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Lobby für Familien

Kristin Brückner ist neue Chefin des Stadtfamilienrates. Im SZ-Interview sagt sie, welche Themen sie anpacken will.

© Uwe Soeder

Bautzen. Beinahe stand Bautzens Stadtfamilienrat vor der Auflösung. Der alte Vorstand fand keine Nachfolger. Doch im zweiten Anlauf meldeten sich drei engagierte Eltern. Für die nächsten zwei Jahre wurden jetzt Kristin Brückner zur Vorsitzenden, Franziska Breuer zur Stellvertreterin und Andreas Straßberger zum Kassenwart des Stadtfamilienrates gewählt. Die Sächsische Zeitung sprach mit der neuen Vorsitzenden Kristin Brückner. Die 38-Jährige ist verheiratet und Mutter von neunjährigen Zwillingen. Sie lebt in Bautzen und arbeitet in einer Kita im Oberland.

Frau Brückner, ist Bautzen familienfreundlich?

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Im Großen und Ganzen schon. Das hat uns auch dazu bewogen, 2005 hierher zu ziehen. Ob Kitas, Schulen oder Kinderärzte – hier befindet sich alles auf kleinem Raum. Und ich finde, in den vergangenen Jahren ist viel passiert, um Bautzen attraktiver für Familien zu machen. Die Stadt guckt zum Beispiel bewusster auf die Zustände der Spielplätze und der Radwege. Aber nach oben geht immer.

Ihr Vorgänger Dirk Bergelt bemängelte, dass es zu wenig aktive Eltern gebe und die Arbeit an einigen wenigen hängenbleibe. Was wollen Sie dagegen tun?

Wir wollen die Aufgaben breiter schultern, sodass sich alle Mitglieder nach ihren Möglichkeiten und Interessen einbringen können und so den Verein auf die Beine bringen. Wir versuchen auch immer wieder, neue Eltern mit ins Boot zu holen.

Was bewegt die Eltern in Bautzen?

Jeder hat andere Bedürfnisse, die für ihn die Lebenswelt familienfreundlich machen. Die gilt es herauszufinden. Wir wollen die Lobby für Familien sein und nicht in den luftleeren Raum agieren. Ich will zunächst an die Themen der Eltern ran und wissen, was ihnen unter den Nägeln brennt. Jeder ist deshalb eingeladen, sich mit seinen Problemen über unsere Homepage an uns zu wenden. Außerdem werden wir uns diesen Sonnabend, am 10. Juni, beim Kinderfest an der Max-Planck-Straße im Stadtteil Gesundbrunnen mit einem Stand präsentieren.

Wo sehen Sie die großen Themen der nächsten Zeit?

Die kommende Auflösung der Grundschulbezirke wird für uns ein wichtiges Thema werden. Sie beschäftigt viele Eltern. Es gibt nun einmal Schulen in Bautzen, die von den Eltern bevorzugt werden. Hier müssen die Verteilungskriterien, die dann greifen, wenn eine Schule zu voll wird, unbedingt nachvollziehbar sein.

Und an welchen Stellen knirscht es im Bereich der Kindertagesstätten?

Die Belegung der Krippen- und Kindergartenplätze ist ein Dauerthema. Es kann ja heutzutage keiner mehr garantieren, dass Geschwisterkinder die gleiche Kita besuchen können. Hier braucht es mehr Übersichtlichkeit. Und da hilft es nicht, wenn die Eltern selbst von Kita zu Kita tingeln und dort nach freien Plätzen fragen. Wir bräuchten so etwas wie ein zentrales Vergabeprogramm, welches für die Eltern und die Träger der Kitas eine Übersicht über Angebot und Nachfrage bietet.

Wie sieht es in der Stadt mit Aufenthaltsmöglichkeiten für Familien aus?

Die Spielplätze in Bautzen sind gut hergerichtet worden. Allerdings müsste man hier mal eine Bedarfsanalyse machen, um festzustellen, ob die Spielplätze für die Stadt auch ausreichend sind oder ob vielleicht etwas Besonderes fehlt.

Plant der Vorstand des Stadtfamilienrates bereits an neuen Projekten?

Wir sind natürlich noch in der Findungsphase. Aber es gibt auch schon einige Ideen: So tragen wir uns mit dem Gedanken, eine vierteljährliche Familiensprechstunde einzurichten. Und wir würden gern eine Babysitterbörse aufbauen. Gerade Familien, die neu nach Bautzen ziehen, fehlen noch die Netzwerke. Die Eltern haben keine Möglichkeit, zusammen auszugehen. Wir haben in der Stadt aber den Vorteil, dass es hier drei Erzieherschulen gibt. Es gebe also Angebot und Nachfrage.

Gespräch: Madeleine Arndt

www.stadtfamilienrat-bautzen.de