aus ein Bus nach Glashütte, den Lange extra chartern ließ. „Das ist nun vorbei“, sagt Salomon. Die Anbindung an den Nahverkehr sei in Glashütte wesentlich besser.

Doch das sei nicht der Grund für die Verlegung gewesen. Viel wichtiger sei, dass die Lehrlinge nun näher an die Produktion gerückt sind. „Die Kommunikationswege sind kürzer geworden. Alle Kollegen arbeiten in der Nähe“, sagt er. Dass die Lehrwerkstatt im neuen Gebäude weniger Platz zur Verfügung hat, habe man da in Kauf genommen. „Die Räume reichen. Wir können hier 60 Uhrmacherlehrlinge ausbilden“, sagt Salomon. Gegenwärtig habe man 54. Daran dürfte sich ab dem neuen Lehrjahr im August nicht viel ändern, weil Lange nur 18 von 20 möglichen Uhrmacherausbildungsplätzen besetzt hat.

Spontaner Applaus

Für Bert Salomon hatte der Umzug auch noch eine emotionale Seite. Denn er kennt das Gebäude bestens. 1985 hat der gebürtige Glashütter hier seine Ausbildung zum Werkzeugmacher begonnen. Damals war hier die Firma Elektronische Bauelemente Dorfhain tätig. Bis zu seiner Einberufung zur Armee lernte und arbeitete er hier. Da, wo seine Drehbank stand, ist heute ein schmuckloser Lagerraum. Dafür sind die anderen Räume richtig schick geworden, sagt er. Denn nach dem Auszug der anderen Abteilungen ließ Lange am Gebäude noch mal Umbauten vornehmen.

Auch die Lehrlinge sind zufrieden. „Als wir ihnen sagten, dass wir nach Glashütte umziehen, gab es spontan Applaus“, erinnert sich Bert Salomon. Laura Heyne hat sich inzwischen gut „eingelebt“. Bisher hat sie noch kein Problem gehabt, hier einen Parkplatz zu finden, erzählt sie. Sie nutzt den firmeneigenen Stellplatz an der Altenberger Straße. Viel besser als in Bärenstein sei die Mittagsversorgung. Hier in Glashütte könne man zwischen Bäckern, Bistros und Imbissen wählen. „In Bärenstein gab es nur Essen aus der Assiette.“