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„Wir unterstützen die Klage“

© SZ-Archiv/K.-D. Brühl

Die Grüne Liga steht der Bürgerinitiative Gegenwind aus Rödern bei. Sie rüsten sich für einen möglichen Rechtsstreit.

Großenhain. Für einen Teil der Rödernschen Heide, einem Waldgebiet zwischen den Orten Radeburg, Zschorna und Rödern, wird der Bau von 17 Windrädern geplant. Dafür müssten zwischen acht und zehn Hektar Wald kahlgeschlagen werden, die dann dauerhaft entwaldet bleiben. In der Nähe der Planungsflächen befinden sich aber nicht nur Dörfer, sondern ein europäisches Vogelschutzgebiet und das Naherholungsgebiet Brettmühlenteich.

Tobias Mehnert ist erster Vorsitzender des Naturschutzverbandes Sachsen e.V. © privat

Nach jahrelangen Gesprächen und Protesten bereitet sich die Bürgerinitiative jetzt auf eine Klage gegen die Ausweisung eines Windparks bei Rödern vor. Prozessgegner wäre der Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge, der gerade am artenschutzrechtlichen Gutachten arbeitet. Dabei wird sie ausgerechnet vom Vorsitzenden der Grünen Liga Sachsen vertreten. Die SZ fragte nach.

Herr Mehnert, Sie sind Vorsitzender der Grünen Liga in Sachsen und wollen eine Klage gegen Windräder unterstützen? Stimmt das so?

Ja, jedes Windrad, das nicht gebaut wird, ist ein gutes Windrad. Das klingt plakativ und ist auch so gemeint, man muss die Leute aufrütteln gegen den Irrsinn, der hier verzapft wird. Wir brauchen eine Denkpause bei den erneuerbaren Energien. Der Naturschutz ist längst in Konflikt mit der neuen Energielobby geraten. Ich sehe mit Sorge, wie unter dem Deckmantel des sogenannten Klimaschutzes die Natur zerstört wird. Das kann ich als Natur- und Landschaftsschützer nicht hinnehmen.

Sie wohnen selbst in Oederan, steht auf der Homepage der Grünen Liga. Was bewegt Sie, sich für Rödern einzusetzen?

Abgesehen von meiner Motivation, die ich gerade erklärt habe, konnte ich gar nicht glauben, dass ein Planungsverband allen Ernstes in der Nähe eines europäischen Vogelschutzgebietes Windräder aufstellen will und dann noch im Wald. Das ist überhaupt nicht genehmigungsfähig.

Aber das Kriterium Wald ist nach neuer Lesart nur noch ein schwaches Ausschlusskriterium, kein Tabu!

Ja, aber in der Gesamtbetrachtung von Wald, Vogel-Rastplätzen und Schutzgebiet sieht die Sache natürlich anders aus. Dazu kommt ja, soweit ich das gesehen habe, noch ein Naherholungsgebiet. Aber das wird uns nicht groß weiterbringen. Es geht vor allem um die artenschutzfachliche Bewertung. Und die wohl gerade in der Endfassung. Wir als klassische Naturschützer wollen unsere Tierarten hier bewahren. Da muss ich nicht in die Antarktis oder nach Afrika reisen, um etwas für die Tierwelt zu tun. Wir müssen uns mal wieder um unsere eigenen bedrohten Geschöpfe bemühen. Irgendwie scheint mir das aus der Mode gekommen zu sein. Insofern interessiert mich auch weniger der Mindestabstand zum nächsten Wohnhaus, wenn dafür flächendeckend wertvolle Tierbestände geopfert werden, nur weil es weiter weg von Besiedlung ist. Wir haben verlernt, Dinge einfach mal in Ruhe zu lassen – unabhängig von jeglicher Politik Werte zu pflegen.

An welche Tiere denken Sie in Rödern?

Besonders natürlich an den Rotmilan. Es ist nun mal so, dass 60 Prozent des Weltbestandes bei uns in Deutschland heimisch ist. Da haben wir Verantwortung. Und der Rotmilan ist deshalb so gefährdet, weil er als Aasfresser eben magisch vom Schnellrestaurant „Windpark“ angezogen wird und schaut, was da so herumliegt. Und dann wird er selbst geschreddert.

Warum ist dieser Schutz so schwer durchzusetzen?

Weil die meisten Menschen in der Stadt wohnen, in großen Ballungsräumen. Die Städter schmücken sich mit ihrer Pseudoökologie, gehen in irgendwelche Schickimicki-Läden oder diskutieren klug – aber nicht etwa darüber, wie die Stadt Energie sparen kann oder welche Lasten sie anteilig übernimmt.

Nein, sie bürden dem ländlichen Raum komplett die Lasten für die künftige Energiegewinnung auf – im Übrigen neben anderen Lasten wie Müllentsorgung oder Trinkwassergewinnung. Zum Dank dafür wird das Land noch abgehängt.

Es fragte Birgit Ulbricht