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„Wir hatten Angst, mit abzubrennen“

Die Häuser Uferstraße 6 bis 8 sind in teils erbärmlichem Zustand – die Versicherung sei schuld, sagen die Besitzer.

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© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Es ist gut, dass das Haus jetzt gesichert ist, sagt Kathrin Herzog: „Wir hatten immer Angst, dass wir mal mit abbrennen.“ Die Wirtin der Gaststätte und Pension „Zum Goldenen Anker“, die sich in der Uferstraße 9 bis 11 befinden, weiß, wovon sie spricht. Im April brannte das Haus Uferstraße 7, wovon noch die schwarzen Rauchspuren über den Fenstern im Erdgeschoss künden. Zwei Wochen später stand die Feuerwehr wieder vor dem Haus, weil Rauch gemeldet worden war. Es handelte sich allerdings nur um einen Obdachlosen, der einen nicht mehr angeschlossenen Ofen beheizt hatte, um sich zu wärmen.

Baufällig und brandgeschädigt – das Haus Uferstraße 7.
Baufällig und brandgeschädigt – das Haus Uferstraße 7. © Claudia Hübschmann

Die Uferstraße 7 war völlig ungesichert, das baufällige, völlig heruntergekommene Haus schrie geradezu nach einer „Warmsanierung“, wie im Jargon das bewusste Niederbrennen von missliebigen, nicht mehr lukrativen Immobilien genannt wird.

Nach der Obdachlosen-Episode wurden die Türen der Uferstraße 7 und 8 mit sogenannten OSB-Platten vernagelt. „Ich wünsche mir eine Entwicklung der Häuser durch den Besitzer“, sagt Kathrin Herzog, die für die Fraktion „Unabhängige Liste Meißen/FDP“ im Stadtrat sitzt. Dabei sind ihr die Hindernisse vollkommen bewusst. „Wir haben im Stadthaushalt eine Bewertung der Immobilien vorgenommen, da stehen für das Rathaus 38 Millionen Euro zu Buche, für das Theater aber nur 1,8 Millionen. Der riesige Unterschied ist ganz einfach zu erklären – das Theater liegt im Überflutungsgebiet der Elbe.“ Das gleiche trifft für die Häuser an der Uferstraße zu.

Das ist einer der Punkte, die es schwer machen, etwas aus ihnen zu machen. Ein weiterer besteht in ihrem Zustand, bis auf die Nummer 8, dem höchsten der drei Häuser, sind die beiden anderen stark sanierungsbedürftig. Schließlich kommt hinzu, dass alle drei Häuser unter Denkmalschutz stehen, was potenzielle Investoren, wegen der damit verbundenen Mehrkosten bei der Wiederherstellung, häufig abschreckt.

Interesse noch vorhanden

Hartmut Grimmer kennt noch andere Gründe, warum es an der Uferstraße 6 bis 8 nicht weiter geht. Gemeinsam mit seinem Sohn Thomas betreibt er die Firma IVG Grimmer Entwicklungs- und Bauträger GmbH mit Sitz in Dresden. Ihnen gehören die drei Häuser. Im Jahr 2006 habe man mit zwei Bäckereien in Kontakt gestanden. Dabei handelt es sich um die Bäckerei und Konditorei Schwerdtner GmbH mit Hauptsitz in Löbau und um „Unser Bäcker“ mit Sitz in Klipphausen. Sie wollten jeweils die zweistöckige Uferstraße 6 ausbauen und die einstöckige Nummer 7 wegreißen und durch einen Ersatzneubau mit Café und Terrasse ersetzen. „Das hat das Meißener Bauamt auch genehmigt, aber die Denkmalpflege hat dieses Projekt zunichtegemacht“, erklärt Hartmut Grimmer. Zumindest eine der beiden Bäckereien habe aber nach wie vor Interesse an dem Projekt.

Weil die Grimmers begonnen hatten, die Nummer 7 abzureißen, was in letzter Minute gestoppt worden ist, ist ein Gerichtsverfahren anhängig. Nach zwei Verhandlungen am Verwaltungsgericht Dresden liegt der Fall nun beim Oberverwaltungsgericht. Selbst, wenn dieses den Abriss genehmigt – die Verhandlung sollte eigentlich im Frühjahr stattfinden – gibt es noch eine große Hürde zu nehmen, um die drei Häuser wieder auf Vordermann zu bringen: „Wir haben derzeit keinen Versicherungsschutz für die Gebäude“, so Hartmut Grimmer. „Weil uns die Versicherung gekündigt hat, weil sie im Hochwassergebiet stehen.“ Derzeit würden sie sich um neuen Versicherungsschutz kümmern. Ist der gegeben und fällt das Gerichtsurteil zugunsten der Grimmers aus, würden sie die Häuser verkaufen, oder selbst sanieren und vermieten, sagt Hartmut Grimmer.