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„Wir alle wollen Sport machen“

In der Elbhalle startet ein Fußballturnier für Flüchtlinge. Sie möchten gern öfter sportlich aktiv sein.

© Arvid Müller

Von Beate Erler

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OSTRALE-Kunst im Goethe-Institut 

In der Ausstellung der OSTRALE Biennale O19 setzen sich verschiedene Künstler mit dem Thema Afrika auseinander. 

Radebeul. In der Elbhalle startet ein Fußballturnier für Flüchtlinge. Sie möchten gern öfter sportlich aktiv sein. Gleich mehrere Spieler stürmen vom Fußballfeld vor die Spielstandliste. Hier müssen die Ergebnisse per Hand eingetragen werden. Eine elektronische Anzeigetafel gibt es in der Elbsporthalle an der Festwiese in Altkötzschenbroda nicht. Doch das ist nicht das Problem. Irgendetwas stimmt nicht mit der Mannschaftsaufstellung. „Die haben schon zweimal gespielt und wir noch gar nicht“, beschwert sich einer der Jungs bei Andreas Kirsten. Der Integrationskoordinator vom Landratsamt Meißen hat das Turnier für Flüchtlinge organisiert. Und die wollen an diesem Sonnabend nur eines: Fußball spielen.

Bei zehn Teams und etwa 90 Spielern kann selbst ein Integrationskoordinator mal die Koordination verlieren. „Das ist hier eben wie im echten Leben, da läuft auch nicht immer alles glatt“, sagt Andreas Kirsten. Zusammen mit dem Kreissportbund hat das Ausländeramt das integrative Fußballturnier auf die Beine gestellt. Eine Halle musste gefunden werden, Bälle und Trikots besorgt, Vereine, Initiativen und Unternehmen vor Ort angeschrieben und Schiedsrichter aufgestellt werden.

Nach wenigen Minuten ist das nächste Spiel vorbei. Wieder stürmen die Jungs runter vom Spielfeld. „Wie ist es ausgegangen?“, fragt Andreas Kirsten. Mit einem blauen Marker trägt einer von ihnen ein 1:1 in die Liste ein. Drinnen ertönt schon der nächste Anpfiff. Die Jungs kommen aus Afghanistan, Afrika und Syrien. „Wir wollten Mannschaften zusammenbringen, die sonst nicht gegeneinander antreten“, sagt Kirsten.

Es sind Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft in Radebeul, aus dem Haus Ismael in Moritzburg und bereits anerkannte Flüchtlinge, die in Coswig leben. Einige ehrenamtliche Helfer, zum Beispiel der Initiative „Coswig – Ort der Vielfalt“, spielen auch mit. Die Resonanz sei so groß gewesen, dass die Organisatoren nicht alle Anmeldungen annehmen konnten, sagt Kirsten. Nur von den Sportvereinen hätte er sich ein paar mehr Rückmeldungen gewünscht.

Arabzada Ayuob aus Afghanistan sitzt neben seinen Freunden am Spielfeldrand. Heute hat er schon dreimal mit seiner Mannschaft gespielt. Zweimal verloren und einmal unentschieden. „Ich finde, das Turnier ist eine gute Idee“, sagt der 24-Jährige, „ich habe viele Leute getroffen, die ich lange nicht gesehen habe.“ Seit über zwei Jahren ist er in Deutschland und lebt in der Gemeinschaftsunterkunft in Radebeul.

Mittlerweile hat er sogar einen Fußballverein gefunden und spielt bei SG Motor Trachenberge in Dresden. „Wir alle wollen Sport machen, egal was, aber es gibt nur wenige Möglichkeiten“, sagt Arabzada. In der Radebeuler Unterkunft gäbe es einen Sportplatz, aber da könnten sie zurzeit nicht spielen, weil er erst in Ordnung gebracht werden müsste. Auch Tom Heinze vom Kreissportbund weiß, dass die jungen Flüchtlinge gern viel öfter Fußball spielen würden. „Es gibt viele Möglichkeiten, aber für viele ist es schwierig ranzukommen“, sagt der Trainer und Sportjugendkoordinator.

Er sitzt oberhalb des Fußballfeldes in einer Tribüne, gibt die Spielergebnisse über ein Mikro durch und beschallt die Halle mit Musik. „Es gibt einige sehr gute Nachwuchsspieler unter ihnen“, sagt Tom Heinze. Um den Flüchtlingen bei ihrem Eintritt in einen Sportverein zu helfen, arbeitet der Kreisportbund mit dem Ausländeramt zusammen und hilft bei der Vermittlung. Auch beim Mitgliederbeitrag würden die Flüchtlinge unterstützt, sagt er. Dann fällt ein Tor und er muss schnell die Tormusik in Gang bringen.

Für die Flüchtlinge ist es nicht nur ein normales Fußballspiel. „Sie spielen schon öfter und nutzen dafür auch die öffentlichen Plätze“, sagt Kirsten. Das Besondere an dem Turnier heute sei aber der Wettstreitcharakter. „Auch wenn es am Ende keine Preise gibt, wollen sie sich beweisen und natürlich gewinnen“, sagt er. Eine Fortsetzung des Turniers ist auf jeden Fall geplant.

Am 22. Juni gibt es in Meißen erst einmal den Integrationscup. „Fußball funktioniert ohne viel Sprache und über Ländergrenzen hinweg“, sagt der Integrationskoordinator. Er verbindet einfach.