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18 neue Wohnungen am Bautzener Kloster

Auf einem ehemaligen Garagengelände entsteht ein modernes Eckhaus. Beim Start stieß der Bauherr auf ein Problem, für das er eine nicht alltägliche Lösung fand.

Silvio Bjarsch ist Bauherr, Investor, Bauleiter und künftiger Vermieter eines modernen Wohnhauses an der Ecke Löhr-/Klosterstraße in Bautzen.
Silvio Bjarsch ist Bauherr, Investor, Bauleiter und künftiger Vermieter eines modernen Wohnhauses an der Ecke Löhr-/Klosterstraße in Bautzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es ist ein Bautzener Winkel, in dem nicht allzu oft Baufahrzeuge rollen. Das liegt weniger an der holprigen Löhrstraße als viel mehr an einer Art Grund-Ruhe rund um das Bautzener Kloster. Es ist eine Gegend, in der das Gezwitscher der Vögel die Motoren von Autos übertönt. Aber genau hier, an der Ecke Löhr-/Klosterstraße, sind seit fast einem Jahr Bauarbeiter zugange.

Im Schatten alter Bäume errichten sie ein Eckhaus mit 18 Wohnungen. Der Bauherr, Investor, Bauleiter und künftige Vermieter in einer Person ist in Bautzen kein Unbekannter: Silvio Bjarsch rettete unter anderem schon eine alte Mühle im Spreetal vor dem Verfall und errichtete neue Wohnhäuser auf dem Gelände einer alten Schuhfabrik an der Thrombergstraße. Für die Wohnungen an der Löhr-/Klosterstraße liegt ihm schon eine ganze A4-Seite mit Interessenten vor. Und das, obwohl er für das Haus keinerlei Werbung gemacht hat und auch kein Schild an der Baustelle seinen Namen nennt.

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Vielleicht liegt das große Interesse ja gerade an der Ruhe, die hier üblicherweise herrscht. Und trotzdem sind es nur fünf Minuten Fußweg bis zum Einkaufszentrum Husarenhof oder zur nächsten Stadtbus-Haltestelle. "Das ist schon eine Top-Wohnlage", findet Silvio Bjarsch.

Tiefgehende Gemeinsamkeit mit dem Kraftwerk Boxberg

Seine Firma Bjarsch Massivhaus und Immobilien GmbH kaufte das Grundstück von der Stadt, die es öffentlich ausgeschrieben hatte. Zuletzt, weiß der 49-Jährige, standen hier Garagen. Was hier aber ganz früher einmal war, konnte dem Bauherrn noch niemand genau sagen. Doch es muss ein Gebäude mit einem Unterbau gewesen sein. Denn die Bauarbeiter standen plötzlich vor einem zweieinhalb Meter tiefen Loch voller Bauschutt. Wer den wann dahin gekippt hat - wer weiß das schon? "Das ist erst beim Bauen zutage gekommen", berichtet Silvio Bjarsch.

Doch damit nicht genug: Als der Schutt beräumt war, ließ der Investor den weiteren Untergrund untersuchen. Und dabei stellte sich heraus, dass der Boden bis in eine Tiefe von zehn Metern gar nicht tragfähig war. Darauf konnte er nichts Neues bauen, denn: "Es kommt nicht selten vor, dass sich Gebäude noch setzen. Das ist ganz normal."

Was nun? Einen Rückzieher konnte und wollte Silvio Bjarsch nicht machen. Schließlich hatte er das Grundstück gekauft und in die Vorarbeiten auch schon jede Menge Geld investiert. Also setzte er auf eine ebenso ungewöhnliche wie teure Lösung: Er ließ 40 Stahlbeton-Säulen in den Boden einbringen, jede 60 Zentimeter dick. Auf diesen Säulen ruht nun die Bodenplatte - und darauf steht das Haus.

Der Neubau hat also eine Gemeinsamkeit mit dem Braunkohlekraftwerk Boxberg: Auch dieses ruht auf Säulen, die nach dem ersten Spatenstich im August 1994 in den sandigen Untergrund gerammt wurden.

Vermieter denkt an Mehrgenerationenhaus

Von den Schwierigkeiten des Anfangs ist heute weder in Boxberg noch an der Bautzener Löhr-/Klosterstraße noch etwas zu sehen. Der Fünfgeschosser steht und zeigt auch schon, wo sich künftig die Balkons befinden. Jede Wohnung der oberen Geschosse bekommt einen. Alle Mieter der vier Wohnungen im Erdgeschoss dürfen sich auf einen kleinen Vorgarten freuen.

Im Inneren des Hauses läuft bereits der Ausbau. Außen fehlt noch die Wärmedämmung. "Die Fassade sollte eher fertig werden, aber Styropor ist gerade Mangelware. Auch wir haben mit der derzeit problematischen Materialverfügbarkeit zu kämpfen", berichtet Bjarsch. Er gibt sich aber optimistisch, dass der Zeitplan gehalten werden kann.

"Wir haben Wohnungen jeder Größe dabei - von einem Zimmer bis zu vier Zimmern", schildert der Bauherr das Innere des Neubaus. Ein Fahrstuhl verbindet alle Etagen, vom Keller bis ins Dachgeschoss, wo zwei Vierraum-Wohnungen entstehen. Auf dem Hof bekommt jeder Mieter einen Pkw-Stellplatz.

Silvio Bjarsch kann sich gut vorstellen, dass hier Familien ebenso wie Pflegebedürftige einziehen - wie in einem Mehrgenerationenhaus. Als Vermieter kann er aus der Liste der vielen Interessenten wählen. Auf dem Zettel stehen übrigens auch die Namen von Bautzenern, die schon in dieser ruhigen Gegend wohnen. Das wollen sie künftig aber moderner als bisher.

Im Dezember sollen die Möbelwagen rollen

Für die Bauarbeiten entschied sich der Investor, wie schon bei seinen anderen Projekten in der Kreisstadt, für Firmen aus der Region. Sie sollen das Haus bis zum Herbst fertiggestellt haben. "Ziel ist der Einzug im Dezember", sagt der Investor. "Ab Januar wäre dann Miete zu zahlen." Deren Höhe bewegt sich auf einem Niveau, das Silvio Bjarsch mit "ortsüblich beim Erstbezug eines Neubaus" beschreibt, ohne konkreter zu werden.

Wenn die Bauarbeiter ab- und die Mieter einzogen sind, wird dieser Winkel von Bautzen wieder der ruhige sein, als den ihn die Anwohner lieben. Ein Winkel mit der Grund-Ruhe eines Klosters eben.

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