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Rauchmelder sind oft fehlerhaft montiert

Nicht nur der Abstand zu Wänden ist wichtig. Profis erklären, wann die Geräte sicher funktionieren.

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Rauchmelder müssen zum Übergang zur Zimmerwand einen ausreichenden Abstand haben.
Rauchmelder müssen zum Übergang zur Zimmerwand einen ausreichenden Abstand haben. © Christin Klose/dpa

Sogar aus dem Tiefschlaf sollen Rauchmelder mit ihrem schrillen Warnton Menschen im Ernstfall holen – bei Bränden in Haus oder Wohnung kann das Leben retten. Aber wirklich retten können die Geräte nur, wenn sie an den richtigen Stellen im Raum hängen. Profis geben folgende Tipps:

Standorte im Haus

Gesetzlich vorgeschrieben sind Rauchmelder in allen Neu-, Um- und Altbauten. Nur Sachsen geht einen Sonderweg: Hier sind Bestandsgebäude noch ausgenommen. Die sonst bundesweit geltende Installationspflicht soll auch bald im Freistaat in Kraft treten, ein Termin steht aber noch nicht fest. Zunächst muss die Sächsische Bauordnung überarbeitet werden. Einen ersten Entwurf dafür hat das Kabinett Mitte 2021 vorgelegt. Danach hatten Verbände und Institutionen die Möglichkeit, eigene Vorschläge einzubringen. Inzwischen hat es eine zweite Befassung im Kabinett gegeben, nun muss noch der Landtag die geänderte Bauordnung debattieren und beschließen. Was Standorte von Rauchmeldern im Haus betrifft, gilt grundsätzlich, dass Schlaf- und Kinderzimmer sowie der Bereich der Notausgänge, also zum Treppenhaus oder zur Haustür führende Flure, von Rauchmeldern erfasst werden müssen. In Berlin und Brandenburg müssen zusätzlich alle potenziellen Aufenthaltsräume mit den Geräten ausgestattet sein – etwa Wohnzimmer.

Ein übliches Zimmer

Rauchmelder müssen "möglichst zentral an der Zimmerdecke befestigt werden, und zwar mit einem deutlichen Abstand zu Wänden und Ecken", sagt Reiner Metzger von der Stiftung Warentest. Dieser Abstand sollte mindestens einen halben Meter, besser noch einen Meter betragen. Ist die Distanz zu Wand- oder Deckenelementen, aber auch zu Lampen geringer, kann die Luft am Gerät nicht gut zirkulieren – und damit auch der Rauch nicht so früh wie möglich an die Sensoren gelangen. Die Zirkulation ist auch der Grund, warum der Rauchmelder laut Forum Brandrauchprävention nicht in der Nähe von Luftschächten oder dort, wo starke Zugluft herrscht, angebracht werden sollte. Denn der Rauch würde anfangs nur dorthin ziehen, statt den Alarm direkt auszulösen. Auch die Einrichtung kann zum Problem werden: "Wir sehen immer wieder, dass Rauchmelder zwar zunächst korrekt befestigt werden, später aber mit Schränken oder einem Regal zugestellt werden", sagt Reiner Metzger. "Die Geräte müssen aber frei bleiben."

Sehr große Räume

"Ein zentral an der Decke montierter Rauchmelder deckt ein bis zu 60 Quadratmeter großes Zimmer sicher ab", sagt Norbert Schaaf vom Forum Brandrauchprävention. Größere Räume, aber auch Zimmer, die von deckenhohen Regalen oder Schränken geteilt werden, brauchen also weitere Rauchmelder.

Hohe Räume und das Dachgeschoss

Problematisch sind sehr hohe Räume. Die Geräte sind zwar für Deckenhöhen von bis zu sechs Metern ausgelegt, in manchen Lofts oder Hallen reiche das nicht aus, sagt Schaaf. Schuld sei ein physikalisches Phänomen. "In jedem Raum steigt warme Luft unter die Decke und bildet dort ein unsichtbares Wärmepolster." Bei höheren Räumen ist dieses Polster so dick, dass der Rauch es nicht durchdringen und die darüber montierten Warngeräte erreichen kann. Deshalb müssen dort Rauchmelder mit Stangen von der Decke tiefer in den Raum geführt werden. Das gleiche Phänomen tritt in Räumen mit offenem Giebel unter Dächern auf. Auch hier sollte der Rauchmelder nicht zu hoch befestigt werden. Das Forum Brandrauchprävention rät zu einem Abstand zur Spitze von 0,5 bis einem Meter. Und es kommt auf die Dachschräge an: Bei einer leichten Steigung kann der Rauchmelder direkt an der Dachschräge festgemacht werden. Sind es mehr als 20 Grad Neigung, sollte das Gerät aber mit Hilfsmitteln in waagerechter Position aufgehängt werden. Eine Ausnahme bilden Zimmer mit Dachschrägen und einem waagerechten Mittelteil von mindestens einem Meter: Genau dorthin gehört der Rauchmelder.

Küche und Bad

Für Bad sind Rauchmelder ungeeignet, weil der oft auftretende Wasserdampf reihenweise Fehlalarme auslösen würde. "Hier ist das Brandrisiko aber auch gering", sagt Metzger. Anders sieht es in der Küche aus, wo mit dem Herd eine potenzielle Gefahrenstelle steht. Auch hier kommen Rauchmelder an ihre Grenzen, sagt der Produktexperte: "Sie würden schon auslösen, wenn man nur den Deckel vom Kochtopf hebt oder den heißen Ofen aufmacht." Daher sind in der Küche Wärmemelder oder ein Herdalarm die bessere Option. (dpa/rnw)

Tipps zu Rauchmeldern: Um die Batterieleistung zu überprüfen, sollte der eingebaute Testknopf am Rauchmelder etwa alle sechs Monate ausgelöst werden. Gibt der Melder nach einigen Sekunden keinen Signalton ab, ist die Funktion gestört, so das Forum Brandrauchprävention. Es müssen dann die Batterien oder das ganze Gerät ersetzt werden.

Es gibt Geräte mit Wechselbatterien und Modelle mit Lithiumbatterie, die nicht gewechselt werden kann. Bezogen auf die gesamte angenommene Lebensdauer sind die Kosten für beide in etwa gleich.

Verschmutzte Geräte werden mit einem feuchten Tuch ohne Reinigungsmittel abgewischt. Dabei darf der Rauchmelder keinesfalls geöffnet werden. Verschmutzung, aber auch starker Zigaretten- oder Kerzenrauch und in die Rauchkammer eingedrungene Fremdkörper wie Insekten oder Staub können einen Fehlalarm auslösen. Daher sollten die Öffnungen, durch die der Rauch eindringen soll, immer mal wieder geprüft werden. Sind sie beschädigt oder stark verschmutzt, muss der Rauchmelder ersetzt werden. (dpa)

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