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Jedes fünfte Auto hat erhebliche Mängel

Sachsens Autos sind besser in Schuss, zeigt der Tüv-Report. Deutsche Marken schneiden gut ab – mit einer Ausnahme.

Gesamtsieger ist der Mercedes GLC. Kein Gebrauchtauto weist weniger erhebliche Mängel auf: Für die erste Hauptuntersuchung nach drei Jahren ermittelte der Tüv eine Quote von 1,7 Prozent. Einziger Schwachpunkt: die Radaufhängungen.
Gesamtsieger ist der Mercedes GLC. Kein Gebrauchtauto weist weniger erhebliche Mängel auf: Für die erste Hauptuntersuchung nach drei Jahren ermittelte der Tüv eine Quote von 1,7 Prozent. Einziger Schwachpunkt: die Radaufhängungen. © Daimler AG/dpa

Von Peter Löschinger

Die Autos auf Deutschlands Straßen werden immer älter. Im Schnitt sind Gebrauchtwagen heute über neueinhalb Jahre alt. Das hat Folgen: Bei der regelmäßigen Hauptuntersuchung (HU) fällt rund jedes fünfte Fahrzeug mit erheblichen Mängeln durch. In der Tüv-Region Sachsen sind es mit 17 Prozent etwas weniger. Das zeigt der am Donnerstag vorgestellte Report des Tüv-Verbands. Immerhin: Gegenüber dem Vorjahr hat sich die bundesweite Quote erheblicher Mängel um 1,6 Prozentpunkte verringert. Der Verband wertet diesen Trend als Zeichen verbesserter Langlebigkeit und Qualität.

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Geringe Mängel, die die Erteilung der Plakette trotzdem erlaubten, machten einen Anteil von knapp zehn Prozent aus. Ohne festgestellte Mängel schickten die Prüfer rund 70 Prozent der Autos wieder auf die Straße. Dieser Wert hat sich um 1,6 Prozentpunkte verbessert. Sofort stillgelegt werden mussten im untersuchten Zeitraum rund 14.000 Autos. Dies entspricht einem Anteil von 0,05 Prozent.

Die Mängel:

Ölverluste an Motor und Getriebe beanstandeten die Tüv-Prüfer mit am häufigsten. Solche Probleme betrafen vor allem ältere Fahrzeuge. Auch das Licht funktionierte oft nicht richtig. Hier ist nicht nur die Funktion als solche, sondern auch die richtige Einstellung wichtig. Verschlissene Bremsen oder Defekte an den Bremsleitungen führten ebenfalls oft zum Aus. Autos mit erheblichen Mängeln müssen repariert und erneut vorgeführt werden. Ältere Fahrzeuge schnitten aber im Vergleich zum Vorjahr besser ab. So sank etwa der Anteil der Acht- bis Neunjährigen mit erheblichen Mängeln um 2,6 Prozentpunkte auf 19,9 Prozent. Bei den Zehn- bis Elfjährigen ging es um 3,4 Punkte runter auf 24,8 Prozent.

Die Marken:

Gebrauchtwagenkäufer dürfte interessieren, wie sich einzelne Modelle geschlagen haben. Als Gesamtsieger über alle Fahrzeugklassen hinweg kürte der Tüv wie schon 2019 den Mercedes GLC. Mit 1,7 Prozent bei den Zwei- bis Dreijährigen weist er die geringste Quote erheblicher Mängel auf. Auf Rang zwei landeten der Opel Insignia, die Mercedes-B-Klasse und der Porsche 911 (alle 2,2 Prozent). Zwar stehen in den fünf untersuchten Fahrzeugklassen deutsche Hersteller oft vorn. Doch den Sieg in der Kompaktklasse holt sich zum ersten Mal der Hyundai i30 (2,5 Prozent). Die Mini- und Mittelklasse sichert sich Opel mit dem Adam (3,7) und dem Insignia (2,2). Den besten Kleinwagen stellt VW-Tochter Audi mit dem A1 (3,3). Mercedes hat mit der B-Klasse (2,2) den zuverlässigsten Van und steht mit dem Gesamtsieger GLC (2,2) auch bei den Sports Utility Vehicles (SUVs) ganz vorn. Mit dem 911er in verschiedenen Generationen hält Porsche wieder in den Altersklassen zwischen vier und elf Jahren die Spitzenplätze, was die Quote erheblicher Mängel angeht (2,7 bis 9,6 Prozent).

Bei den über vier Jahre alten Gebrauchten erwiesen sich die Porsche-911-Modelle vom Typ 991 und 997 als die solidesten. Mängelquote je nach Altersstufe: 2,7 bis 9,6 Prozent. Allerdings kommen die Sportwagen auch nur auf niedrige Laufleistungen.
Bei den über vier Jahre alten Gebrauchten erwiesen sich die Porsche-911-Modelle vom Typ 991 und 997 als die solidesten. Mängelquote je nach Altersstufe: 2,7 bis 9,6 Prozent. Allerdings kommen die Sportwagen auch nur auf niedrige Laufleistungen. © Porsche AG
Mit einer Quote von 11,1 Prozent erheblicher Mängel landet der Dacia Duster bei den zwei und drei Jahre alten Gebrauchten auf dem letzten Platz. Bei den sechs- bis neunjährigen Autos floppte der Dacia Logan.
Mit einer Quote von 11,1 Prozent erheblicher Mängel landet der Dacia Duster bei den zwei und drei Jahre alten Gebrauchten auf dem letzten Platz. Bei den sechs- bis neunjährigen Autos floppte der Dacia Logan. © Dacia
Auch VW hat Mängelriesen: Laut Tüv stellt der Sharan bei den vier- bis fünfjährigen Gebrauchten mit einer Mängelquote von 20,3 Prozent einen Negativrekord auf. Ärger gab‘s vor allem mit Achsaufhängungen und Bremsen.
Auch VW hat Mängelriesen: Laut Tüv stellt der Sharan bei den vier- bis fünfjährigen Gebrauchten mit einer Mängelquote von 20,3 Prozent einen Negativrekord auf. Ärger gab‘s vor allem mit Achsaufhängungen und Bremsen. © Volkswagen
Zehn oder elf Jahre alte Kangoos von Renault waren bei der HU extrem auffällig. Ihre Mängelquote betrug 37,5 Prozent. Besonders oft marode waren Lichtanlage, Lenkung und Bremsen. 
Zehn oder elf Jahre alte Kangoos von Renault waren bei der HU extrem auffällig. Ihre Mängelquote betrug 37,5 Prozent. Besonders oft marode waren Lichtanlage, Lenkung und Bremsen.  © Renault

Das Schlusslicht bei den SUVs gibt über alle Fahrzeugklassen hinweg mit 11,1 Prozent bei den Zwei- bis Dreijährigen der Dacia Duster. Fiat parkt zweimal hinten ein: Der Panda (7,9) steht bei den Minis hinten und der Punto (10,5 Prozent) bei den Kleinwagen. Dacia-Modelle kommen bei den Vans mit dem Lodgy (10,9) und bei den Kompakten mit dem Logan (10,4) hinten an. Renault schneidet mit dem Kangoo bei den Zehn- bis Elfjährigen und der insgesamt höchsten Durchfallquote von 37,5 Prozent verheerend ab. Mit dem VW Sharan stellt bei den Vier- bis Fünfjährigen aber auch ein deutscher Hersteller das schlechteste Modell.

Für den aktuellen Report hat der Verband Ergebnisse von 8,8 Millionen Pkw-Hauptuntersuchungen ausgewertet, die der Tüv zwischen Juli 2019 und Juni 2020 durchgeführt hat. Der Tüv ist neben Dekra, GTÜ oder Küs nur einer von mehreren HU-Anbietern.

Die Kosten:

Die Kosten für die HU sind nicht bundeseinheitlich festgelegt. Laut ADAC geht es bei rund 65 Euro los. Inklusive Abgasuntersuchung (AU) müsse man für einen durchschnittlichen Pkw zwischen 100 und 120 Euro bezahlen. Dabei gilt: Je größer und schwerer das Fahrzeug, desto teurer wird es. Eine Nachuntersuchung wird laut ADAC noch einmal mit 15 bis 30 Euro berechnet. Überzieht ein Autofahrer seinen HU-Termin um mehr als zwei Monate, fällt die Rechnung der Prüfer um 20 Prozent höher aus. Wer nicht selbst zu einer Prüfstelle fahren will, kann die HU auch über eine Werkstatt durchführen lassen. Viele Betriebe haben hierzu feste Termine. Dieser Service kann aber etwas mehr kosten. (dpa)

Checkliste für den TÜV:

Anbauteile: Sind die Kennzeichen gut sichtbar und sicher befestigt, alle Spiegel funktionsfähig? Auch abnehmbare Hängerkupplungen müssen mit vorgeführt werden.

Reifen: Das Profil muss noch bei mindestens 1,6 Millimetern liegen.

Scheinwerfer: Reflektoren im Scheinwerfergehäuse dürfen nicht blind, die Gehäuse nicht beschädigt sein.

Frontscheibe: Risse und Löcher sind ein erheblicher Mangel.

Sicherheitsausrüstung: Auch keine Plakette gibt’s bei defekten Gurten.

Hilfsmittel: Die Scheibenwaschanlage muss intakt, die Wischerblätter in gutem Zustand sein. Warndreieck und Warnwesten dürfen nicht fehlen.

Papiere: Zulassungsbescheinigung Teil eins (der frühere Fahrzeugschein), dazu der AU-Nachweis, falls die Abgasuntersuchung vorab erledigt wurde. Wichtig sind zudem Unterlagen für eventuell vorhandene besondere Felgen-Reifen-Kombinationen. (dpa/rnw)

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