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Wilde Verfolgungsjagd nach Tschechien

Als die Sebnitzer Polizei nachts einen VW-Phaeton kontrollieren will, jagt der mit hohem Tempo über die Grenze.

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© Rafael Sampedro

Von Thomas Möckel

Eine wilde Verfolgungsjagd hat in der Nacht zum Donnerstag deutsche Polizisten bis nach Tschechien geführt. Beamte des Sebnitzer Reviers wollten am Mittwochabend gegen 23.20 Uhr einen VW-Phaeton auf der Böhmischen Straße stoppen. Nach Angaben des Polizeisprechers Marko Laske handelte es sich um eine geplante, klassische Routinekontrolle. Die Polizisten hegten anfangs wohl keinen bestimmten Verdacht, wollten offenbar aber auf Nummer sicher gehen. Wagen dieser Luxusklasse sind nachts in Sebnitz auf der Böhmischen Straße eher selten anzutreffen. Möglicherweise wollten sie ausschließen, dass es sich um ein gestohlenes Auto handelte. Das gelang ihnen allerdings nicht – zumindest nicht auf deutschem Territorium. Die Beamten sahen den Nobel-VW größtenteils nur von hinten.

Der Fahrer oder die Fahrerin – das steht noch nicht fest – hatte die geplante Kontrolle geflissentlich ignoriert. Statt anzuhalten, gab der VW-Fahrer Gas und brauste mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Grenzübergang und dann weiter nach Tschechien. Die Sebnitzer Beamten sprangen in ihren Wagen und fuhren hinterher. Es war ein klassischer Fall der so genannten Nacheile.

Laut eines binationalen Polizeiabkommens dürfen deutsche Polizisten Abtrünnige auch nach Tschechien hinein verfolgen, allerdings nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Nach Aussage von Marko Laske müssen die Ermittler die Kriminellen zuvor entweder auf frischer Tat erwischt haben oder es muss, wie hier bei der missachteten Kontrolle, Gefahr im Verzug vorliegen. Sobald die Fahnder die Grenze passieren, müssen sie zudem das deutsch-tschechische Lagezentrum der Polizei in Petrovice informieren, das seinerseits die tschechische Polizei alarmiert.

Der letzte schwere, derart gelagerte Fall in Sebnitz liegt reichlich anderthalb Jahre zurück. Fahndern war Anfang April 2012 bei Rugiswalde nachts ein verdächtig schnell fahrender Skoda aufgefallen. Sie verfolgten ihn und errichteten in Sebnitz eine Straßensperre. Die Fahrt endete für den Autodieb an einem Baum auf der Böhmischen Straße.

Während Beamte ihn festnahmen, raste ein zweiter Autodieb heran und durchbrach die Sperre. Das ist ein typischer Fall, in denen die Beamten den Flüchtenden auch einmal hinterher fahren. Sind sie dann auf tschechischem Gebiet, gilt noch eine weitere wichtige Voraussetzung: Zu dem Verfolgten muss laut Laske jederzeit Sichtkontakt bestehen. Diesen zu halten, war im aktuellen VW-Phaeton-Fall nicht so einfach. Von Dolni Poustevna aus setzte sich die Verfolgungsfahrt fort, die Nobelkarosse jagte teilweise mit Tempo 150 durch verschiedene Ortschaften. Auf der Flucht stieß die Limousine gegen einen Hydranten und wurde schwer beschädigt. Letztlich aber verloren die Polizisten den Fluchtwagen aus den Augen. Das bedeutete: Abbruch. Ein kleiner Erfolg stellte sich dennoch ein. Tschechische Polizisten entdeckten das Auto gegen 0.20 Uhr in Dolni Poustevna wieder. Der Fahrzeugführer war offensichtlich zu Fuß entkommen. Nach Angaben der Polizei fanden sich an dem teuren Wagen keine Einbruchspuren. Vieles spricht daher dafür, dass der VW nicht gestohlen wurde. Tschechische Fahnder ermitteln nun gemeinsam mit den Beamten aus Sebnitz in dem Fall –  vor allem den Umstand, wer gefahren ist.